Die detaillierte Regelung zu den Energieausweisen, die noch nicht verabschiedete EnEV 2006 – lässt auf sich warten. Derzeit befindet sich der Referentenentwurf zur Endabstimmung im Wirtschaftsministerium.
Streit in dem Referentenentwurf gibt es unter anderem um den Punkt, ob der Energieausweis auf einer Bedarfs- oder Verbrauchsgrundlage ausgestellt werden soll. Dazu hat die Ständige Konferenz der Hochschullehrer für Bauphysik und die Ständigen Konferenz der Hochschullehrer für Technischen Ausbau eine Stellungnahme veröffentlicht:
Der Energiepass für Gebäude muss auf dem Bedarf basieren! Nach Einführung eines Energieausweises für Neubauten durch die Energieeinsparverordnung (EnEV) 2002 ist entsprechend der Europäischen Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden ein Energieausweis für bestehende Gebäude über die EnEV 2006 umzusetzen. Dabei wird neuerdings die seit langem geübte Praxis, den Energieausweis (meist als Energiepass bezeichnet) auf der Basis von Bedarfswerten auszustellen, in der politischen Diskussion in Frage gestellt und stattdessen, oder zumindest gleichwertig, ein auf dem Verbrauch basierter Wert, der z.B. über Heizkostenabrechnungen ermittelt wird, als Grundlage erwogen.
Die für diese Materie zuständigen Professoren deutscher Universitäten befürworten mit Nachdruck die alleinige Verwendung eines bedarfsbasierten Wertes für den Energieausweis und die Verwendung von Verbrauchswerten ausschließlich für ergänzende Informationen.
Begründung: Wesentlicher Zweck der Einführung eines Energieausweises sind die Information über das energetische Verhalten eines Gebäudes und die daraus resultierende verstärkte Umsetzung von Modernisierungsmaßnahmen im Bestand.
Durch einen bedarfsbasierten Energieausweis können von qualifizierten Ausstellern die Ursachen für hohe Verbrauchswerte aufgezeigt und die Auswirkungen einzelner Modernisierungsmaßnahmen dargelegt werden. Unter Berücksichtigung zusätzlicher Aspekte wie z. B. Kosten, Substanzerhaltung, Lebensdauer, Feuchteschutz und Schallschutz kann mit dem Investor ein individuelles energetisches Modernisierungskonzept erstellt werden.
Die Angabe von Verbrauchswerten wäre zwar für die Einordnung des eigenen Verbrauchs im Vergleich zu Durchschnittswerten nützlich, kann jedoch nicht die Funktion einer energetischen Kennzeichnung erfüllen. Verbrauchswerte stellen für potentielle Käufer oder Mieter keinen objektiven Bewertungsmaßstab dar, weil sie in hohem Maße vom jeweiligen Nutzerverhalten abhängig sind, Abweichungen aufgrund unterschiedlicher Nutzungen von weit über 100% sind anzutreffen. Darüber hinaus sind auch wechselnde meteorologische Randbedingungen mögliche Ursache einer falschen Einstufung, die auch nicht durch eine Gradtagszahlbereinigung behoben werden kann, da unter anderem unterschiedliche Solarenergieangebote während der Heizperiode unberücksichtigt bleiben. Zusätzliche Heizquellen wie z.B. Kachelöfen oder offene Kamine werden über die Heizkostenabrechnung nicht erfasst und die Zuordnung fester oder flüssiger Brennstoffe auf den Bilanzzeitraum ist problematisch und eröffnet große Manipulationsspielräume.
Objektspezifische Modernisierungsempfehlungen sind auf der Basis eines verbrauchsorientierten Energieausweises nicht möglich, da nur der Zustand unter undefinierten Randbedingungen erfasst wird und selbst dessen Zustandekommen - welchen Anteil haben welche anlagen- oder bautechnischen Komponenten? - unklar ist. Die Therapie bleibt aus, bzw. entbehrt jeder Grundlage.
Fazit: Die relativ geringen Kosten für die Ausstellung eines bedarfsorientierten Energieausweises sind angesichts der umfangreichen Erkenntnisse über ein Gebäude und der mangelnden gleichwertigen Alternative vertretbar. Energieverbrauchswerte stellen eine sinnvolle Informationsgröße dar; ein Energiepass auf Verbrauchsbasis ist hingegen wertlos und vereitelt die sich durch die energetische Gebäudesanierung eröffnenden Chancen für Immobilieneigentümer, Planer, Handwerker, Industrie, Volkswirtschaft und Umwelt.
Der
HaustechnikDialog bietet den Lesern an sich der Stellungnahme anzuschließen. Sie können sich per E-Mail an das Wirtschaftsministerium wenden, um sich vor Veröffentlichung des Referentenentwurfs noch für einen bedarfsorientierten Energieausweis auszusprechen.
