
Dreiste Kopierer gebrandmarkt. Grohe intensiviert die Verfolgung von Nachahmern. Besonders dreiste Formen der Produkt- und Markenpiraterie in der Sanitärbranche hat die Verleihung des „Plagiarius“ am 14. Februar offenbart. Dieser im Rahmen der Messe „Ambiente“ in Frankfurt vergebene Preis ist weniger eine Auszeichnung als ein öffentlicher Tadel für Kopierer von Markenartikeln. Namentlich nicht weiter genannte chinesische Plagiatoren erhielten gleich zwei Urkunden für ihre Produktimitationen aus dem Hause Grohe. Der Hersteller von Armaturen, Brausen und Sanitärsystemen verfügt über eine weltweite Markenbekanntheit und ist in Europa unangefochtener Marktführer.

Thomas Raadts war als Leiter des Strategischen Produktbereichs Brausen und Duschsysteme bei Grohe in der Vergangenheit schon häufiger von Produktpiraterie beroffen. Im aktuellen Fall sind es zum einen das Brauseset der Serie „Relexa Plus Top 4“ und zum anderen die gleichnamige Handbrause. „Dieses Produktsortiment scheint neben den hochwertigen Armaturen für Imitationen sehr lukrativ zu sein. Es ist besonders häufig von Patentrechtsverletzungen sowie Verstößen gegen den Geschmacksmusterschutz und das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb berührt“, erklärte Raadts.
Der wirtschaftliche Schaden ließe sich kaum abschätzen. Schwerer wiege allerdings die Ausnutzung des Markenimages, wenn minderwertige Produkte den Eindruck vermitteln, aus dem Hause Grohe zu stammen und so den Kunden vorsätzlich täuschen. Die Plagiate der „Relexa Plus“-Produkte, so Thomas Raadts weiter, verletzen vielfältige Schutzrechte, da hier nicht „nur“ Produkte kopiert, sondern häufig auch der weltweit bekannte Markenname Grohe missbraucht werde.
Dr. Ingo Kober, Präsident des Europäischen Patentamtes, griff diesen Punkt ebenfalls in seiner „Laudatio“ zur Plagiarius-Verleihung auf: „Plagiate und Markenpiraterie sind mehr als ein bloßes Kavaliersdelikt - sie sind ein kriminelles Vergehen, und die verursachten volkswirtschaftlichen Schäden erreichen ein enormes Ausmaß. Die erhobenen Daten zu Schätzungen von Plagiaten sind nur ein Anhaltspunkt und sollten vorsichtig bewertet werden, da von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist. So sollen nach Angaben der Europäischen Union und der Internationalen Handelskammer fünf bis sieben Prozent des gesamten Welthandels auf plagiierte Produkte entfallen, weltweit gehen dadurch 200.000 Arbeitsplätze im Jahr verloren, davon allein in Deutschland rund 50.000.“
Grohe hat die Verfolgung der Plagiate in den vergangenen zwei Jahren global stark intensiviert. Dabei griff der Armaturenhersteller auf verschiedene juristische Instrumente zurück, wie z.B. Abmahnungen und Unterlassungsklagen. Auch Razzien bei Herstellern und Sicherstellungen bei Produzenten, Vertreibern und an Landesgrenzen gehörten zum Maßnahmenpaket.
„In einigen Fällen haben Distributoren, die Imitationen von Grohe-Produkten in den Umlauf gebracht haben, sich nach Entdeckung schnell freiwillig zu Unterlassungen und Schadensregulierungen bereit erklärt“, berichtet Thomas Raadts. Die erfolgreiche Bewerbung auf den „Plagiarius“ in 2003 solle noch lange nicht den Endpunkt der Kampagne darstellen. Unter anderem mit einem weiteren Ausbau der Schutzrechte und einer konsequenten Verfolgung von Herstellern und Distributoren in jedem Einzelfall werde Grohe versuchen, den Nachahmern das Handwerk zu legen.