Die Betriebsprüfung an Wärmepumpen wird zukünftig in das Berufsbild des Schornsteinfegers integriert.
Markus Burger ist seit 2022 als ZIV-Vorstandsmitglied für den Bereich Technik verantwortlich.
Bilder: ZIV Fragen, die wir mit dem Vorstandsmitglied Technik im Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks (Zentralinnungs-verband ZIV), Markus Burger, erörtert haben.
Redaktion: Uns erreichen immer wieder Briefe aus der Leserschaft, die einen gewissen Unmut mit den Leistungen Ihres Handwerks erkennen lassen. In einem (auch Ihnen vorliegenden) aktuellen Fall beschwert sich ein Hausbesitzer über zu hohe Gebühren im Zusammenhang mit der Feuerstätten-Abnahme einer Hybridanlage.
Markus Burger: Uns erreichen nur sehr vereinzelt Beschwerden zu Kosten im Zusammenhang mit der Abnahme von Feuerstätten – speziell bei modernen Hybridanlagen liegt die Zahl der Rückmeldungen nahe null.
Wichtig ist: Für die Abnahme einer Anlage gilt in allen Bundesländern eine verbindliche Gebührenordnung. Sie schreibt eindeutig vor, welche Leistungen wie abzurechnen sind. Die zuständige bevollmächtigte Bezirksschornsteinfegerin bzw. der zuständige bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger kann daher weder mehr berechnen noch eigenständig Preise festlegen. Er ist strikt an diese gesetzlichen Vorgaben gebunden.
Redaktion: Darüber hinaus wird häufig die zweimalige Kehrung des Kaminofens pro Jahr beklagt, obwohl der nur als Notfeuerstätte genutzt wird. Wie sieht hier die Rechtslage aus?
Markus Burger: Für alle Feuerstätten – also auch für Kaminöfen – gelten in Deutschland feste Vorgaben aus der Kehr- und Überprüfungsordnung (KÜO). Diese schreibt vor, wie oft eine Anlage überprüft oder gekehrt werden muss, und zwar unabhängig davon, wie häufig sie tatsächlich genutzt wird.
Der Grund dafür ist einfach: Ein Kaminofen kann auch im „Stillstand“ Verschmutzungen, Zugprobleme oder sicherheitsrelevante Mängel entwickeln. Das betrifft vor allem den Schornstein, der Witterungseinflüssen ausgesetzt ist. Damit im Ernstfall – also, wenn die Feuerstätte wirklich gebraucht wird – alles sicher funktioniert, schreibt der Gesetzgeber regelmäßige Kehrungen vor. Ob es eine Haupt- oder ein Notfeuerstätte ist, spielt also für die gesetzliche Pflicht zunächst keine Rolle.
Auf Antrag kann die Kehrung reduziert werden, hierfür sind die Punkte in der KÜO zum Nachweis einer erkennbaren rückstandsarmen Verbrennung zu führen.
Redaktion: Grundsätzlich ist es aber doch seit der Reform 2008 möglich, den bevollmächtigten Schornsteinfeger zu wechseln, oder?
Markus Burger: Hier gibt es oft Missverständnisse. Seit der Reform 2008 können Hausbesitzer zwar frei wählen, welche Schornsteinfegerin oder welchen Schornsteinfeger sie für die freien Tätigkeiten beauftragen – also für Kehr-, Mess- und Reinigungsarbeiten. Nicht wählen kann man jedoch die bevollmächtigte Bezirksschornsteinfegerin oder den bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger. Sie sind vom Staat respektive von der zuständigen Landesbehörde für einen bestimmten Kehrbezirk bestellt und übernehmen dort die hoheitlichen Aufgaben, also zum Beispiel: die Feuerstättenschau, den Erlass des Feuerstättenbescheids, Abnahmen von neuen oder geänderten Anlagen, die Überwachung der Einhaltung gesetzlicher Fristen.
Diese hoheitlichen Aufgaben dürfen ausschließlich von der dafür bestellten Bezirksschornsteinfegerin oder dem Bezirksschornsteinfeger oder seiner Vertretung durchgeführt werden. Ein Wechsel ist daher nicht möglich, genauso wenig wie man sich seinen zuständigen Bezirksbeamten beim Ordnungsamt selbst aussuchen kann.
Redaktion: Nun werden ja fossile Brennstoffe zunehmend durch erneuerbare Energien ersetzt. Damit einhergehend kommt es zu einer gewissen Elektrifizierung der Wärmesysteme. Brauchen wir denn zukünftig noch das Schornsteinfegerhandwerk?
Markus Burger: Ganz klar: Ja – mehr denn je.
Die Energiewende sorgt dafür, dass Heizsysteme komplexer werden. Neben klassischen Feuerstätten rücken heute Wärmepumpen, Hybridanlagen, Solarthermie und Lüftungstechnik in den Mittelpunkt. Warum wir weiterhin unverzichtbar bleiben?