Ja ich will mich der Stellungnahme anschließen Die Unterzeichner der Stellungnahme:
Prof. Sabine Busching, HafenCity Universität Hamburg,
Fachgebiet Gebäudetechnik
o.Univ. Prof. Dr. Dr. Jürgen Dreyer, Technische Universität Wien,
Institut für Hochbau und Technologie, Zentrum für Bauphysik und Bauakustik
Univ. Prof. Dr.-Ing. M. N. Fisch, Technische Universität Braunschweig,
Institut für Gebäude- und Solartechnik
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Nabil A. Fouad, Universität Hannover,
Institut für Bautechnik
Prof. Dr.-Ing. Lutz Franke, Technische Universität Harburg,
Lehrstuhl für Bauphysik und Werkstoffe im Bauwesen
Prof. Horst Gamerith, Technische Universität Graz,
Institut für Hoch- und Industriebau
Prof. Dr.-Ing. habil. Dr. h.c.mult. Dr. E.h.mult. Karl Gertis, Universität Stuttgart,
Lehrstuhl für Bauphysik
Prof. em. Dr.-Ing. Berthold Gockell, Technische Universität Braunschweig,
Institut für Gebäude- und Solartechnik (IGS)
Prof. em. Dipl.-Ing. Lothar Götz, Universität Stuttgart,
Institut für Baustofflehre, Bauphysik, Technischen Ausbau und Entwerfen
Prof. Dr.-Ing. Peter Grübl, Technische Universität Darmstadt,
Institut für Massivbau
Prof. Dr. sc.techn. Klaus Hänel, Technische Universität Cottbus,
Lehrstuhl Technischer Ausbau
Prof. Dr.-Ing. habil. Peter Häupl, Technische Universität Dresden,
Institut für Bauklimatik
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Gerd Hauser, Technische Universität München,
Lehrstuhl für Bauphysik
Univ.-Prof Dr.-Ing. Gerhard Hausladen, Technische Universität München,
Lehrstuhl für Bauklimatik und Haustechnik
Prof. Dr. rer.nat. Hermann Heinrich, Technische Universität Kaiserslautern
Fachgebiet Bauphysik, Technische Gebäudeausrüstung, Baulicher Brandschutz
Prof. Dr. Hugo L. Hens, Katholieke Universiteit Leuven, Belgien,
Laboratorium Bouwfysica
Prof. Gudni A. Johannesson, KTH Stockholm, Schweden,
Department of Building Sciences
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Kurt Kießl, Bauhaus-Universität Weimar,
Lehrstuhl f. Bauklimatik
Prof. Dr. rer. nat. Oliver Kornadt, Bauhaus-Universität Weimar,
Lehrstuhl für Bauphysik
Prof. Dr. Aleš Krainer, University of Ljubljana, Slowenien,
Faculty of Civil Engineering
Prof. Dr.-Ing. Klaus W. Liersch, Technische Universität Cottbus,
Lehrstuhl f. Baukonstruktion u. Bauphysik
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Georg-Wilhelm Mainka, Universität Rostock,
Baukonstruktionen und Bauphysik
Prof. Dr.-Ing. Dirk Müller, Technische Universität Berlin,
Hermann-Rietschel-Institut Heiz- und Raumlufttechnik
Prof. Dr.-Ing. habil. Wolfgang Richter, Technische Universität Dresden,
Institut für Thermodynamik und TGA
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Roloff, Technische Universität Dresden,
Institut für Bauklimatik
Dipl.-Ing. Joachim Ruoff, RWTH Aachen,
Vertreter der Professur im Fach Technischer Ausbau und Entwerfen
o. Univ.-Prof. Dr. techn. Ulrich Schneider, Technische Universität Wien,
Institutsleiter für Hochbau und Technologie
Univ.-Prof. i.R. Dr.-Ing. Ernst-Rudolf Schramek, Universität Dortmund,
Lehrstuhl für Technischen Gebäudeausbau
Prof. Dipl.-Ing. Jürgen Schreiber, Universität Stuttgart,
Institut für Baustofflehre, Bauphysik, Technischen Ausbau und Entwerfen
Prof. Dr.-Ing. Peter Schürmann, Universität Stuttgart,
Direktor des Instituts für Baustofflehre, Bauphysik, Technischen Ausbau und Entwerfen
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Phys. Klaus Sedlbauer, Universität Stuttgart,
Lehrstuhl für Bauphysik
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Geralt Siebert, Universität der Bundeswehr München,
Institut für Konstruktiven Ingenieurbau
Prof. Dipl.-Ing. Claus Steffan, Technische Universität Berlin,
Fachgebiet Gebäudetechnik und Entwerfen
Prof. em. Dipl.-Ing. Klaus W. Usemann, Universität Kaiserslautern,
Technische Gebäudeausrüstung
Prof. Dr.-Ing. Karsten Voss, Bergische Universität Wuppertal,
Fachgebiet Bauphysik und Technische Gebäudeausrüstung,
Prof. Dipl.-Ing. Andreas Wagner, Universität Karlsruhe,
Fachgebiet Bauphysik und Technischer Ausbau
o. Univ.-Prof. em. Dr. techn. Dr.-Ing. habil. Nils Valerian Waubke,
Universität Innsbruck,
Vorm. Vorstand des Institutes für Betonbau, Baustoffe und Bauphysik
Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Wolfgang Willems, Ruhr-Universität Bochum,
Baukonstruktionen und Bauphysik
Prof. Dr.-Ing. András Zöld, Technische Universität Budapest, Ungarn,
Labor für Bauphysik