Die Fußbodenheizung, früher die teuere Luxusvariante der Heizungssysteme, wird zum Standard. Steigende Anforderungen an den Komfort und immer günstigere bauphysikalische Voraussetzungen haben zu dieser Verbreitung beigetragen. Im folgenden Fachaufsatz erläutert Dipl. Ing FH Peter Gabanyi, wie in einer Wohnanlage mit zwölf Reihenhäusern der Einsatz der Fußbodenheizung innovativ umgesetzt wurde.
WOHNUNGSFLUR. Was ist zu beachten: - Wärmeüberschuss und Wärmeschleier der Zuleitungen und des Verteilerkastens vermeiden.
- Hohe Oberflächentemperaturen durch unisolierte Vorlaufleitungen vor Verteiler vermeiden. (Garantie Parkettleger)
- Geforderte Mindest- Estrichstärke über den isolierten Rohrleitungen einhalten. (Garantie Estrichleger)
- Zuleitungen auf kürzestem Weg vom Verteiler zum Raum. Keine zusätzlichen Rohrschlangen im Flur, um zusätzliche unkontrollierte Wärmeabgabe zu vermeiden.
- Gleichmäßige Beheizung der gesamten Estrichfläche des Flures, um Spannungen zu vermeiden.
- Werden Anbindeleitungen auf dem Rohfußboden verlegt, dürfen diese beim „Auftauchen“ im Raum die Trittschalldämmung nicht durchstoßen.
- Flur soll möglichst ein eigener regelbarer Heizkreis zum Temperieren des Bodens sein, obwohl da in der Regel keine Heizlast nach DIN EN 12831 Beiblatt 2 gefordert wird.
AUFKLÄRUNG DES NUTZERS ÜBER FUNKTION DER FUSSBODENHEIZUNG.
Die Industrie muss den Nutzer über allgemeinverständliche Informationen zu Funktion und Eigenschaften der Fußbodenheizung aufklären. Speziell das Thema "Regelung" der Fußbodenheizung ist weitgehend unbekannt.
Meiner Erfahrung nach kann der Nutzer den Unterschied in Funktion und Eigenschaften zwischen der alten schlecht isolierten Wohnung mit Heizkörpern und der neuen optimal gedämmten Wohnung mit Fußbodenheizung ohne elementare Aufklärung nicht verstehen.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN: REGELUNG.
Die eigentliche Regelung der Fußbodenheizung erfolgt über die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen AUSSENTEMPERATUR-geführte Regelung. Hier wird unter Einbeziehung der spezifischen Gebäude-Werte und Nutzervorgaben (Heizkurve des Reglers) jeder Außentemperatur die entsprechende Heizwasser-TEMPERATUR für das ganze Gebäude zur Verfügung gestellt. Zusätzlich müssen die berechneten Heizwasser-MENGEN für die einzelnen Räume / Heizkreise hydraulisch abgeglichen werden.
Ist die Anlage richtig berechnet und gebaut, der hydraulische Abgleich gemacht, werden in jedem Raum des Gebäudes – bei jeder Außentemperatur - die der Berechnung zugrunde liegenden Raum-Temperaturen konstant bleiben.
Die Raumtemperaturen nach DIN, Bäder 24°C, sonstige Räume 20°C sind reine Rechentemperaturen. Es sind „gefühlte Temperaturen“, die nicht mit der am Thermometer gemessenen Raum - LUFT - Temperatur zu verwechseln sind. Die Raumtemperatur ist das Mittel zwischen Lufttemperatur und Temperatur der Raumumschließungs-Flächen.
Voraussetzung für die konstante Raumtemperatur, unabhängig von der Außentemperatur, ist das geöffnete Thermostatventil dieses Raumes. Dadurch hat die für diesen Raum errechnete Wassermenge freien Durchgang durch den Heizkreis.
Die Raumtemperatur kann aus diesem Zustand heraus am Thermostatventil oder Raumfühler im wesentlichen nur gedrosselt werden. In der Praxis jedoch sind in der Heizlastberechnung Reserven vorhanden, die ein geringes Anheben der Raumtemperatur über die Rechentemperatur möglich machen.
Die Fußbodenheizung ist eine SPEICHERHEIZUNG. Eine schnelle Reaktion der Raumtemperatur bei Schließen oder Öffnen des Ventils ist nicht möglich. Die mehrstündigen Reaktionszeiten sind bei jedem Raum und Gebäude unterschiedlich.
Die eigentliche, zeitnah funktionierende Regelung ist der SELBSTREGELEFFEKT.
Voraussetzung ist jedoch, dass der Estrich immer genügend Wärme gespeichert hat, die er an den Raum abgeben kann. Ist der Estrich z.B. nach einer längeren Sonneneinstrahlphase (geschlossenes Thermostatventil) zu kalt, dauert es zu lange, bis der Estrich wieder so warm ist, um den Raum wieder aufzuheizen.
Abhilfe schaffen Thermostat-Ventile mit zusätzlichem Bodenfühler verschiedener Hersteller oder Thermostatventile mit Bypass von Oventrop oder Ventile mit Infrarot-Bodensensor von Danfoss.
Mit diesen Ventilen wird das Auskühlen des Estrichs unter einen bestimmten Sollwert verhindert. Diese den Selbstregeleffekt unterstützende Technik ist eine Voraussetzung für KOMFORT.
Ventile als Stetigregler werden bevorzugt eingesetzt. Hier nimmt das Ventil je nach Raumtemperatur kontinuierlich Werte zwischen „ ganz zu“ und „ganz auf“ an. Im Gegensatz dazu kennt der 2-Punkt-Regler nur „offen“ oder „zu“.
Stromlose Thermostatventile, wie die Unibox EBV, die in jedem Raum eingebaut sind, messen und regeln in einem Gerät. Die Ventile elektrisch angetriebener Regelungen haben das Messglied im Raum, das Stellglied auf dem Verteiler und dazwischen eine Strom- oder Funkverbindung.