Unbesetzte Stellen belasten viele Handwerksunternehmen. Aufträge verzögern sich, Teams werden stärker beansprucht und geplantes Wachstum wird aufgeschoben. Häufig gilt der Fachkräftemangel als alleinige Ursache. Das greift jedoch zu kurz. Auch die Art der Personalsuche bestimmt, ob geeignete Personen ein Stellenangebot wahrnehmen.
Quelle: A&M Unternehmerberatung GmbH
Veränderte Mediennutzung erfordert neue Zugangswege
Die Personalwerbung vieler Betriebe orientiert sich weiterhin an einem Medienverhalten, das an Bedeutung verliert. Anzeigen in regionalen Zeitungen oder Radiospots erreichen zwar ein breites Publikum, lassen sich jedoch kaum auf beruflich relevante Gruppen begrenzen. Ein Teil der Reichweite entfällt deshalb auf Menschen, die weder über die benötigte Qualifikation verfügen noch einen Wechsel erwägen.
Vor allem jüngere Erwerbstätige informieren sich dagegen über digitale Kanäle. Dort begegnen ihnen Stellenanzeigen, Unternehmensbeiträge, Bewertungen und Einblicke in den Arbeitsalltag. Arbeitgeber müssen daher auf den passenden Plattformen präsent sein und Inhalte vermitteln, die für gesuchte Fachkräfte relevant sind.
Entscheidend ist die Kontaktdichte
Eine hohe Reichweite gilt im Recruiting häufig als Erfolg. Für die Besetzung einer konkreten Position ist sie jedoch nur begrenzt aussagekräftig. Maßgeblich ist nicht, wie viele Personen eine Anzeige theoretisch sehen, sondern wie viele geeignete Kandidaten sie wahrnehmen und im Gedächtnis behalten.
Ein einmaliger Kontakt reicht dafür selten aus. Zwischen privaten Inhalten und Angeboten anderer Arbeitgeber geht eine Stellenanzeige schnell unter. Wiederholte Sichtkontakte erhöhen dagegen die Wahrscheinlichkeit, dass ein Betrieb bekannt wird. In der Kommunikationsforschung wird dieser Zusammenhang unter anderem mit dem Mere-Exposure-Effekt beschrieben: Vertraute Reize werden tendenziell positiver bewertet als unbekannte.
Digitale Kampagnen lassen sich regional und nach weiteren Merkmalen eingrenzen. Ein Betrieb kann sein Budget auf eine kleinere, grundsätzlich geeignete Personengruppe konzentrieren und diese mehrfach erreichen. Das verringert Streuverluste und erhöht die Kontaktdichte. Selbst wenn eine Fachkraft aktuell keinen Stellenwechsel plant, kann sie sich zu einem späteren Zeitpunkt an den Betrieb und dessen Stellenangebot erinnern.
Stellenangebote müssen konkrete Fragen beantworten
Technische Reichweite kann eine unklare Arbeitgeberbotschaft allerdings nicht ausgleichen. Austauschbare Begriffe wie „leistungsgerechte Bezahlung“, „familiäres Team“ oder „abwechslungsreiche Tätigkeit“ bieten wenig Orientierung. Solche Aussagen finden sich in zahlreichen Ausschreibungen und schaffen kaum ein unterscheidbares Profil.
Fachkräfte benötigen stattdessen belastbare Angaben. Dazu zählen Aufgabengebiet, Einsatzorte, Arbeitszeitmodelle, Vergütungsbestandteile, Ausstattung sowie Entwicklungsmöglichkeiten. Auch die Erwartungen an Qualifikation und Erfahrung sollten eindeutig sein. Je genauer das Angebot die tatsächlichen Bedingungen beschreibt, desto besser können Interessenten beurteilen, ob ein Wechsel infrage kommt.
Niedrige Hürden beim Erstkontakt
Häufig verlieren Betriebe zudem potenzielle Bewerber, weil der Weg von der Stellenanzeige bis zur Kontaktaufnahme zu aufwendig ist. Verlangt ein Unternehmen sofort ein Anschreiben, einen aktualisierten Lebenslauf und sämtliche Nachweise, entsteht erheblicher Aufwand. Besonders latent wechselbereite Fachkräfte brechen den Vorgang möglicherweise ab, obwohl das Angebot für sie interessant ist.
Für eine erste Kontaktaufnahme reichen meist Kontaktdaten, beruflicher Hintergrund und ein Gesprächstermin. Fehlende Unterlagen können später ergänzt werden. Das senkt die Einstiegshürde, ohne die fachliche Auswahl zu verkürzen. Qualifikationen und gegenseitige Erwartungen lassen sich weiterhin strukturiert prüfen.
Zeitgemäße Personalgewinnung verbindet somit eine präzise Zielgruppenauswahl mit wiederholter digitaler Sichtbarkeit, konkreten Stelleninformationen und einem einfachen Erstkontakt. Den Fachkräftemangel können Betriebe damit nicht beseitigen. Sie verbessern jedoch ihre Ausgangslage, weil sie vorhandene Kandidaten gezielter erreichen und unnötige Hindernisse vermeiden.