Menschen zieht es mehr und mehr in Städte: Wie kann urbanes Wohnen aussehen, das den Anforderungen an Nachhaltigkeit, Klimaneutralität und schonendem Umgang mit Ressourcen gerecht wird?
Urbanes Bauen der Zukunft: Ein Team der FH Aachen entwarf ein Gebäude in Holzständerbauweise für eine zwölfköpfige Wohngemeinschaft. Eine kleine Version ist auf dem Solar Campus in Wuppertal zu sehen.
Die Grundrisse der Privaträume lassen sich durch Rollen jederzeit verändern. So können die Bewohner auf jeder Etage selbst entscheiden, wie viel Raum sie gemeinschaftlich oder privat nutzen wollen.
ArgillaTherm-Geschäftsführer Axel Lange zeigt in der Gemeinschaftsetage ein Muster der Natur-Klimadecke.
Vorteilhaft auch im Bad: Die Module der Natur-Klimadecken können pro Quadratmeter über einen halben Liter Wasser aufnehmen, ohne zu quellen.
Herzstück des Energiekonzepts sind Natur-Klimadecken. Das System erfüllt bis zu fünf Funktionen auf einer Fläche: Heizen, Kühlen, Feuchteregulierung, Luftreinigung und durch Zusatzmodule auch Akustik.
Lehmmodul nach Einbau der Leitungen.
Das Gebäude kann seinen Energiebedarf zu zwei Dritteln selbst decken. Zum Energiekonzept gehört neben Natur-Klimadecken, Eisspeicher und Photovoltaik-Elementen auch eine Fassadenbegrünung zum Hitzeschutz.
Bilder: ArgillaTherm Beim Solar Decathlon Europe (SDE) 21/22 stellten Architekturstudenten aus aller Welt Lösungskonzepte vor. Unter den 15 Teams belegte Local+ der Fachhochschule Aachen im Ranking den 5. Platz. Die Aufgabe, die sich die Gruppe aus Studierenden, Professoren und Mitarbeitern stellte: eine schmale Baulücke in Wuppertal zu schließen.
Das Team entwarf ein Gebäude in Holzständerbauweise mit einer Nettowohnfläche von 410 Quadratmetern auf vier Wohn- und zwei Gemeinschaftsetagen. Gedacht ist das Haus für eine zwölfköpfige Wohngemeinschaft. Der Clou dabei ist, dass sich die Grundrisse der Privaträume jederzeit verändern lassen. Denn dort steht alles auf Rollen. So können die drei Bewohner auf jeder Etage selbst entscheiden, wie viel Raum sie gemeinschaftlich oder privat nutzen wollen. Mit dieser Idee erzielte das Team beim Ranking unter dem Aspekt „Kommunikation“ 95 Prozent.
Punkte sammelte Local+ aber auch beim Energiekonzept. Das Gebäude kann den eigenen Energiebedarf zu zwei Dritteln selbst decken. Das Herzstück bilden Natur-Klimadecken, bei denen wassergeführte Leitungen in Hochleistungs-Lehmmodule eingelassen sind. „Das System erfüllt bis zu fünf Funktionen auf einer Fläche: Heizen, Kühlen, Feuchteregulierung, Luftreinigung und durch Zusatzmodule auch Akustik“, sagt Axel Lange, Geschäftsführer des Herstellers ArgillaTherm. Eine separate Lüftung ist dabei nicht nötig. Denn der hohe Tonanteil in den Modulen regelt die Luftfeuchtigkeit von allein: Die Module der Natur-Klimadecken können pro Quadratmeter über einen halben Liter Wasser aufnehmen, ohne zu quellen. Erwärmt sich die Luft bei Tag, geben die Hochleistungs-Lehmmodule die Feuchtigkeit sukzessive wieder ab und erzeugen dadurch eine passive Kühlung (Verdunstungskälte). Hundert Gramm Feuchteabgabe erzeugen stolze 62 Wattstunden Kühlenergie. Auch das schlug im Ranking positiv zu Buche: In den Kategorien „Luftqualität“ und „Luftfeuchtigkeit“ erzielte der Entwurf des Aachener Teams mit 100 bzw. 99 Prozent optimale Werte.
Zu dem cleveren Energiekonzept gehören auch eine Fassadenbegrünung zum Hitzeschutz, ein Eisspeicher sowie Photovoltaik-Elemente.
Acht Entwürfe, die bei SDE eingereicht wurden, sind auf dem Solar Campus in Wuppertal realisiert worden und dort für mindestens drei Jahre zu sehen. Dazu zählt auch eine kleine Version des Entwurfs von Local+. Es ist ein Kubus mit je einer Wohn- und einer Gemeinschaftsetage.