Handwerker und Facharbeiter werden knapp, in Deutschland, aber auch global. In Japan ist der Fachkräftemangel am größten. Viele Unternehmen müssen wegen fehlender Spezialisten Aufträge ablehnen. Die Deutsche Annington scheint den – aus ihrer Sicht – Königsweg gefunden zu haben: Sie verstärkt sich direkt mit Arbeitskräften aus Rumänien und Polen.
Handwerker und Facharbeiter werden seit 2012 weltweit am meisten gesucht. Grafik: ManpowerGroup Dringend gesucht: Handwerker – Facharbeiter – Manager! Wo: Sonnensystem, Planet Erde. Flexibler und abwechslungsreicher Einsatz in Mittel- und Südosteuropa, Ostasien… So oder ähnlich könnte ein stellares Stellengesuch auf einem galaktischen Arbeitsmarkt formuliert werden, den es aber leider (noch) nicht gibt.
Aber im Ernst: Weltweit haben 38 Prozent aller Unternehmen Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. In Deutschland klagen 46 Prozent aller Unternehmen über akuten Fachkräftemangel, sechs Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Jedes zweite hat wegen personeller Lücken schon Aufträge abgelehnt. Das besagt die Studie Fachkräftemangel 2015 des Personaldienstleisters ManpowerGroup, nach eigenen Angaben einer der drei weltweit größten der Branche. Kleine Notiz am Rande: Das 1948 gegründete amerikanische Unternehmen gilt als Erfinder der Zeitarbeit.
Weiter heißt es in der Studie: „Die Anzahl der Unternehmen, die Probleme mit der Besetzung offener Stellen haben, ist in diesem Jahr so hoch wie seit 2006 nicht mehr. Erste Auswirkungen des Fachkräftemangels zeichnen sich bereits ab: 58 Prozent der Firmen können Aufträge nicht mehr annehmen, weil die nötigen Spezialisten fehlen. Mehr als 40 Prozent sind nach eigenen Angaben weniger wettbewerbsfähig und innovativ. (…) Facharbeiter und Handwerker sind echte Engpassberufe, sowohl in Deutschland als auch weltweit.“
Das mag sein. Und Lieschen Müller merkt es jeden Tag. Draußen, im Lande. Wo auch Max Mustermann wohnt. Er – oder sie – ist ja auch nicht die Deutsche Annington. Das nach eigenen Angaben größte deutsche Wohnungsunternehmen löst den personellen Engpass nämlich auf seine Art: „Die Deutsche Annington setzt in ihrer unternehmenseigenen Handwerkerorganisation, Deutsche Technische Gebäudeservice (Deutsche TGS), verstärkt auf Mitarbeiter aus Rumänien. Gerade haben fünf neue Mitarbeiter am Standort Mannheim mit der Arbeit begonnen. Ihre Hauptaufgabe ist es, im Raum Freiburg leere Wohnungen zu sanieren. Dazu gehören die Renovierungen der Badezimmer, Malerarbeiten, Abbruch- und Elektroarbeiten. (…) In den vergangenen Monaten hatte die Deutsche TGS bereits 90 polnische Handwerker integriert. Sowohl mit den polnischen als auch mit den rumänischen Mitarbeitern macht das Unternehmen sehr gute Erfahrungen.“
So steht es in der Pressemitteilung vom 12. Mai 2015.
In Rumänien beklagen übrigens 59 Prozent aller Unternehmen akuten Fachkräftemangel, in Polen immerhin 41 Prozent…
Heinz Schewe, Geschäftsführer der Deutschen TGS: „Selbstverständlich sind wir zurzeit primär auf dem bundesdeutschen Arbeitsmarkt aktiv, aber gerade im Handwerk sind gute Mitarbeiter sehr begehrt. Offene Stellen werden auf der Unternehmenshomepage und in Zeitungsannoncen ausgeschrieben. Darüber hinaus kooperieren wir in sechs Städten mit der Arbeitsagentur sowie mit Bildungsträgern. Ziel ist es, langzeitarbeitslose Handwerker zurück in den Beruf zu bringen. 60 ehemalige Arbeitslose arbeiten inzwischen bei uns als feste Mitarbeiter. Auch hier haben wir gute Erfahrungen gemacht.“
Diese Pressemitteilung ist übrigens auf der Webseite der Annington nicht mehr zu finden…
Und bevor jemand fragt: Abschließend noch eine Bemerkung zum leidigen Thema Griechenland. Anders als die meisten Länder suchen die griechischen Unternehmen nicht in erster Linie Handwerker, sondern Vertriebsmitarbeiter und Manager. Warum überrascht das nicht wirklich?
Link:
Studie Fachkräftemangel