Polystyrol, oder als Dämmstoff auch Styropor (letztlich nur ein Markenname der BASF, der zum Gattungsbegriff wurde wie Tempo-Taschentücher) genannt, ist nach Glas- und Mineralwolle der beliebteste aller Dämmmaterialien. Das liegt an drei Gründen: Er ist billig, er ist leicht (und zwar mit etwa 15 Kilogramm je Kubikmeter wirklich sehr leicht) und er hat eine Wärmeleitfähigkeit von gerade mal 0,03 W/(m·K).
Graues EPS (unten) hat eine noch geringere Wärmeleitfähigkeit als weißes Styropor (oben)
Bild: fy Was das zu bedeuten hat, erläuterten wir bereits in Teil 2 der Serie. Damit hat er von allen möglichen Dämmstoffen beinahe die besten Dämmeigenschaften. Nur einige wenige Hartschaum- sowie Vakuumdämmplatten schneiden minimal besser ab.
Die Leichtigkeit des Materials sorgt auch für eine leichte Verarbeitung. Wenngleich wir davon abraten und immer ein Fachhandwerker die Dämmarbeiten ausführen sollte – die Arbeit mit Polystyrol ist ein Kinderspiel und eine Kellerdeckendämmung von unten kann man quasi im Handumdrehen bewerkstelligen.
Fast überall einsetzbar
Diese ohnehin schon guten Eigenschaften werden noch getoppt von grauem EPS, besser zu bezeichnen als Hartschaum mit Wärmestrahlungsabsorber. Leicht zu erkennen sind diese Platten an ihrer – wie auch anders – grauen Färbung. Dem Rohmaterial werden beim Aufschäumen Graphitpartikel beigegeben, die nicht nur die Färbung verursachen, sondern die die bereits geringe Wärmeleitung und damit den Wärmetransport durch Wärmestrahlung nochmals absenken. Auch die Beständigkeit gegenüber der UV- und damit Infrarotstrahlung nimmt zu. Das wiederum macht ihn nicht nur geeignet für die Fassadendämmung, sondern auch fürs Dach. Denn hier tritt die Strahlung ja besonders stark auf. Polystyrol ist also der Dämmstoff (und so ziemlich der einzige), auf den in allen Anwendungsfällen, also auch im Keller und in der Geschossdecke – etwa zur Trittschaldämmung – zurückgegriffen werden kann.
Alles gut also? Mitnichten. Denn Polystyrol steht wie kein anderer Dämmstoff in der Kritik. Zum einen wird er letztlich aus Erdöl hergestellt. Er ist nun einmal nichts als ein aufgeschäumtes Kunststoffgranulat. Das wiederum macht seine Entsorgung schwierig. Hier gab es auch einige Verwirrungen, auf die wir in Teil 3 eingegangen sind.
Gerade weil sein Hauptbestandteil Rohöl ist (und somit unter bestimmten Bedingungen brennbar), gibt es bei der Verarbeitung von Polystyrol auch einige andere Anforderungen zu beachten als bei der Verwendung anderer Dämmstoffe, die eben nicht brennbar sind (hierzu hatten wir in Teil 3 schon die Unterschiede zwischen den Klassen A und B erklärt). Bei einer Fassadendämmung kann dieser Brandgefahr – mag sie auch noch so gering sein – ganz einfach begegnet werden: In regelmäßigen Abständen (beim Mehrgeschossbau in jeder zweiten Etage) wird ein schmales Band Mineralwolle rundherum eingelegt. Dieses ist nicht brennbar und verhindert im Falle eines Falles das weitere Ausbreiten eines Brandes.
XPS gegen Feuchte
Bisher haben wir uns auf Polystyrol der Art EPS (für expandiertes Polystyrol) konzentriert. Es hat aber noch eine kleine, weil jüngere Schwester, die auf den Namen XPS (für extrudiertes Polystyrol) hört. Die Dämmeigenschaften dieses Materials sind nahezu identisch mit denen von EPS. Doch es ist härter als dieses und deutlich widerstandsfähiger gegen Feuchtigkeit. Deswegen wird es auch dort eingesetzt, wo es feucht werden kann, etwa für Sockel, in Schwimmbädern, Saunen oder zur Dämmung von Flachdächern, wenn diese etwa begrünt werden sollen.
Apropos Natur: Polystyrol ist zwar ein Kunststoff, dennoch würde er bei nicht fachgerechter Entsorgung keineswegs ewig in der Natur verbleiben. Britische Wissenschaftler haben nämlich entdeckt, dass Mehlwürmer sich recht gern an dem weißen Schaumstoff laben und ihn umweltfreundlich verdauen – ohne dabei Schaden an ihrer Gesundheit zu nehmen. Da will man nur hoffen, dass die kleinen Nimmersatte nicht in der eigenen Dämmung hausen.
Im nächsten Teil der Serie am 18.09.2017 beschäftigen wir uns mit Mineral- und Glasfaserwolle, die gern bei der Dachdämmung eingesetzt werden, aber nicht nur da.
Bisher erschien:
1. Dämmung – Fluch oder Segen
2. Was kann eine Dämmung
3. Rechtliches
4. Arten der Dämmung
5. Wärmedämmverbundsysteme
6. Dämmstoff – Styropor und andere Kunststoffe
Erscheinen demnächst:
7. Dämmstoff – Mineralwolle und andere Fasern
8. Dämmstoff – organische Stoffe aus Pflanzen und Tieren sowie Recyclingmaterial
9. Dämmfehler
10. Innendämmung