News vom 06.09.2017

Dämmung - Fluch oder Segen

Was kann eine Dämmung

Das Für und Wider die Dämmung haben wir ja im ersten Teil der Serie beleuchtet. Wen das nicht abschreckte und wer uns bis hierher gefolgt ist, erfährt nun näheres, was eine Dämmung kann, aber auch, was sie nicht kann.

Mögliche Einsparpotenziale bei verschiedenen Dämmmaßnahmen. <br />Bild: www.co2online.de<br />
Mögliche Einsparpotenziale bei verschiedenen Dämmmaßnahmen.
Bild: www.co2online.de

Das erste und wichtigste, was eine Dämmung kann, ist der Wärmeschutz. Um das zu beweisen, brauchen wir eine bauphysikalische Größe, die gern als U-Wert bezeichnet wird und wissenschaftlich Wärmedurchgangskoeffizient genannt wird. Der gibt die Fähigkeit (oder Unfähigkeit) eines Baumaterials, aber auch von Türen oder Fenstern an, Wärme durchzuleiten. Gemessen wird dies in Watt durch Quadratmeter mal Kelvin, also die Wärmeleistung durch die Fläche mal die Temperaturdifferenz oder W/(m²·K). Je geringer der Koeffizient ist, um so besser ist die Dämmung.

U-Wert wichtig

Eine 25 cm dicke Betonwand schafft 3,3 W/(m²·K). Eine gute, alte Mauerziegelwand von gleicher Stärke kommt schon auf 1,5 W/(m²·K). Das zeigt uns, dass die gute alte Bauweise schon mal sehr, sehr viel dämmender oder wärmeenergieeffizienter war als unser heutiges Setzen auf Stahlbeton und Co. Dämme ich nun die Betonwand mit 8 cm Hartschaumstoff, fällt der U-Wert auf 0,44 W/(m²·K). Bei der Mauerziegelwand fiele er auf 0,41 W/(m²·K). Wer wenig Spass am Kopfrechnen hat – hier findet sich ein Rechner, bei dem man die vershciedenen Arten von Mauerwerken mit den am Markt gängigen Dämmstoffen kombinieren und den U-Wert ermitteln kann.

Doch Wärmeverluste senken ist das eine, der wachsende Wohnkomfort das andere. Denn gedämmte Häusere „ziehen“ nicht mehr so, da sich die Außenwände nicht mehr so kalt anfühlen und diese Kälte auch nach innen abstrahlen. Im Sommer hingegen verhindert die Dämmung ein Aufheizen und Wärmespeichern des Mauerwerkes und sorgt so für kühlere Temperaturen.

Eine Ausnahme soll hier erwähnt sein: Man kann auch ohne Dämmung leben. Es gibt ein Baumaterial, Porenbeton genannt und am Markt als Poroton oder Ytong bekannt, bei dem man auf die Dämmung verzichten kann. Allerdings muss man dann mindestens ein Mauerwerk von 50 cm anlegen, um auf Dämmwerte zu kommen, die in der EnEV verlangt werden. Natürlich verkleinert das den Wohngrundriß.

Mauern atmen nicht

An dieser Stelle soll auch gleich mit einem Vorurteil aufgeräumt werden. Wände müssten atmen, denn sonst würde sich Schimmel bilden, da in der Wohnung durch die Bewohner dauernd Feuchtigkeit produziert wird. Und Dämmung lässt die Wände nicht atmen.

Das ist schon vom Ansatz her Blödsinn, weil ein Mauerwerk generell nicht atmet. Die Luftzirkulation muss über geöffnete Fenster oder Türen erfolgen. Anders geht es nicht, es sei denn, man verfügt ausnahmsweise über eine kontrollierte Wohnraumlüftung. (Auf die Ausnahme Passivhäuser, gerade älterer Bauart, wollen wir hier mal nicht eingehen). Ganz im Gegenteil: Eine Dämmung hält die Unterschiede zwischen Außen- und Innenwänden gering, dadurch wird gerade an kühleren Tagen die Kondenswasserbildung an den Wänden verhindert.

Und noch etwas kann Dämmung: Sie steigert den Wert einer Immobilie,  da diese deutlich energieeffizienter ist als zuvor und sich somit besser vermarkten lässt: Stichwort höherer Wohnkomfort und geringere Nebenkosten. Zwar gibt es auch reichlich Beispiele von skrupellosen Vermietern, die eine Dämmaßnahme nutzen, um die (Kalt-)Mieten nach einer energetischen Sanierung in die Höhe zu treiben. Doch das ist der Dämmung nicht anzulasten.

Nun noch zu etwas, was eine Dämmung nicht kann: Schnelle Amortisation durch eingesparte Brennstoffkosten. Tatsächlich würden sich die Kosten bei einer energetischen Ertüchtigung eines Einfamilienhauses auf gut 50.000 Euro belaufen. Selbst wenn man damit seinen Heizbedarf von vorher 30.000 kWh Heizöläquivalent auf 10.000 kWh senkt, was nach aktuellen Preisen einer jährlichen Ersparnis von rund 1.000 Euro gleichkäme, würde eine Amortisation erst nach 50 Jahren erfolgen.

Im nächsten Teil der Serie am 08.09.2017 geht es um Rechtliches beim Dämmen – und das ist eine ganze Menge. Es betrifft die Herstellung, die Verarbeitung und die Entsorgung. Das Recht begleitet also den Dämmstoff von der Wiege bis zur Bahre.

Bisher erschien:
1. Dämmung – Fluch oder Segen
2. Was kann eine Dämmung

Erscheinen demnächst:
3. Rechtliches
4. Arten der Dämmung
5. Wärmedämmverbund-systeme
6. Dämmstoff – Styropor und andere Kunststoffe
7. Dämmstoff – Mineralwolle und andere Fasern
8. Dämmstoff – organische Stoffe aus Pflanzen und Tieren sowie Recyclingmaterial
9. Dämmfehler
10. Innendämmung




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