News vom 02.10.2017

Dämmung der Heizungsrohre ein Muss

Mit der Dämmung am Gebäude haben wir uns bereits in einer zehnteiligen Serie befasst. Ein weiterer Bereich im Gebäude birgt ebenfalls große Einsparpotenziale durch Dämmung: Die Heizung, oder besser die Rohrleitungen, die für Wärme und Warmwasser sorgen. Gerade bei älteren Heizungsanlagen mit hohen Vorlauftemperaturen von über 80 °C – und das ist mit 70 % das Gros in Deutschland – ist das Einsparpotenzial enorm.

Auch Ventile und Armaturen sollten mitgedämmt und nicht wie hier bei diesem Beispiel mit Mineralwolle nicht freigelassen werden.<br />Bild: fy
Auch Ventile und Armaturen sollten mitgedämmt und nicht wie hier bei diesem Beispiel mit Mineralwolle nicht freigelassen werden.
Bild: fy

Die Ostfalia Hochschule Braunschweig/Wolfenbüttel hat je Meter Heizungsrohr und Jahr 265 kWh Wärmeverluste ermittelt. Dazu eine kleine Rechnung für ein normales Einfamilienhaus mit gut 20 m Leitungslänge: Nimmt man einen aktuellen Gaspreis von 5,5 Eurocent je kWh an, betragen die Verluste 291 Euro pro Jahr. Dämmt man die Heizungsrohre, würden die Verteilverluste nur noch 4,33 Euro je Meter betragen, also 87 Euro, man spart also 204 Euro jährlich.

EnEV zwingt zur Dämmung

Und nach Recht und Gesetz wäre es eh zwingend, diese Heizungsrohre zu dämmen. Denn das verlangt die EnEV schon seit 2009 von allen Besitzern von Ein-, Zwei-, und Mehrfamilienhäusern, und zwar egal, ob sie das Eigentum bewohnen oder nicht.

Jetzt käme es drauf an zu ermitteln, was denn nun eine Heizungsrohrdämmung kostet. In Frage kommen dafür verschiedene Materialien. Bei Polyetylen (PE) kostet der laufende Meter etwa ab 2 Euro je Rohrleitung, also würden die Materialkosten in unserem Beispiel etwa 40 Euro betragen. Bei Kautschuk wäre es ein Drittel mehr und bei der guten alten Mineralwolle schlügen sieben Euro pro Meter oder 140 Euro für 20 m zu Buche. Diese Preise beziehen sich auf eine 100-%-Dämmung, heißt, die Dämmschicht ist genauso dick wie der Rohrdurchmesser. Das ist auch genau die Dämmstärke, die von der EnEV verlangt wird.

Wer auf Nummer sichergehen will, kann auch auf die aus dem Passivhausbau kommende 200-%-Dämmung setzen. Da wir ja immer empfehlen, alles von einem Fachmann ausführen zu lassen, kämen noch die Handwerkerkosten hinzu. Eine Heizungsrohrdämmung wäre jedoch ein Bereich, in dem auch der DIY-Crack zuschlagen könnte, etwas Handwerksgeschick vorausgesetzt. Doch dazu später mehr.

Die Kosten sollten nicht allein ausschlaggebend sein. Denn jedes Material hat seine Vor- und Nachteile, die hier aufgeschlüsselt sind:

Tabelle 1

Material

Ø Kosten je m in Euro

Einsatzgebiet

Vorteil

Nachteil

Polyethylen (PE)

3

gut zugängliche Rohrleitungen

günstig

  • nicht biegsam
  • nicht temperaturbeständig,
  • nicht für Solarthermieleitungen verwenden

Polyurethan (PUR)

3

gut zugängliche Rohrleitungen

günstig

  • nicht biegsam
  • nicht temperaturbeständig,
  • nicht für Solarthermieleitungen verwenden

Kautschuk oder Kunstkautschuk

(Elastomer, Isopren)

4

verwinkelte Rohre

biegsam,

teilweise hochtemperatur-beständig

  • teurer als PE und PUR

Mineralwolle

 

7

gerade verlaufende Rohre

nicht brennbar, hochtemperatur-beständig

  • teurer als PE, PUR und Kautschuk
  • nicht biegsam
  • Juckreiz bei Hautkontakt,
  • Arbeitsschutzkleidung nötig

So geht’s

Nachdem man nun gewählt hat, welches Dämmmaterial in Frage kommt, kann man wie folgt vorgehen:

Zuerst alle Rohrleitungen hinsichtlich Länge und Durchmesser ausmessen, das Gros davon dürfte sich im Heizungsraum selbst befinden. Dazu gehört auch die Abstandsmessung von Rohrleitung zu Wänden und zu anderen Rohren. Denn – wir denken an die 100-%-Regel – für etwas mehr als den Rohrleitungsdurchmesser sollte immer Platz sein. Liegen zwei wärmeführende Rohre nebeneinander, was ja bei Heizkreisläufen und Warmwasserversorgung in jedem Haus mindestens einmal der Fall ist, braucht man demnach mehr als den doppelten Rohrleitungsdurchmesser, da beide Rohre isoliert werden müssen. Ausnahmen gelten für Rohre in beheizten Räumen, die müssen nur bis zur Hälfte des Rohrdurchschnitts gedämmt werden. Zu zählen sind auch Ventile und Armaturen, denn für die gibt es extra Dämm-Komponenten.

Dann geht’s in den Baumarkt oder zum SHK-Fachhandel. Wenn auf den Produkten „EnEV 100 Prozent“ steht, macht man schon mal nichts falsch, denn diese orientieren sich an der – wenig überraschend – 100-%-Regel. Zum Abdichten benötigt man neben dem vorgefertigten Dämmmaterial noch Isolierband und Cutter.

Zu Hause angekommen, kann man sich gleich ans Werk machen. Die Dämmschläuche werden passend nach der Rohrlänge zugeschnitten und über die Rohre gezogen. Meistens sind sie vorgeschlitzt und mit einem Kleber an den Nähten versehen, so dass die einfach nur kurz zusammengedrückt werden sollen, um zu kleben. Kleiner Hinweis: Bitte nicht mit heißen Heizungsrohren arbeiten, sondern vor der Montage die Heizung ausschalten und die Rohre auskühlen lassen.

Lücken sollten bei den Anschlüssen nicht entstehen. Da es in keinem Heizungskeller nur gerade Rohrleitungen gibt, muss man die Anschlüsse an den „Kurven“ bei PE und Mineralwolle mit Gehrung schneiden, also in dem Winkel, in dem die Leitungen zueinanderstehen. Und das dürften fast immer 90 ° sein, was einer Gehrung von 45 ° je Dämmschlauch entspricht. Kautschukschläuche sind so flexibel, dass man sie einfach drüber weg ziehen kann.

Nun noch zu etwas Diffizilem: Die Armaturen und Ventile. Denn auch die müssen, soweit es geht, isoliert werden. Dafür gibt es so genannte Dämmschalen, die ebenfalls erworben werden können. Überall da, wo Übergänge zwischen den Dämmschläuchen oder den Dämmschalen entstehen, wird das Isolierband herumgewickelt.

Wer eine Lüftungsanlage sein eigen nennt und meint, diese isolieren zu müssen - Hände weg! Diese Haustechnik-Komponenten brauchen eine eigene Art der Dämmung, die Diffussionsdicht sein muss. Hier sollte in jedem Fall der Handwerker ran.




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