Der Markt für Smart-Home-Lösungen steht vor einem Boom. Aber noch bleiben viele Kundenwünsche unerfüllt – im künftig angeblich voll vernetzten Haus, in dem man von der Heizung über das Licht bis zum leeren Joghurt-Becher alles am besten per Smartphone steuern können soll... Angebot und Nachfrage klaffen weit auseinander. Eine aktuelle Studie der Fachhochschule Köln beleuchtet diese Situation.
Mit dem Smartphone zum Smart Home: Intelligent und effizient Wärme, Waschmaschine und Co steuern. Ist das die Zukunft? Bild: Vaillant Der Smart-Home-Markt steht vor einem Durchbruch: Spätestens bis 2020 werden eine Million Haushalte intelligente und vernetzte Technik zur Messung und Regelung nutzen, dreimal mehr als 2013 – prognostizieren die Auguren. Auch auf der Welt-Leitmesse ISH war Smart Home als Teil des „Internets der Dinge“ daher ein zentrales Thema. Aber nicht nur bei den Anbietern ist Smart Home gefragt, Hausbesitzer und Mieter sind ebenso lebhaft interessiert. Laut der Studie würden 90 Prozent der Mieter gerne eine angebotene Smart-Home-Lösung nutzen und wären auch bereit, dafür höhere Mieten zu bezahlen, wenn sie dadurch an anderer Stelle Kosten einsparen können. Neben der Kostensenkung sind Komfort und Zuverlässigkeit wichtige Kriterien der Anwender.
Bislang bewegen sich die Angebote vor allem im Bereich Energieeffizienz und –management. Das deckt sich durchaus mit der Nachfrage, aber der Kunde wünscht auch Lösungen für andere Bereiche. So sagt Prof. Dr. Thorsten Schneiders von der Fachhochschule Köln: „Smart Home ist vor allem dann spannend, wenn Geräte durch vernetzte Technik mehr als eine Funktion haben. Wenn der Sensor am Fenster die Heizung ausschaltet, sobald gelüftet wird und zugleich ein Einbruchsalarm ist. Oder wenn die Solaranlage bei viel Sonnenschein die großen Haushaltsgeräte wie Waschmaschine und Trockner einschaltet, weil der Strom günstig ist – dann ist ein Gebäude wirklich smart. Und dann sind Verbraucher auch bereit, dafür Geld auszugeben.“ Gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Innofact AG und dem Kölner Büro Jung Stadtkonzepte hat Schneiders die Anforderungen der Kunden an Smart-Home-Lösungen untersucht. Wichtigstes Ergebnis: Die Angebote der Hersteller und die Wünsche der Kunden liegen oft weit auseinander. Letztere wünschen sich mehr Lösungen in den Bereichen Sicherheit (75 Prozent), Multimedia (49 Prozent) und Pflege/Gesundheit (41 Prozent). Zentrale Anforderung für 80 Prozent der befragten Mieter ist das einfache Bedienen und Installieren der Smart-Home-Produkte. Bei der Vielfalt an angebotenen Produkten mangelt es aber an einheitlichen Standards, was die Kompatibilität der einzelnen Komponenten einschränkt. Auch ist Smart-Home für viele potentielle Nutzer noch ein zu abstrakter Begriff.
In der Umsetzung speziell bei Sanierungsprojekten hakt das smarte Großprojekt zudem noch an den bislang nicht einheitlich-normierten kabellosen Übertragungswegen für die Daten. Gut ein halbes Dutzend ernst zu nehmende Varianten konkurrieren derzeit, von WLAN über Bluetooth bis EnOcean bis zu diversen Bus-Varianten. Entsprechend aufwändig ist es, Produkte mit unterschiedlichen Protokollen untereinander zu vernetzen. So langsam zeichnet sich aber ein Trend ab: Für Produktmanager Tomas Prigge vom Wärmepumpen-Hersteller Fujitsu geht die Entwicklung genauso in Richtung WLAN wie für Dr. Markus Beukenberg, Technikvorstand des Pumpen-Herstellers Wilo oder für Wolfgang Dehoust, der die Steuerung seiner neuen Sicherheitstrennstationen ebenfalls entsprechend ausgestattet hat. Das Argument dafür ist immer dasselbe: Im Sinne des installierenden Fachhandwerks sollen und müssen sich die zu vernetzenden Installationskomponenten möglichst einfach vernetzen und dann idealerweise auch noch via Internet parametrieren oder kontrollieren lassen. Alles andere schaffe nur Akzeptanzhürden, die eine zügige Marktdurchdringung verhindern würden.
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