Der Kunststoffhersteller Rehau Building Solutions steht vor einer umfassenden Umstrukturierung. Im Zuge einer strategischen Neuausrichtung für die Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) werden an mehreren Standorten Arbeitsplätze abgebaut – ein Schwerpunkt liegt dabei in Erlangen. Das Unternehmen reagiert nach eigenen Angaben auf schwierige Marktbedingungen und den zunehmenden Wettbewerbsdruck.
Die Bänder bleiben stehen (Symbolbild)
Bild: HTD
Strategische Neuausrichtung für mehr Effizienz
Rehau plant, die Strukturen innerhalb von Building Solutions zu verschlanken und den Fokus stärker auf profitables Wachstum zu legen. „Die wirtschaftlichen Herausforderungen und der anhaltende Preisdruck machen eine Anpassung der Strategie notwendig“, heißt es aus Unternehmenskreisen. Insgesamt sind von den Maßnahmen weltweit 203 Mitarbeitende betroffen – davon 101 in Deutschland, ein erheblicher Teil am Standort Erlangen.
CEO Rafael Daum betont, dass dieser Schritt unvermeidbar sei, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben: „Wir wissen, wie schwer diese Entscheidung für viele ist, sehen sie aber als Voraussetzung, um Rehau nachhaltig zu stärken.“
Fokus auf Kernmärkte und Zukunftsfelder
Ziel der Umstrukturierung ist es, die Geschäftsaktivitäten gezielter auf starke Märkte und wachstumsrelevante Segmente auszurichten. Künftig sollen die Produkte und Dienstleistungen in vier zentrale Bereiche gegliedert werden:
• Infrastructure Solutions
• Plumbing Solutions
• Thermal Flow Solutions
• Modular Systems
Schwerpunkte bilden künftig Anwendungen rund um Trinkwasserversorgung, Heiz- und Kühlsysteme, Abwasserlösungen sowie nachhaltige Nutzung von Regenwasser und Fernwärme.
Rückzug aus einzelnen Märkten – Stärkung der Präsenz in Zentraleuropa
Als Teil der Neuaufstellung zieht sich Rehau Building Solutions aus acht Märkten in Osteuropa mit eigenen Vertriebseinheiten zurück. Deutschland, Österreich und Italien bleiben dagegen zentrale Kernmärkte, in denen die Präsenz sogar ausgebaut werden soll. Deutschland wird künftig als eigenständige Vertriebseinheit geführt – ein Zeichen für die hohe Bedeutung des Heimatmarkts.
Erlangen bleibt bedeutender Standort
Trotz des Stellenabbaus betont das Unternehmen die fortbestehende Relevanz des fränkischen Standorts: „Erlangen bleibt für uns ein zentraler Standort, insbesondere für Entwicklung und Verwaltung“, so die offizielle Mitteilung. Rehau sieht in der Maßnahme keine Abkehr von der Region, sondern einen notwendigen Schritt zur Zukunftssicherung.
Die betroffenen Mitarbeitenden wurden laut Unternehmen persönlich über die Entscheidung informiert. Für sie habe man faire Übergangslösungen geschaffen. Andere Unternehmenssparten wie Rehau Window Solutions sind von der Restrukturierung nicht betroffen.
Hintergrund: Rehau als traditionsreiches Familienunternehmen
Gegründet wurde Rehau 1948 in der oberfränkischen Stadt Rehau im Landkreis Hof. Heute zählt das Unternehmen mit über 160 Standorten weltweit zu den führenden Anbietern polymerbasierter Lösungen für Bau, Industrie und Automotive. Während sich die internationale Konzernzentrale inzwischen in Muri bei Bern (Schweiz) befindet, bleiben die deutschen Standorte Rehau und Erlangen wichtige Säulen der Unternehmensstruktur.
Bundesweit betreibt Rehau nach eigenen Angaben elf Werke, drei Logistikzentren und mehrere Verwaltungs- und Vertriebsbüros – darunter auch die Hauptsitze in Rehau und Erlangen.