Erfolg und Misserfolg eines Handwerksunternehmens auf MyHammer ist in hohem Maße von der Kundenbewertung abhängig. Meister und Soloselbstständige werden am besten bewertet. Meistergeführte Unternehmen „überleben“ zudem deutlich länger – auch auf der Online-Plattform. Das ist also wie im „richtigen Leben“…
Meister (über)leben länger – zumindest auf MyHammer. Grafik: ifh Göttingen
Der Löwenanteil der auf MyHammer registrierten Handwerksunternehmen wurde nach der Reform von 2004 gegründet. Grafik: ifh Göttingen Für den Erfolg und das Überleben eines Handwerksbetriebes im „Haifischbecken“ MyHammer spielt die Kundenbewertung eine wichtige, wenn nicht gar die entscheidende Rolle. Allerdings erhält nur ein Drittel der auf der Plattform registrierten Unternehmen überhaupt eine Bewertung. Bestmögliche Note ist eine fünf, Durchschnittsnote ist eine wohlwollende 4,6.
Laut der Studie des ifh Göttingen ist es unwahrscheinlich, dass Kundenbewertungen auf MyHammer gefälscht sind. Nur wenn Kunde und Handwerker tatsächlich zu einem abgeschlossenen Geschäft kommen, sei beispielsweise eine Bewertung überhaupt möglich.
Erfolgreiche Meister und Einzelkämpfer
In erster Linie sei die Kundenbewertung von der Qualifikation der Handwerker abhängig. So haben Meisterbetriebe „eine vier bis acht Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, eine überdurchschnittliche Bewertung zu bekommen“ – ein eindeutiger, wenn auch nicht sehr stark ausgeprägter Effekt. Hier erlauben sich die Autoren der Studie einen kleinen Seitenhieb: „Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass die Reform der Handwerksordnung im Jahr 2004 zu einer geringeren Qualität der deutschen Handwerksleistungen geführt haben könnte, weil eine Vielzahl von Unternehmen ohne Meisterqualifikation in den Markt eingetreten ist.“
Zudem erfreuten sich Meisterbetriebe einer signifikant höheren Auftragsakquise als nichtmeisterliche. Meister oder Nicht-Meister beeinflusst auch das Überleben auf Myhammer. Der Meistertitel reduziert die Wahrscheinlichkeit, die Plattform zu verlassen um immerhin 35 Prozent.
Weiteres Ergebnis der Studie: Ein-Personen-Unternehmen erzielen die beste Kundenzufriedenheit. Und je mehr Mitarbeiter in einem Unternehmen tätig sind, desto schlechter werden die Kundenbewertungen. Diesem Befund scheint auch die Wirkung der Rechtsform des Unternehmens auf die Zufriedenheit zu entsprechen: Einzelunternehmen bekommen beispielsweise, verglichen mit GmbHs oder UGs, signifikant bessere Bewertungen. Das könnte mit der prekären Lage vieler Soloselbstständiger zusammen hängen. So seien diese besonders abhängig von ihren Auftraggebern und bemühten sich ganz besonders um deren Zufriedenheit.
Fazit
Die Ergebnisse der Studie lassen sich so zusammenfassen:
„Es gibt eine interessante Diskrepanz zwischen denjenigen Unternehmen, die die Plattform am häufigsten nutzen, und denjenigen, die längerfristig am meisten von einer Präsenz auf MyHammer profitieren:
- Die Digitalisierung durch Handwerksportale scheint Chancen für gut-qualifizierte Handwerksunternehmen zu bieten, die bis jetzt wenig in Anspruch genommen werden.
- Weniger gut qualifizierte Unternehmen erhoffen sich höchstwahrscheinlich, über MyHammer eine Reputation aufzubauen. Ihnen gelingt es aber längerfristig nicht so gut wie Meisterbetrieben, auf der Plattform zu überleben.
- Ohne Preisangaben über die Handwerksleistungen, die auf MyHammer vermittelt werden, kann nichts über die These der prekären Soloselbstständigen ausgesagt werden.
- Digitale Handwerksportale können die Transparenz im Markt potenziell verbessern, indem sie den Verbrauchern Informationen über die Qualität der Handwerksleistungen bereitstellen.“
Die beiden ersten Teile der Serie finden Sie hier: Digitale Revolution im Handwerk (Teil 1)Der Meisterbrief macht’s Digitale Revolution im Handwerk (Teil 2)Wer tummelt sich auf MyHammer?
Und
unter diesem Link können Sie Ihre Meinung abgeben, warum Sie selbst (nicht) bei MyHammer sind.