Nachhaltig bauen kann nicht jeder. Denn es ist ziemlich genau festgelegt, was als nachhaltig gilt und was nicht. Entsprechend können Zertifikate für nachhaltig erstellte Bauwerke ausgestellt werden – oder eben auch nicht, wenn bestimmte Kriterien vernachlässigt wurden.
Auch Baustellen sollten nachhaltig organisiert werden.
Foto: DGNB
Ein auf der ganzen Welt, auch hierzulande, verbreiteter Standard ist die Building Research Establishment Environmental Assessment Method (BREEAM). Seit über 30 Jahren wurden mit ihr über 200.000 Bauwerke zertifiziert. Die zertifizierende Organisation BRE legt Wert auf Gebäudemanagement (ja, auch das muss nachhaltig sein, wenngleich dies in einem Einfamilienhaus eher keine Rolle spielt) sowie den Verbrauch von Energie und Wasser. Berücksichtigt werden außerdem Ökologie – hier auch, wie ein Gebäude nachhaltig und schonend in seine Umwelt eingepasst wird –, sowie die verwendeten Materialien.
Eigene Standards in Deutschland
In Deutschland gebräuchlich ist auch das Zertifikat vom Deutschen Institut für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (DIFNI). Aus diesem Standard heraus wurde das Zertifizierungssystem Leadership in Energy and Design (LEED) entwickelt. Es berücksichtigt auch, wie nachhaltig mit Grund und Boden umgegangen wird. Selbstredend gelten nur bestimmte Materialien und Ressourcen als nachhaltig.
Der wohl bekannteste einheimische Standard ist der von der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB). Auch er umfasst alle schon bei den anderen Zertifikaten genannten Punkte. Zudem gibt es von der DGNB eine Vorgabe dafür, wie Baustellen nachhaltig einzurichten sind (siehe Grafik).
Gerade für einen nachhaltigen Betrieb könnte man auch den Passivhaus-Standard heranziehen. Er wird vom Passivhaus-Institut in Darmstadt vergeben. Der Standard ist inzwischen so erfolgreich, dass beispielsweise in Hessen öffentliche Neubauten nur noch nach diesem Modus errichtet werden dürfen. Grundgröße ist ein Energieverbrauch von 15 kWh im Jahr je Quadratmeter umbauter Fläche. Das ist fast nichts. Erreicht wird dies mittels einer hohen Dämmung (die zugunsten der Nachhaltigkeit nicht aus Polystyrol oder Wärmedämmverbundsystemen bestehen sollte) sowie einer ausgeklügelten Wärmerückgewinnung ohne aktive Heizung im Gebäude.
Auch Grund und Boden soll nachhaltig sein
Einige Spezial-Zertifikate widmen sich einzelnen Nachhaltigkeitsaspekten am Bau, so das Green-Building-Label. Es bewertet Kriterien wie Umweltschutz, Ressourceneffizienz und Gesundheit. Das Blue-Building-Label hingegen richtet sein Augenmerk auf Ökologie, Ökonomie und soziokulturelle Aspekte. Zudem gibt es eine Zertifizierung nach Richtlinie 160 der German Facility Management Association (GEFMA). Sie gilt vor allem dem nachhaltigen Betrieb von Gebäuden und nicht der Bauweise.
In der Wohnungswirtschaft verbreitet ist zudem das NaWoh-Siegel. Es bewertet Nachhaltigkeit und Umwelteinflüsse von Baustoffen und legt dabei eine Umweltproduktdeklaration zugrunde (englisch: Environmental Product Declaration, EPD). Die Baustoffe werden mittels ökobilanzbasierter Indikatoren bewertet wie Treibhauseffekt oder Verbrauch an grauer Energie (Primärenergieinhalt, PEI).
Der nächste Teil am 16.08.2021 der Serie zeigt, wie sich Planer und Handwerker für nachhaltiges Bauen weiterbilden und qualifizieren können.
Bisher erschienen im Rahmen der Themenserie folgende Beiträge:
1. Was ist nachhaltiges Bauen?
2. Wie plant man ein nachhaltiges Bauwerk
3. Welche Baustoffe kommen für nachhaltiges Bauen in Frage?
4. Welche Baumethoden eignen sich für nachhaltiges Bauen?
5. Welche Zertifikate gibt es für nachhaltiges Bauen und was muss man dafür erfüllen?
Erscheinen demnächst:
6. Wie können sich Planer und Handwerker für nachhaltiges Bauen qualifizieren?
7. Kostet nachhaltiges Bauen mehr als konventionelles Bauen?
8. Welche Vorteile bietet nachhaltiges Bauen für die Nutzer einer Immobilie?
9. Praxisbeispiele für nachhaltiges Bauen: Wohngebäude
10. Praxisbeispiel für nachhaltiges Bauen: Nichtwohngebäude