Um die bundesdeutsche Unabhängigkeit hinsichtlich kostenintensiver Energieimporte weiter voranzubringen, gilt es verstärkt heimische Ressourcen zu nutzen. In diesem Zusammenhang haben wir uns gestern mit der Förderung von Erdgas beschäftigt – ein nicht unumstrittenes Thema – speziell, wenn der Begriff „Fracking“ ins Spiel kommt.
Seit 2025 Bundeswirtschaftsministerin: Katharina Reiche (CDU) plädiert für die verstärkte Nutzung heimischer Erdgasvorkommen.
Bild: Bundes Wirtschaftsministerium
Erdgasspeicher Epe der Uniper Energy Storage GmbH.
Bild: Uniper
Die Abgaswärmetauscher von Schräder wurden bei der Bulten GmbH auf den Härteöfen montiert und in die Abgasstrecke eingebunden.
Bild: Schräder Abgastechnik
Autor Dieter Last, Handwerksmeister, Fachjournalist in der TGA-Branche und Mitglied im Arbeitskreis Baufachpresse e. V.
Bild: privat
Heute der zweite Teil. Hier geht es zum ersten
Weniger umstritten ist Biogas. Es trägt schon jetzt wesentlich zur bundesdeutschen Wärmeversorgung bei und konnte seinen Anteil seit 2010 mehr als verdoppeln. Zurzeit sind es etwa 400.000 Haushalte sowie zahlreiche öffentliche Gebäude, Schwimmbäder, Gewächshäuser, Stallungen und Trocknungsanlagen vor allem im ländlichen Raum, die mit Wärme aus Biogas beheizt werden. Dieser Anteil lässt sich nochmals verdoppeln, sofern die etwa 9.000 Biogasanlagen in Deutschland eine sichere und langfristige Perspektive für den Weiterbetrieb erhalten. Mit dem Biomassepaket der Bundesregierung haben sich die Rahmenbedingungen für Biogasanlagen in 2025 und 2026 bereits deutlich verbessert. Ab dem kommenden Jahr werden die Perspektiven aber wieder ungewisser. Anlagebetreiber warten hier auf wichtige Gesetzesnovellen wie das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Zudem kann Bio-Flüssiggas mit bis zu 90 % CO2-Ersparnis einen aktiven Beitrag zur Energiewende leisten. Durch den Einsatz des erneuerbaren bzw. nicht fossilen Energieträgers ist es bereits heute möglich, die Anforderungen des zukünftigen Gebäude-Modernisierungs-Gesetzes (GMG) hinsichtlich der so genannten Öko-Treppe zu erfüllen.
Insgesamt ist festzustellen, dass die Bioenergie bereits jetzt mit etwa zwei Dritteln den größten Teil der erneuerbaren Energien in Deutschland stellt. Die Rohstoffe, die dies ermöglichen, reichen von Energiepflanzen über Wald- und Resthölzer bis hin zu Abfällen aus Landwirtschaft und Biotonne. Je nach regionalen Gegebenheiten sind die Bioenergie-Potenziale in Deutschland unterschiedlich groß und bislang unterschiedlich stark genutzt. Das macht der "Potenzialatlas - Bioenergie in den Bundesländern" deutlich, der von der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) auf Basis von Untersuchungen des Deutschen Biomasseforschungszentrums (DBFZ) erstellt wurde.
Industrielle Abwärmenutzung bietet Chancen
Ein weiteres Potential bietet die Nutzung „Industrieller Abwärme“. Immerhin gehen nach Angaben der Deutsche Energie-Agentur (dena) bei uns jedes Jahr rund 125 Milliarden Kilowattstunden Abwärme aus Gewerbe und Industrie ungenutzt verloren. Damit könnten theoretisch rund zehn Millionen Haushalte ganzjährig beheizt werden. Der Wert der in die Umwelt abgegebenen Wärme beziffert sich auf bis zu fünf Milliarden Euro, sofern die Wärme innerbetrieblich verwendet werden kann. Wärme, die im Unternehmen nicht nutzbar ist, lässt sich jedoch gewinnbringend vermarkten. Ein Teil dieser nicht verwendeten Abwärme kann beispielsweise in Wärmenetze eingespeist werden, um damit fossile Energieträger zu ersetzen.
In diesem Zusammenhang soll die bundesweite Abwärmebörse helfen, dieses große Energiepotenzial zu heben. Verantwortlich für Aufbau und Betrieb der Plattform für Abwärme ist die Bundesstelle für Energieeffizienz (BfEE) im Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Gesetzliche Grundlage ist das Energieeffizienzgesetz (EnEfG) von 2023. Zusätzlich unterstützen staatliche Förderprogramme dieses Vorhaben (KfW 295 Modul 2 & 4): Das KWKG 2025 soll zudem weiterentwickelt werden, statt auszulaufen. Dieses Signal zeigt, dass die Öffentliche Hand bei der Nutzung von Abwärme und Kraft-Wärme-Kopplung am Ball bleibt. Darüber hinaus unterstützt die BEW-Förderung nicht nur Wärmenetze, die erneuerbare Wärme integrieren, sondern explizit auch solche mit einem hohem Abwärmeanteil. Andererseits stehen die Verantwortlichen in großen Gewerbe- und Industriebetrieben allzu häufig auf der Budgetbremse. Im Inland möchten international agierende Konzerne aktuell kaum noch investieren. Dies stellt einen schwerwiegenden Fehler dar, der weder der betrieblichen Infrastruktur guttut noch den heimischen Industriestandort stärkt. Anders sieht es im energieintensiven Mittelstand aus, für den aus vielerlei Gründen eine gewisse Standorttreue von Bedeutung ist. Großbäckereien und Brauereien zählen genauso dazu wie Rechenzentren, Groß-Gärtnereien oder Produktionsbetriebe aus der Bau-, Holz- und Metallwirtschaft.
Zudem gibt es zahlreiche gute Gründe, die für eine Nutzung industrieller Abwärme sprechen:
- Reduzierung des Energiebedarfs und damit einhergehend der Energiekosten
- Erhöhung des Autarkiegrads und mehr Unabhängigkeit von externen Energieversorgern
- Verringerung der Umweltbelastung
- ggf. Verbesserung der Produktivität in der Anlagentechnik
- Imagegewinn als nachhaltiges Unternehmen
Unternehmen können ihre Abwärmepotenziale über verschiedene Wege realisieren. Richtungsweisende Vorzeigeprojekte gibt es zuhauf. Beispielhaft sind hier Markenhersteller wie MIELE, KNIPEX, Harry-Brot und auch Dr. Oetker zu nennen. Sie nutzen ihre Abwärme schon jetzt, um den Energieverbrauch zu senken und dadurch die CO2-Bilanz zu verbessern.
Quintessenz
Die amtierende Bundesregierung hat zur Abwendung einer kostenintensiven Energiekrise wirkungsvolle Instrumente in der Hand. Das Bundes-Kartellamt muss in einer derartigen Situation zeitnah und unmissverständlich den Paragrafen 32f des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen zur Anwendung bringen. Darüber hinaus ist die Nutzung der heimischen Energieressourcen weiter auszubauen. Die Verwertung der Biomassen gehört ebenso dazu wie ein Ausbau der Erdgas-Förderung sowie die Nutzung der „Industriellen Abwärme“. All diese Maßnahmen erhöhen den Autarkiegrad unserer Energieversorgung und damit die Resilienz der bundesdeutschen Wirtschaft.