Fernwärme aus erneuerbaren Energien und Abwärme ist heute im Schnitt günstiger als überwiegend fossil erzeugte Fernwärme. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online von mehr als 700 Fernwärmenetzen. Demnach kostet Fernwärme aus Netzen mit einem Anteil von mehr als 90 Prozent erneuerbaren Energien oder Abwärme durchschnittlich 2 Cent pro Kilowattstunde weniger als Wärme aus überwiegend fossil betriebenen Netzen.
„Die Daten zeigen: Klimaschutz muss bei der Fernwärme nicht automatisch zu höheren Kosten führen. Dort, wo erneuerbare Energien und Abwärme bereits heute eine zentrale Rolle spielen, ist die Wärme im Schnitt sogar günstiger“, sagt Tanja Loitz, Geschäftsführerin von co2online.
Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus ergeben sich in der Auswertung Preise von 15 Cent pro Kilowattstunde für Fernwärme aus überwiegend erneuerbaren Energien und Abwärme. Bei überwiegend fossil betriebenen Netzen sind es 17 Cent. Für Mehrfamilienhäuser liegen die entsprechenden Preise bei 14,1 beziehungsweise 16,4 Cent pro Kilowattstunde.
Erneuerbare Wärmequellen können Kosten senken
Für die Auswertung hat co2online die auf der Transparenzplattform Fernwärme des AGFW veröffentlichten Preise von mehr als 700 Fernwärmenetzen nach der erzeugten Wärmemenge gewichtet und hinsichtlich des Anteils erneuerbarer Energien und Abwärme untersucht.
Betreiber von Netzen mit erneuerbaren Energien und Abwärme sind weniger von den steigenden Preisen für Erdgas und andere fossile Energieträger abhängig. Auch die Kosten für CO₂-Emissionen, die bei der Wärmeerzeugung mit fossilen Energien anfallen, spielen bei erneuerbaren Wärmequellen und Abwärme keine Rolle.
Die Umstellung auf erneuerbare Wärmequellen und Abwärme geht zudem häufig mit einer Modernisierung der Wärmeerzeugung und der Netzinfrastruktur einher. Diese ist zwar in der Regel mit hohen Investitionskosten verbunden. Moderne Wärmenetze können aber effizienter betrieben werden und teilweise geringere Wärmeverluste aufweisen.
Günstigste Fernwärme in Sachsen-Anhalt
Wie günstig und unterschiedlich eine klimafreundliche Wärmeversorgung vor Ort sein kann, zeigen die drei günstigsten Fernwärmepreise. In Mücheln in Sachsen-Anhalt wird mit 8,5 Cent pro Kilowattstunde der bundesweit günstigste Preis gezahlt. Seit 2008 wird dort Wärme mit Holzhackschnitzeln erzeugt.
In Dortmund-Scharnhorst beträgt der Preis 9,6 Cent pro Kilowattstunde. Dort wird unter anderem industrielle Abwärme genutzt. In Schwandorf in Bayern liegt der Preis bei 9,7 Cent pro Kilowattstunde. Die Wärme stammt dort unter anderem aus der Verwertung biologischer Abfälle in einem lokalen Müllkraftwerk.
Fernwärme spart 20.000 Euro Heizkosten
„Wer sich für Fernwärme interessiert, sollte nicht nur fragen, was die Kilowattstunde heute kostet. Wichtig ist auch, woher die Wärme kommt und wie sich das Netz in den kommenden Jahren entwickeln soll“, so Loitz.
co2online hat deshalb die voraussichtliche Entwicklung der Heizkosten für ein durchschnittliches Einfamilienhaus untersucht. Die Prognose zeigt, dass die Kosten für Erdgas und Heizöl langfristig deutlich stärker steigen werden als die Kosten für Fernwärme. Über einen Zeitraum von 20 Jahren ergibt sich bei Fernwärme ein Kostenvorteil in Höhe von 20.000 Euro gegenüber dem Heizen mit fossilen Energien.
Fernwärme kann deshalb insbesondere dort eine Alternative sein, wo ein Wärmenetz bereits mit erneuerbaren Energien und Abwärme betrieben wird oder eine nachvollziehbare Dekarbonisierungsstrategie vorliegt.