Die Programmpunkte der ersten Jahrestagung der "Allianz Freie Wärme" Ende November 2014 in Frankfurt zeigten, dass es durchaus Sinn macht, die Info- und Serviceplattform zu unterstützen. Denn es muss z. B. problemlos möglich sein, als Architekt, Planer, Fachhandwerker, Schornsteinfeger oder schlichtweg Bürger, kommunale Eingriffe kritisch zu hinterfragen, wenn es um deren Wirtschaftlichkeit und damit Sinnhaftigkeit geht.
Nah- und Fernwärme: Ist das wirklich effizient? Die Allianz Freie Wärme stellt sich vor. Bild: Freie Wärme
„Wir haben im ersten Jahr mit Informationen und Services schon
einiges bewegt, aber die Kernthemen der Allianz Freie Wärme rund um Nah- und Fernwärme
sind aktueller denn je. Gemeinsam müssen wir mit den Partnern aus dem Wärmemarkt noch
viel Informations- und Überzeugungsarbeit leisten“, so lautet das Fazit von Johannes
Kaindlstorfer, Sprecher der Allianz Freie Wärme, nach der ersten Jahrestagung der
Interessengemeinschaft Ende November in Frankfurt am Main.
Die Info- und
Serviceplattform hatte Förderer und Interessenten von Verbänden und Unternehmen aus
dem Wärmemarkt in das neue, hochmoderne Kongresszentrum Kap Europa der Messe
Frankfurt eingeladen, um über die Aktivitäten der letzten zwölf Monate zu berichten, aber
auch um Neuigkeiten und Entwicklungen zu kommunalen Eingriffen auszutauschen und zu
diskutieren. Neben aktuellen Entwicklungen im Wärmemarkt, standen vor allem die
politischen Rahmenbedingungen in Deutschland und in Europa, daraus resultierende
Trends, die Potenziale der individuellen Heizungstechniken sowie Berichte aus der
praktischen Arbeit der Allianz Freien Wärme im Vordergrund der Veranstaltung. Besonders
erfreulich ist, dass mit dem Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) als
Projektpartner, sowie mit dem Institut für Wärme und Oeltechnik (IWO) ab Januar als
Sponsor, zwei neue Partner für die gemeinsame Arbeit hinzugewonnen werden konnten.
Demnächst online: „Freie Wärme-Radar“ und „Freie Wärme Info- und Servicepaket“
So sollen die Informationsangebote und Services für Bürger, die von kommunalen Eingriffen
wie Verbrennungsverboten, Anschluss- und Benutzungszwängen betroffen sind, verstärkt
werden. Hierzu stellt die Allianz Freie Wärme im Januar 2015 mit dem „Freie Wärme-Radar“
und dem „Freie Wärme Info- und Servicepaket“ zwei neue, praxisorientierte Servicetools zur
Verfügung, mit denen die regionale Öffentlichkeitsarbeit vor Ort unterstützt wird. Die
Internetanwendung „Freie Wärme-Radar“ liefert angemeldeten Nutzern kompakt und aktuell
nach Postleitzahlen sortierte Neuigkeiten zu Kommunen mit kommunalen Eingriffen. Zudem
können über die neue Web-App hilfreiche Informationsangebote wie z. B. Berichte des
energiefernsehen, Pressemitteilungen, Newsletter, Broschüren abgerufen und für die eigene
Arbeit genutzt werden. Aber das Freie Wärme-Radar bildet auch die Plattform für das so
genannte „Info- und Servicepaket“, das die Allianz Freie Wärme in Kooperation mit dem
ZVSHK erstellt hat. In den zunächst acht Modulen befinden sich unter anderem eine
Infobroschüre zur Allianz Freie Wärme, ein Basis-Argumentationsleitfaden, ein kleines ABC
der Pressearbeit und eine Beispiel-Pressemitteilung, die von den Radar-Nutzern kostenfrei
heruntergeladen werden können, um ihre Öffentlichkeitsarbeit zu kommunalen Eingriffen
möglichst optimal zu gestalten.
Beratungsprojekt in der Praxis: „BI Zukunft Energie in Zarrentin“
Dass solche Info- und Servicemodule wichtig und sehr hilfreich sind, hat die Allianz Freie
Wärme im Rahmen eines Beratungsprojekts in Zarrentin am Schaalsee erkannt (
Freie
Wärme Mediathek
). Dort sollte noch kurz vor den Kommunalwahlen im Mai 2014 eine Anstalt
des Öffentlichen Rechts (AÖR) zur Gewinnung und zum Vertrieb von Energie gegründet
werden. In der Mustersatzung zur AÖR befanden sich aber keine weiteren, konkreteren
Unabhä
ngig, individuell und umweltfreundlich heizen.