Wir sind neutrale Ansprechpartner vor Ort – unabhängig, fachlich fundiert und gesetzlich zur Neutralität verpflichtet.
Viele Kolleginnen und Kollegen sind ausgebildete Gebäudeenergieberater und begleiten Hausbesitzer bei Modernisierung und Energiewende. Wir können Wärmepumpen auslegen, ihre Effizienz bewerten und Inspektionen durchführen. Auch moderne Wohnraumlüftungsanlagen gehören zu unserem Aufgabengebiet. Dort, wo weiterhin Feuerstätten betrieben werden – sei es Holz, Pellets, Gas oder Hybrid – bleibt unsere Sicherheitsarbeit essenziell.
Kurz gesagt: Ob erneuerbar, elektrisch oder hybrid – die Heiztechnik wird vielfältiger, nicht einfacher. Und genau deshalb braucht es das Schornsteinfegerhandwerk auch in Zukunft als kompetenten, unabhängigen und wohnortnahen Partner der Energiewende.
Redaktion: Sie sprechen in diesem Zusammenhang auch die Wärmepumpe an. Was wird die „Schwarze Zunft“ konkret an diesen Wärmeerzeugern tun?
Markus Burger: Das Schornsteinfegerhandwerk kann im Rahmen der gesetzlichen Betriebsprüfung sowie der allgemeinen Anlagenkontrolle verschiedene Aufgaben an Wärmepumpen übernehmen. Dazu gehören Sichtprüfungen der gesamten Anlage, einschließlich Außeneinheit, Rohrleitungen, Dämmung, elektrischer Anschlüsse und des Kondensatablaufs. Außerdem wird das hydraulische System kontrolliert, also Vor- und Rücklauf, Dichtigkeit, Korrosion und korrekte Dämmung. Auch die Einstellungen der Wärmepumpe werden überprüft: Betriebsart, Bivalenzpunkt, Temperaturführung und gegebenenfalls der Silent- oder Nachtmodus.
Darüber hinaus erfolgt eine Effizienzbewertung. Zur Beurteilung des Verschleißes werden Verdichterstarts und Laufzeiten dokumentiert. Festgestellte Mängel wie falsche Einstellungen, fehlende Dämmung, häufiges Takten oder Installationsfehler werden erfasst und dem Betreiber erläutert. Abschließend berät die Schornsteinfegerin oder der Schornsteinfeger über Optimierungsmöglichkeiten und mögliche Energieeinsparpotenziale.
Redaktion: Wie steht es mit der Kooperation mit dem SHK-Handwerk? Was wünschen Sie sich dahingehend für die Zukunft?
Markus Burger: Die Zusammenarbeit zwischen Schornsteinfegerhandwerk und SHK entwickelt sich gerade sehr praxisnah. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern beider Gewerke hat sich intensiv damit beschäftigt, wie eine gemeinsame Herangehensweise bei der Wärmepumpe aussehen kann. In diesem Projekt werden und wurden mehrere Sanierungen gemeinsam durchgeführt, um echte Erfahrungen zu sammeln.
In der Praxis zeigt sich, dass es unterschiedliche Arbeitsstile gibt. Manche Kolleginnen und Kollegen planen lieber alles selbst, andere freuen sich über Entlastung und Unterstützung. Genau hier setzen wir an. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Schornsteinfegerhandwerk probieren wir aus, wie eine Zusammenarbeit funktionieren kann, wenn ein Betrieb im Bereich Planung Aufgaben abgeben möchte.
Als Werkzeug nutzen wir ZVPLAN. Das Programm ist darauf ausgelegt, dass verschiedene Beteiligte beim Aufmaß und bei der Planung zusammenarbeiten können, egal ob Meister und Mitarbeiter, SHK-Betrieb und Kunde oder eben SHK-Betrieb und Schornsteinfegerin oder Schornsteinfeger. Damit schaffen wir eine gute Grundlage, um die Abläufe zwischen beiden Gewerken sinnvoll zu verzahnen.
Redaktion: Es wäre sicherlich schön, diese Zusammenarbeit in nächster Zeit zu vertiefen. Gibt es dahingehend gemeinsame Ziele; sehen wir das Schornsteinfegerhandwerk auf den kommenden Fachmessen der Branche?
Markus Burger: Durch die Gründung der Taskforce Gebäudetechnik im ZDH hat sich die Zusammenarbeit der anlagentechnischen Gewerke noch einmal deutlich vertieft. In dieser Runde tauschen wir uns regelmäßig über gemeinsame Ziele und über den Weg dorthin aus. Beide Gewerke verbindet vor allem eines: Wir wollen die Energiewende vor Ort praktisch umsetzen und wir werden das auch tun.
