Die Energiewende ist für die meisten Menschen abstrakt – sieht man mal von der EEG-Umlage auf der jährlichen Stromrechnung ab. Zwar drehen sich die in der Landschaft auffälligen Windräder mal mehr oder weniger unermüdlich, blitzen Photovoltaik- und Solarthermieanlagen von vielen Dächern. Doch wer ist schon in der Lage, die Energiewende wirklich in die eigenen vier Wände zu holen?
Eigenversorgung mit Sonnenstrom und einem Biomassse-Kamin – zwei Bausteine für die Energiewende in den eigenen 4 Wänden.
Bild: fy Mieter haben es da deutlich schwerer als Wohneigentümer. Denn Mieter bekommen vom Verwalter vorgegeben, wie ihre Wohnung mit Wärme und häufig auch mit Strom versorgt wird. Ist letzteres nicht der Fall, kann man auf einen Ökostromstarif umsteigen. Doch die beinhalten tatsächlich nur in wenigen Fällen Grünstrom. Meist ist es Strom, der mittels CO2-Zertifikaten freigestellt wurde und nach dem deutschen Strommix entsteht, also zwar Öko enthalten kann, ganz sicher aber Kohle und noch Atom. Das Portal Stromauskunft listet lediglich sieben Versorger auf, die echten Ökostrom produzieren.
Investition mit Sanierung verknüpfen
Wohneigentümer hingegen können viel mehr tun, um die Energiewende in die eigenen vier Wände zu holen. Leider ist das immer mit Kosten verbunden. Steht jedoch sowieso eine Sanierung des heimeligen Heimes an, kann man das Gute mit dem Nützlichen verbinden. Und das ist in diesem Falle dann gar nicht mehr so teuer.
Zwei große Bereiche stehen für die Energiewende zu Hause auf dem Plan (die Mobilität, auch ein denkbarer Bereich für die Energiewende zu Hause, lassen wir an dieser Stelle außen vor, weil derzeit zu teuer und technisch nicht ausgereift): Zum einen ist das die Wärmeversorgung. Hier haben wir uns schon in unserer Serie zum Thema Heizungswechsel hinreichend geäußert. Dennoch wird es auch hier eine Rolle spielen. Zum anderen ist es die Stromversorgung. Wie kann man Strom – meist aus der Sonne – in das eigene Haus einbinden. Oder wie kann man ihn mittels Kraft-Wärme-Kopplung oder Brennstoffzelle selbst erzeugen?
All das geht und wird heute schon praktiziert. Inwieweit das wirtschaftlich oder effizient ist, wollen wir hier beleuchten, ebenso die staatlichen Förderungen, die es für alle der hier vorgestellten Technologien gibt.
Strompreise steigen weiter
Allein schon aus einem Grund scheint die Energiewende daheim und damit die eigene Versorgung sinnvoll: die Strompreise. Die steigen seit Jahren kontinuierlich an. Zwar gibt es durchaus politische Stimmen, die den Strompreis zu Lasten der Kosten für fossile Energieträger wie Kohle, Gas oder Öl belasten wollen. Doch ob die sich durchsetzen, kann derzeit niemand sagen. Diesen steigenden Stromkosten kann man eben mit einer eigenen Erzeugung und -speicherung aus dem Wege gehen. Auch das wollen wir in dieser Serie anhand von praktischen Beispielen zeigen, wo sich Häuslebauer oder -sanierer für diese Variante entschieden haben.
Die Kosten sind das eine, rechtliche Vorgaben das andere. Hausbauer sind rechtlich sowieso verpflichtet, einen bestimmten Anteil an Erneuerbarer Energie in ihrem Haus zur Wärmeversorgung nachzuweisen. Die schleppende Wärmewende lässt zudem vermuten, dass ähnliche Regeln in Zukunft auch für den Bestand gelten können. In Baden-Württemberg ist das mit dem EWärmeG schon seit 2009 so geregelt.
Wir hoffen, am Ende dieser Serie einige Inspirationen geben zu können, wie man die Energiewende in die eigenen vier Wände holt – und das bei beherrschbaren Kosten und nachweislicher Effizienz sowie Wirtschaftlichkeit. Der nächste Teil der Serie erscheint am 28.07.2017.
Bisher erschien:
1. Die Energiewende in den eigenen vier Wänden – eine Übersicht
Erscheinen demnächst:
2. Rechtliches – Grundlagen für die Einbindung Erneeurbarer Energien
3. Eigene Stromerzeugung: Kraft-Wärme-Kopplung
4. Eigene Stromerzeugung: Brennstoffzelle
5. Eigene Stromerzeugung: Photovoltaik
6. Eigene Stromerzeugung: Stromspeicherung zuhause
7. Eigene Stromerzeugung: Vor- und Nachteile
8. Eigene Wärmeerzeugung: Biomasse
9. Eigene Wärmeerzeugung: Solarthermie
10. Eigene Wärmeerzeugung: Wärme - Vor- und Nachteile