Mit einem Passivhaus-Hallenbad betrat die Bädergesellschaft Lünen vor einigen Jahren Neuland. Messdaten belegen nun, dass sich der Mut gelohnt hat: Beim Energieverbrauch wurden gegenüber anderen Schwimmbädern hohe Einsparungen erreicht – beim Wärmebedarf ebenso wie beim Strom. Das Monitoring des Passivhaus Instituts zeigt zudem, dass im laufenden Betrieb weitere Optimierungen möglich sind. Der Pionier-Bau in Westfalen ist damit eine hervorragende Grundlage für Folgeprojekte. Im Detail sind die Ergebnisse ab sofort in der Online-Plattform Passipedia nachzulesen.
Eingangsbereich des neuen „Lippe-Bades“ mit mehr
als 200.000 Besuchern im Jahr 2012. Bild: PHI
Schwimmbäder sind sehr energieintensiv. Da viele
Bäder in Deutschland in den 70er Jahren gebaut
wurden, besteht flächendeckend Sanierungsbedarf.
„Das Potenzial für Einsparungen ist enorm – und die
Auswertung der Daten aus Lünen zeigt deutlich, dass
der Passivhaus-Standard auch hier eine praktikable
Lösung ist“, sagt Søren Peper, wissenschaftlicher
Mitarbeiter am Passivhaus Institut. Hunderte Städte
und
Gemeinden können sich auf diese Weise von hohen Betriebskosten befreien.
Zu den Kernpunkten für das Erreichen des Passivhaus
-Standards zählt auch bei einem
Hallenbad eine thermisch hochwertige Gebäudehülle,
einschließlich der Verglasung. So
wird nicht nur die Behaglichkeit erhöht, sondern das Bad kann außerdem mit höheren
Luftfeuchten betrieben werden, ohne dass es zu Kondensat-Ausfall kommt. Auch durch
die erhöhte Raumluftfeuchte kann, wegen geringer Verdunstung, der Heizenergiebedarf
des Bades gesenkt werden.
Weitere Einsparungen sind bei der Lüftung möglich:
Die Wärmeverluste werden hier
durch den Einsatz hochwertiger Lüftungswärmetauscher sowie einer angepassten
Lüftungssteuerung verringert. Beim Strombedarf sorg
en geringere Luftmengen und der
Einsatz sparsamer Geräte für einen signifikant niedrigeren Verbrauch. Verbesserte
Schwimmbadtechnik mit energieeffizienten elektrischen Anlagen und die Wiederverwendung von Filterrückspülwasser sind weitere Grundpfeiler des Konzepts.
Das Projekt in Lünen wurde von Beginn an wissenschaftlich begleitet. Das Passivhaus
Institut erstellte 2009 zunächst eine Grundlagenstudie. Die Ergebnisse flossen direkt in
die Planung ein. Die wichtigsten Erkenntnisse aus d
iesem Prozess, einschließlich erster
Energiebilanzen, wurden in einem Bericht des integr
alen Planungsteams veröffentlicht.
Im September 2011 nahm das „Lippe-Bad“ dann den Betrieb auf – als Sportbad mit fünf
Becken. Mehr als ein Jahr lang, bis einschließlich
März 2013, wurden die Energieströme
im Gebäude systematisch erfasst und analysiert.
Der Zeitraum der Messungen war, wie bei komplexen Neubauten üblich, noch von der
Einregulierung der Gebäudetechnik gekennzeichnet. Die Endenergieverbrauchswerte
lagen dennoch im Bereich der Prognosen: bezogen auf
die Beckenfläche von 850 m²
ein Wärmebezug von 1.189 kWh/(m²
a) und ein Strombezug von 718 kWh/(m²
a). Knapp
zwölf Prozent des Stromverbrauchs wurden durch Solaranlagen erzeugt.
Künftig könnte der Endenergiebedarf im „Lippe-Bad“
weiter deutlich gesenkt werden,
vor allem durch eine Anlage zur Aufbereitung des Filterspülwassers, die während der
überwiegenden Zeit des Monitorings nicht in Betrieb
war. Auch beim Strombedarf sind
weitere Einsparungen absehbar. Das Pilotprojekt belegt damit, ähnlich wie das etwa
zeitgleich errichtete „Bambados“ in Bamberg, dass die Effizienz des Passivhauses auch
bei Schwimmbädern ein Modell für die Zukunft ist. Der gesamte Monitoring-Bericht und
die Studien zur Planung sind online über die Wissen
splattform
Passipedia
verfügbar.