Brandgefahr durch mit Polystyrol (Styropor) gedämmte Hausfassaden: Das ist nicht neu. Aber jetzt bekommt die Sache eine offizielle Dimension. Die Konferenz der Bauminister empfiehlt eine Drei-Meter-Sicherheitszone zu Hausfassaden für brennbare Materialien wie Holz oder Müllcontainer. Da könnte auf die Gerichte einiges zukommen.
Wirklich „brandgefährlich“? WDVS mit Polystyrol. Bild: Feuerwehr Berlin
Ein Merkblatt der Bauministerkonferenz vom 18. Juni des Jahres ist brisant: „In Einzelfällen ist es vorgekommen, dass Fassaden mit Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) aus Polystyrol in Brand geraten sind.“ Daraus folgt im Abschnitt „Vermeidung von Brandlasten an der Außenfassade“ die Empfehlung für bereits gedämmte Häuser: “Bei der Lagerung von brennbaren Materialien (z. B. Brennholz) wird ein Mindestabstand von drei Metern zur Fassade empfohlen. Bei der Aufstellung von Müllcontainern oder Mülltonnen aus Kunststoff direkt am Gebäude sollte eine geschlossene Einhausung aus nichtbrennbarem Material (z. B. aus Stahl oder Beton) vorgesehen werden.“ In einer früheren Fassung des Merkblattes wurde sogar ein Parkverbot für Autos innerhalb dieser drei Meter empfohlen.
Tatsächlich gab es einige spektakuläre Brandfälle mit WDVS aus Styropor, oder korrekter, mit Expandiertem Polystyrol (EPS). Die wurden in den Medien entsprechend ausgeschlachtet. Folgt nun die Bauministerkonferenz mit ihren Empfehlungen dem „alarmistischen“ Zeitgeist? Tatsache scheint zu sein, dass Fassadenbrände weniger als ein Promille aller Brände ausmachen. Das Polystyrol in WDVS ist nicht Brandursache, allenfalls wirkt es als Brandbeschleuniger – wenig überraschend, da es doch hauptsächlich aus Öl besteht. Im Mai 2012 brannte in Frankfurt am Main eine frisch gedämmte Fassade innerhalb von fünf Minuten lichterloh. Die Feuerwehr untersuchte daraufhin Fassadenbrände mit Styropor und kam auf 40 Brände seit 2012. Nach Angaben der Bauministerkonferenz gab es in den letzten Jahren 18 Brände, bei denen Polystyrol-gedämmte Fassaden von außen in Brand gerieten, ausgelöst durch brennende Müllcontainer.
Bei ca. 200.000 Brandfällen pro Jahr scheint das nicht besorgniserregend. Trotzdem beauftragte die Bauministerkonferenz eine Arbeitsgruppe mit weiteren Tests. (TEST) Ein erster Test im Februar 2014 simulierte den Brand eines vollen Müllcontainers mittels einer Brandlast von 200 kg Holz am Sockel einer mit Polystyrol gedämmten Fassade. Das Ergebnis war ernüchternd: Nach 22 Minuten war die Fassade komplett abgebrannt, die Feuerwehr hätte nicht die ausreichende Zeit gehabt, den Brand zu löschen. Die Konsequenz aus diesem und weiteren Tests ist das Merkblatt vom 18. Juni dieses Jahres. Und speziell die Empfehlung des Mindestabstandes und der geschlossenen Einhausung der Müllcontainer dürfte für Konfliktstoff sorgen – zwischen Nachbarn, zwischen Mietern und Vermietern. Die Gerichte dürfte das auch beschäftigen. Ist der Hauseigentümer beispielsweise verpflichtet, nachträglich ein „Häuschen“ für die Mülltonnen anschaffen? Wie wird im Nachhinein die drei-Meter-Schutzzone errichtet?
Der Anteil des Styropors an Wärmedämmverbundsystemen liegt bei 80 Prozent, vor allem wegen des günstigeren Preises im Vergleich zu anderen Stoffen wie Mineralwolle. Vielleicht sollten Hauseigentümer der Empfehlung des Verbandes Haus & Grund Deutschland folgen und erst gar kein Dämmsystem mit Polystyrol verwenden…
Link zum Merkblatt der Bauministerkonferenz:
Merkblatt