In Deutschland kommt es jährlich zu etwa 750.000 ungewollten Bränden, von denen allerdings „nur“ über 200.000 gemeldet werden. Das heiß: es vergehen häufig nur wenige Minuten, bis die nächste Brandmeldung eingeht. Und nicht immer hat ein Einsatz einen glücklichen Ausgang, denn allein im vergangenen Jahr starben rund 370 Menschen, jedes dritte Opfer war ein Kind. Allerdings kommen die Wenigsten durch Flammen um, vielmehr erliegen 95 Prozent aller Brandtoten den Folgen einer Rauchvergiftung. Mal abgesehen von der menschlichen Tragödie ist auch der volkswirtschaftliche Schaden, der durch Brände verursacht wird, immens hoch und beträgt mehrere Milliarden Euro.
Mittlerweile gibt es in Deutschland schon einige aufmerksame Bauherren/Bauträger wie etwa die Nürnberg-Messe, die mit ihrem Merkblatt „Brandschutz ̶ Europäische Baustoffklassen“ Einschränkungen beim Einsatz von brennbaren Baustoffen für ihre Bauobjekte festgelegt hat. Um die Sicherheit in unserem Land stärker in den Fokus zu rücken, bekommt Deutschland mit „Safety made in Germany“ (SMG) ein neues Qualitätszeichen. Seit Anfang April dieses Jahres können Unternehmen für Produkte und Leistungen das Qualitätssiegel bei der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes e.V. (vfdb) beantragen. Nutzungsrechte an der Marke „Safety made in Germany“ werden für Produkte und Leistungen vergeben, die den hohen deutschen Standards der Anwender in der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr (Safety) gerecht werden und sich in der Praxis bewährt haben. Das Markenzeichen SMG ist national wie international ein Nachweis für exzellente Qualität in Wissenschaft, Technik und Service und bietet auch bei der Beschaffung eine Orientierungshilfe.
Rechnung tragen mit der DIN EN 13501-1
Wenn es jedoch einmal brennt, können eine geringe Rauchdichte sowie die Vermeidung von brennend abtropfenden Materialen überlebensentscheidend sein. Mit der Euronorm DIN EN 13501-1 „Klassifizierung von Bauprodukten und Bauarten zu ihrem Brandverhalten, Teil 1: Klassifizierung mit den Ergebnissen aus den Prüfungen zum Brandverhalten von Bauprodukten“, Ausgabe Januar 2010 soll diesen Tatsachen Rechnung getragen werden.
Neben der Brandklasse werden zusätzlich die Rauchentwicklung („s“ für „smoke“) und das brennende Abtropfen („d“ für „droplets“) berücksichtigt, wodurch eine wesentlich realistischere Beurteilung des Brandverhaltens von Baustoffen und Bauprodukten möglich ist.
Mit der Einführung von harmonisierten europäischen Produktnormen und der damit verbundenen CE-Kennzeichnung werden die bisherigen nationalen Brandklassifizierungen nach DIN 4102-1 durch die europäischen Brandklassifizierungen nach DIN EN 13501-1 ersetzt. Hierbei erfolgt die Beurteilung des Brandverhaltens von Baustoffen und Bauprodukten nach den Klassen A bis F, wobei zusätzlich noch die Nebenklassen für Rauchentwicklung und für brennendes Abtropfen/Abfallen berücksichtigt werden müssen.
Aufgrund des hohen Gefahrenpotentials durch Rauch haben bereits viele europäische Staaten mit Einführung der europäischen Brandklassifizierung die Anforderungen an die Rauchentwicklung der eingesetzten Bauprodukte in ihren Bauvorschriften verschärft. In Deutschland haben sich hieraus noch keine erkennbaren Konsequenzen bei den Bauvorschriften ergeben. Da die DIN 4102-1 „Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen, Teil 1: Baustoffe; Begriffe, Anforderungen und Prüfungen“, Ausgabe Mai 1998 vorerst nicht zurückgezogen wird, gibt es in Deutschland zunächst noch eine Parallelität deutscher und europäischer Normung.