Ungewöhnlich viele Kunststoffproduzenten mussten im ersten Quartal dieses Jahres aufgrund technischer Probleme oder höherer Gewalt ihre Produktion vor allem von Polyethylen, aber auch die von Polypropylen und PVC massiv drosseln. Zudem verleitet der schwache Euro dazu, die Kunststoffbestände in den lukrativeren Dollarraum umzuleiten. Das führt in Deutschland zu einer Verknappung des Angebotes an PVC-, PP- und PE-Rohren – also auch beim Material für Trinkwasser- und Flächenheizsysteme – und zu mittelfristig nicht mehr kalkulierbaren Preissteigerungen.
Für die Installation von Flächenheizungen nahezu unentbehrlich: Rohre aus Kunststoffen. Bild: BVF
Kunststoffrohre aus den Rohstoffen Polyethylen, Polypropylen oder PVC spielen eine wichtige Rolle in der Haustechnik. Derzeit gefährdet aber eine Verknappung dieser Rohstoffe und die dadurch verursachte Preiserhöhung eine fristgerechte Lieferung entsprechender Produkte. Auch die preisliche Kalkulation ist nur kurzfristig möglich. Großhändler von Kunststoffrohren wie die Gienger Gruppe warnen ihre Kunden bereits vor Lieferengpässen und Preiserhöhungen. Der SHK-Handwerker sollte sich bei Bestellung nicht auf bisherige Angebote verlassen und sich über die aktuellen Preise informieren. Neue Angebote sind womöglich nur kurzfristig gültig. Selbst die Rohstoffproduzenten offerieren tagesgültige Preise, längerfristige Abschlüsse sind kaum möglich. Der Fachverband der Kunststoffrohrindustrie rechnet jedenfalls für das 2.Quartal 2015 mit einem geringeren Absatz aufgrund zunehmender Lieferengpässe bei den Rohstoffen.
Als mögliche Ursachen dieser turbulenten Entwicklung lassen sich ausmachen: Eine ganze Reihe von Polyethylen-Herstellern in Europa und Fernost haben Force majeure gemeldet, das heißt, teils wegen höherer Gewalt, teils aufgrund technischer Probleme wurden zahlreiche Cracker abgestellt – ein in dieser Häufung ungewöhnlicher Vorgang, der zur Verknappung und zu Lieferausfällen für die Granulathersteller führt. Zudem verleitet der schwache Euro die Rohstoffproduzenten dazu, die Warenströme in den lukrativeren Dollarraum umzuleiten, was dort die Preise fallen lässt…
Inwieweit sich die Lieferengpässe auf laufende Projekte in der Haustechnik, beispielsweise bei den Anbindeleitungen vom Steigestrang zu den Zapfstellen von Trinkwasser-Installationen oder bei Flächenheizungen (die fast ausnahmslos mit Rohrleitungssystemen aus diesen Materialien arbeiten) konkret auswirken, bleibt zunächst abzuwarten. Zumindest bei größeren Projekten sollten Fachhandwerker aber frühzeitig das Gespräch mit ihrem Fachgroßhändler suchen, um die entsprechenden Mengengerüste (und natürlich die für ein belastbares Angebot notwendige Preisbasis) abzusichern.
Die Redaktion weist in diesem Zusammenhang auf die enge Situation auch bei Kunststoff-Heizöltanks hin, die zur Zeit eine steigende Nachfrage erleben, nicht nur wegen des günstigen Ölpreises, sondern auch wegen der Modernisierung der Tanks im Zusammenhang mit Ölbrennwert-Technik.
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