Informationen wie z. B. über das Geschäftsmodell mit genauen Angaben zur
Energiegewinnung, zu den Betreibern und den Kosten etc. In der Bevölkerung machten sich
Befürchtungen breit, dass zum Beispiel Verbrennungsverbote, Anschlusszwänge und
finanzielle Risiken die Folge sein könnten. Dies rief letztlich die Bürgerinitiative Zukunft
Energie in Zarrentin auf den Plan. Gemeinsam mit Experten der Allianz Freie Wärme gelang
es auf öffentlichen und dialogorientierten Informationsveranstaltungen, mit
Pressemitteilungen und Leserbriefen, etwas Licht ins Dunkel zu bringen. „Recht schnell
bestätigten die Kommunalpolitiker, dass ihnen die Tragweite einer solchen Mustersatzung
gar nicht klar war und distanzierten sich zunehmend von ihren zuvor getroffenen
Entscheidungen. Auch kurzfristig thematisierte Anschlusszwänge waren noch vor den
Wahlen kein Thema mehr“, berichtete Claas Burkhardt, Mitglied der Bürgerinitiative auf der
Jahrestagung der Allianz Freie Wärme.
Zahlreiche Nah- und Fernwärmebeispiele werfen Frage nach Wirtschaftlichkeit auf
„Nah- und Fernwärme sind auf dem Vormarsch. Dies zeigen zahlreiche Beispiele, wenn man
die beiden Wörter ‚Einladung’ und ‚Nahwärme’ googelt. Aber auch die Pläne zum Bau von
Nah- und Fernwärmenetzen nehmen auf Basis von Gutachten zu. Potenzialanalysen zeigen,
dass sich die Trassenlänge von derzeit 20,5 tkm durchaus verdoppeln ließe“, stellte
Johannes Kaindlstorfer, in Frankfurt vor. Konkrete Beispiele aus Kommunen werfen
allerdings die zentrale Frage auf, ob es sich dabei immer um die wirtschaftlichste Lösung
handelt? So wird zum Beispiel die industrielle Abwärme eines Steinkohle-Großkraftwerkes in
Mannheim über 25 Kilometer nach Speyer geleitet. Oder es geben immer mehr Stadtwerke
öffentlich bekannt, dass der Wärmeverkauf zunehmend ein zweites, lukratives Standbein ist,
wenn zum Beispiel die Stromerzeugung finanzielle Defizite auslöst. Entsprechendes
Erstaunen löste bei den Gästen der Allianz Freie Wärme die Aussage eines Planers in
Moosach aus, der die zeitnahe Umsetzung eines Nahwärmeprojekts empfiehlt und damit
unter
merkur-online.de
zitiert wird. Seiner Meinung nach sollte das Projekt aus zwei Gründen
zeitnah umgesetzt werden: Zum einen gäbe es aktuell „ansprechende Förderungen“ für die
doch hohen Investitionskosten, zum anderen sollte die energetische Sanierung der Häuser
nicht zu weit fortgeschritten sein. „Weil die Wirtschaftlichkeit von Nahwärmenetzen in der
Regel nicht mit Energieeinsparmaßnahmen im Gebäudebereich vereinbar ist, werden hier
ganz gezielt die erklärten energiepolitischen Ziele der Politik konterkariert“, so Kaindlstorfer.
Ein fairer, marktwirtschaftlich geprägter und technologieoffener Wettbewerb kommt hier gar
nicht mehr zum Zuge.
Fernwärme als erklärtes Ziel der Politik
Wie Fernwärme ein erklärtes Ziel der Politik ist, arbeitete Adrian Willig, Geschäftsführer beim
Institut für Wärme und Oeltechnik (iwo), in seinem Vortrag „Ausbau von Wärmenetzen:
Trends in Europa, in der Bundes- und Landespolitik“, an einigen Beispielen deutlich heraus.
