Ob ein prognostizierter Trend einmal zum Volltreffer wird, oder ob die oft mutigen Empfehlungen und Prognosen der Trendforscher nicht mehr sind als heiße Luft, entscheidet letztlich der Kunde. Und der – weil menschlich – kann seine Meinung im Laufe der Jahre durchaus auch mal revidieren. Bestes Beispiel: die Bedeutung des Badezimmers als Raum der Kommunikation. Noch vor etwa zehn Jahren wurde lauthals prognostiziert, dass sich die Nasszelle bald zum Ort der Begegnung für die ganze Familie mausern wird. Pustekuchen. Heute sehen die Experten das genaue Gegenteil auf uns zukommen: Das Bad als Einzelzimmer. Jedenfalls behauptet dies die aktuelle Forsa-Studie, die jüngst von der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) in Auftrag gegeben wurde.
Trendforscher stoßen mit ihrer Prognose, dass sich das Bad künftig (auch) zu einem Treffpunkt für die ganze Familie entwickelt, bei der Bevölkerung ab 18 Jahre derzeit auf wenig Gegenliebe. Nach einer aktuellen repräsentativen Forsa-Untersuchung lehnen zwei Drittel diese Vision für sich selbst sogar kategorisch ab.
Mit einem Bad, das sich dank moderner Technologien beim Betreten sofort den persönlichen Bedürfnissen des Nutzers anpasst, könnten sich die Deutschen in den nächsten Jahren durchaus anfreunden. Schon heute gefällt es 43 Prozent von ihnen „sehr gut / gut“. Bilder: VDS Bei ihrer Vision, dass sich das Bad mit entsprechender Ausstattung als Treffpunkt für die komplette Familie etabliert, mussten die Trendforscher nach neuen Erkenntnissen jetzt eine herbe Schlappe einstecken. Denn anders als noch vor einigen Jahren können sich 2015 laut Forsa-Studie mittlerweile nur noch 16 Prozent der Bürger vorstellen, dass das Bad „bestimmt“ oder „wahrscheinlich“ zum Familientreffpunkt wird. Analog dazu formiert sich eine große Ablehnungsfront. Während 17 Prozent die Verwirklichung des „geselligen“ Bades für sich selbst als eher unwahrscheinlich bezeichnen, erteilt ihm eine satte zwei Drittel-Mehrheit der Deutschen – immerhin ganze 67 Prozent - eine kategorische Absage.
Ost-/West-Unterschiede machte die Erhebung dabei nicht aus. Vielmehr ist die Einstellung eine Generationenfrage. Während das Echo bei den 30- bis 40-Jährigen noch relativ positiv ist und sich immerhin noch 27 Prozent das Bad als Familientreffpunkt vorstellen können, dominiert in der Gruppe „60 Jahre und älter“ ein besonders stark ausgeprägtes „Nein“. Für 79 Prozent sei eine derartige Badzukunft völlig undenkbar. Allerdings wachse mit steigender Personenzahl im Haushalt die Akzeptanz der familiären Kommunikation im Bad. „Es wird spannend sein, zu beobachten, ob sich die Menschen für das ziemlich neue Thema in den kommenden Jahren mehr öffnen“, resümiert VDS-Geschäftsführer Jens J. Wischmann.
Daumen hoch für das Individualisierte Bad
Und was für das Bad als „Familientreffpunkt“ die Negativprognose, ist für das individualisierte Bad der Positivtrend. Denn die Berliner Sozialforscher fanden bei ihrer Befragung ebenfalls heraus, dass die Deutschen die Möglichkeit, dass sich ein Badezimmer in (naher) Zukunft automatisch an die individuellen Bedürfnisse anpasst, durchaus interessant finden. Die schillernde Perspektive: Wenn die Tür aufgeht, sorgen moderne Technologien dafür, dass von der Beleuchtung über die Höhen von Waschtisch und Toilette bis zur gewünschten Wohlfühltemperatur und zum Lieblingsduft sofort alles „individualisiert“ wird. Der Erhebung zufolge gefällt dieser Gedanke vor allem den Menschen ab dem 18. Lebensjahr.
Schon jetzt empfinden den Individual-Gedanken 16 Prozent als „sehr gut“ und weitere 27 Prozent als „gut“. VDS-Geschäftsführer Jens J. Wischmann wertet die Momentaufnahme als „klares Indiz dafür, dass die realen Marktchancen für das ‚digitalisierte’ Badezimmer nicht schlecht stehen“. Die Industrie könne sich daher in ihrer intensiven Entwicklungsarbeit durch das Votum bestätigt fühlen.
Wie eine spezielle Analyse zeige, seien – gemessen an der Kategorie „sehr gut / gut“ – 18- bis 44-Jährige mit 47 Prozent (insgesamt 43 Prozent) und Haushalte mit vier Personen und mehr (49 Prozent) für das Hightech-Bad der Zukunft besonders aufgeschlossen. Gleiches gelte tendenziell für Frauen (45 Prozent), während es Männer nur auf eine „Gefällt mir“-Quote von 40 Prozent bringen.
www.sanitaerwirtschaft.de