Diese Zusammenarbeit möchten wir in Zukunft gern weiter vertiefen – und dafür bietet die Messewelt eine hervorragende Plattform. Das Schornsteinfegerhandwerk ist auf allen wichtigen Fachmessen der Branche präsent. Auf den großen Leitmessen wie der ISH in Frankfurt oder der World of Fireplaces vertritt der Bundesverband das Handwerk geschlossen und sichtbar. Dort zeigen wir, wie stark sich das Berufsbild weiterentwickelt hat – hin zu moderner Gebäudetechnik, Energieeffizienz und aktiver Unterstützung der Energiewende.
Aber nicht nur bundesweit, auch regional sind wir aktiv: Innungen und Kreisgruppen beteiligen sich regelmäßig an kleineren, lokalen Messen, Handwerksbörsen und Energieberatertagen. Gerade diese Formate sind für uns besonders wertvoll, weil wir dort ganz unmittelbar mit Menschen ins Gespräch kommen – mit jungen Leuten, die sich über Ausbildungsmöglichkeiten informieren möchten, aber auch mit Eigentümern, Kommunen und Betrieben, die kompetente Ansprechpartner für Energiethemen suchen.
Redaktion: Dem Schornsteinfegerhandwerk ist es gelungen, erstaunlich viel Nachwuchs zu rekrutieren. Die rund 7.500 Betriebe bilden derzeit über 2.000 junge Menschen aus. Möchten Sie unseren Lesern dazu ein paar Tipps mit auf den Weg geben?
Markus Burger: Das Schornsteinfegerhandwerk hat in den vergangenen Jahren eindrucksvoll gezeigt, wie attraktiv diese Berufswelt für junge Menschen sein kann. Über 2.000 Auszubildende in rund 7.500 Betrieben sprechen eine klare Sprache: Wer einen sicheren, vielseitigen und sinnstiftenden Beruf sucht, findet hier eine hervorragende Perspektive.
Das Schornsteinfegerhandwerk ist längst weit mehr als Kehren und Messen. Junge Menschen arbeiten heute an wichtigen Zukunftsthemen der Energiewende: Sie prüfen, bewerten und optimieren moderne Heizungsanlagen wie Wärmepumpen, beraten zur Energieeffizienz von Gebäuden und helfen Hauseigentümern, CO₂ zu sparen. Wer sich für Technik, Umwelt- und Klimaschutz interessiert, findet hier ein Berufsfeld mit enormer Zukunftssicherheit und vielen Entwicklungsmöglichkeiten – vom Gesellen über den Meister bis hin zum Energieberater oder Gebäudetechnik-Fachplaner.
Redaktion: „War es vor allem Glück oder welche konkreten Faktoren haben dazu beigetragen, dass sich das Schornsteinfegerhandwerk in den vergangenen Jahren so positiv entwickeln konnte?“
Markus Burger: Für viele sind wir Glücksbringer – dabei sind wir viel mehr. Das Schornsteinfegerhandwerk hat eine lange Tradition: Praktisch seit dem Mittelalter sorgen wir dafür, dass Menschen sicher heizen können. Bei aller Tradition, auf die wir sehr stolz sind, entwickeln sich unser Beruf und unser Wissen ständig weiter. Wir unterstützen die Menschen bei der Energiewende, wir beraten und wir helfen ganz konkret dabei, die Umwelt und das Klima zu schützen. Wir können also mit Fug und Recht behaupten: Es war eben nie einfach nur Glück, sondern Kompetenz und die Bereitschaft zur Veränderung. Diese Eigenschaften sorgen dafür, dass unser Beruf auch in Zukunft eine entscheidende Rolle spielen wird.
Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen weiterhin alles Gute sowie viel Erfolg.
Zentralinnungsverband ZIV e. V.
Der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks (ZIV) mit Sitz in Sankt Augustin vertritt die Interessen des Schornsteinfegerhandwerks in Deutschland. Zu seinen Mitgliedern zählen 16 Landesinnungsverbände und Landesinnungen sowie deren angegliederte Innungen. Zurzeit sind rund 7.300 Innungsbetriebe mit über 11.000 Energieberaterinnen und Energieberatern, über 16.000 Angestellten sowie über 200.000 Kundenkontakten täglich Mitglied einer Innung und als Teil dieser Organisationseinheit im Bundesverband vertreten. Der ZIV repräsentiert damit über 93 Prozent der am Markt beteiligten Betriebe. Als direkter Ansprechpartner für Behörden, Ministerien, Verbände und Marktpartner beteiligt er sich an fachlichen und berufspolitischen Abstimmungsprozessen, Ausschüssen und Arbeitskreisen. Darüber hinaus kommuniziert der ZIV die Themen des Handwerks in der Öffentlichkeit und berät Mitglieder, Bürger und Marktpartner.