So erkennt die EU-Kommission in ihrer Mitteilung "A Roadmap for moving to a competitive
low carbon economy in 2050" Fernwärme als Mittel an, erneuerbare Energien zum Kunden
zu bringen. Auch einige Bundesländer sehen im Ausbau von Wärmenetzen einen Weg zur
Gestaltung der Energiewende in Deutschland. Dabei wird häufig Dänemark als leuchtendes
Beispiel dargestellt. Wegen des Ausbaus der dortigen Wärmenetze wurden hohe Steuern auf
fossile Energieträger erhoben, das heißt Energie wurde zum Nachteil der
Energieverbraucher künstlich verteuert. Ob ein solcher Weg für Deutschland sinnvoll und
umsetzbar ist, darf durchaus bezweifelt werden. „Wenn man sieht, wie umfängliche
Unabhä
ngig, individuell und umweltfreundlich heizen.
Fördermittel und Subventionen im fünfstelligen Bereich und höher in so genannte
Klimaschutzinitiativen und –projekte der Bundesländer fließen, deren Wirtschaftlichkeit
dadurch in hohem Maße angezweifelt werden muss, dann handelt es sich hier nicht mehr um
einen fairen, verbraucherorientierten Wettbewerb auf der Suche nach energieeffizienten
Lösungen“, resümiert Adrian Willig.
Im dezentralen Wärmemarkt liegt der Schlüssel für eine erfolgreiche Energiewende
„Individuelle, moderne Heizungssysteme sind bestens geeignet und erprobt, wenn es statt
Verbrennungsverboten, Anschluss- und Benutzungszwängen um effiziente und
wirtschaftliche Lösungen bei der Wärmeversorgung geht“, so Frederic Leers, Projektleiter
Marketing und PR, beim Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und
Umwelttechnik e. V. (BDH). Er machte deutlich, dass bei einer spürbaren Steigerung privater
Investitionen in moderne Wärmeerzeuger 13 Prozent des gesamtdeutschen
Energieverbrauchs eingespart werden könnten. Denn nur ein Viertel der Heizungsanlagen in
Deutschland entspricht dem heutigen Stand der Technik. 75 Prozent sind älter als 20 Jahre
oder mehr. Sein Fazit: Im dezentralen Wärmemarkt liegt der Schlüssel für eine erfolgreiche
Energiewende. Fernwärme ist oftmals ökonomisch und ökologisch nicht sinnvoll und von
Kommunen geforderte Zwangsmaßnahmen zementieren eindeutig den
Modernisierungsstau. Zudem werden energiepolitische Ziele konterkariert und der
marktwirtschaftlich geprägte Wettbewerb auf Basis des Prinzips der Technologieoffenheit
ausgehebelt.
„Jetzt gilt es, den Verbraucher mit seinen Bedürfnissen und Wünschen zu schützen“
Das österreichische Unternehmen Biofire, führender Anbieter vollkeramischer Kamine und
Kachelgrundöfen, geht diesbezüglich in der Praxis was die Kundenkommunikation betrifft
ganz bewusst in die Offensive. Vertriebsleiterin Ursula Gröbner erklärte, warum die
Förderung der Allianz Freie Wärme für das Unternehmen aber auch für die Kunden von
Vorteil ist: „Als Hersteller von Schornsteinen, Kamin- und Kachelöfen, Heizungsanlagen
haben wir allesamt unsere technischen Hausaufgaben vorbildlich gelöst. Das Ergebnis sind
modernste Anlagen mit perfekter Verbrennungstechnik und geringen Emissionen.
Jetzt gilt
es als Hersteller und Wärmemarkt, den Verbraucher mit seinen Bedürfnissen und Wünschen
aber auch unsere Produkte und unser traditionsreiches Know-how zu schützen“. Biofire klärt
hierfür seine Kunden hinsichtlich der Problematik um Verbrennungsverbote, Anschluss- und
Benutzungszwänge auf Basis von Unterlagen der Allianz Freie Wärme auf. Teilweise können
die Endverbraucher gar nicht glauben, dass es solche Vorgaben durch Städte und
Gemeinden gibt und reagieren regelrecht erbost.
„Wir müssen uns mit modernster Technik
und traditionsreichem Handwerk nicht verstecken“, so Gröbner, und fährt fort, „im Gegenteil,
es geht um wichtige Mehrwerte unserer Branche und vor allem um das Recht auf
Unabhängigkeit und Eigenverantwortung.“ Ihr Wunsch ist, dass möglichst noch viele Partner
die Aktivitäten der Allianz Freie Wärme unterstützen: „Ich bin 1.000-prozentig davon
überzeugt, dass Freie Wärme hier einiges bewegen kann.“ Wer sich der Allianz Freie Wärme
anschließen und die Projekte fördern möchte, kann sich unter der E-Mailadresse
info@freie-waerme.de
gerne melden und weitere Informationen anfordern.