Früher war die Sache klar. Mädchen beginnen eine Ausbildung zur Krankenschwester, Kindergärtnerin oder Friseurin – Jungs gehen aufs Dach, werden Automechaniker oder eben Installateur. Diese Zeiten sind glücklicherweise längst vorbei, denn das Handwerk bietet für alle Berufseinsteiger unendlich viele Möglichkeiten. Schade ist nur, dass davon - speziell in der SHK-Branche - immer noch zu wenig Gebrauch gemacht wird. Weibliche Kolleginnen sind immer noch eine Ausnahme, leider!
Birgit Jünger vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima: „Zahlreiche Studien belegen, dass Unternehmen wirtschaftlich besser performen, wenn sie Diversität und Inklusion im Betrieb umsetzen.“
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Ein gutes Beispiel zur Anwerbung von weiblichen Auszubildenden kommt beispielsweise aus dem Dachdeckerhandwerk.
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Universaltalente sind gefragt. Eine Ausbildung zur Anlagenmechanikerin SHK ist entsprechend vielseitig. Junge Menschen, die das Umweltthema aktiv begleiten möchten, sehen hier häufig ihre Chance.
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Autor Dieter Last (63), Handwerksmeister, Fachjournalist in der TGA-Branche und Mitglied im Arbeitskreis Baufachpresse e. V.
Bild: Dieter Last Nach Angaben des Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) befanden sich zum Jahreswechsel 2024/25 exakt 342.092 junge Menschen in einer handwerklichen Ausbildung. davon waren zu diesem Zeitpunkt 59.268 weiblich. Das entspricht einem Anteil von ca. 17 Prozent bzw. einem Plus von 1,9 Prozent zum Vorjahr. Im Vergleich dazu erreichte die Zahl aller Studierenden im Wintersemester 2024/25 mit insgesamt etwa 2.871.600 einen neuen Höchststand in Deutschland. Gut die Hälfte davon (50,9 Prozent) sind Frauen; es gibt also ungefähr achtmal so viel Hochschulbesucher als Azubis im Handwerk.
Trotzdem bietet das Handwerk auch 2025 eine starke Karriereoption. Das zeigen die steigenden Zahlen bei den Ausbildungsverträgen, die bis Juli 2025 bereits ein leichtes Plus zum Vorjahr verzeichnen konnten. Diese Entwicklung kann sich bis in den Herbst hinein noch fortsetzen, da aktuell noch rund 25.000 Ausbildungsplätze verfügbar sind. Vor diesem Hintergrund ist es kaum nachvollziehbar, dass sich das SHK-Handwerk mit der Rekrutierung der weiblichen Auszubildenden bisher so schwergetan hat. Nur 907 der insgesamt 40.454 Ausbildungsplätze wurden bis Ende 2024 mit jungen Frauen besetzt. Ein Anteil von gerade mal 2,2 Prozent. Zum Vergleich: im Dachdeckerhandwerk gibt es mit immerhin 4,5 Prozent und im Schornsteinfegerhandwerk mit über 18 Prozent einen wesentlich höheren Frauenanteil in der Berufsausbildung. Da ist also noch reichlich „Luft nach oben“.
Das sieht auch Birgit Jünger vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) so. Wörtlich: „Wir können es uns als Branche nicht mehr leisten, mehr als 50 % der Bevölkerung nicht besser zu integrieren. Denn Vielfalt im Handwerk hat durchaus auch ökonomische Faktoren. Zahlreiche Studien belegen, dass Unternehmen wirtschaftlich besser performen, wenn sie Diversität und Inklusion im Betrieb umsetzen.“
Hinzu kommt die Tatsache, dass angesichts der technischen Entwicklungen auch im SHK-Handwerk zukünftig mehr Kopfarbeit als Muskelkraft gefragt sein wird. Innovative Smart-Home-Technologie und klimaschonende Heizkonzepte wollen verstanden, bedient gemessen sowie erläutert werden. Darüber hinaus geht es nicht immer nur um Technik, sondern auch um den guten Geschmack. In diesem Zusammenhang gilt es die weibliche Kompetenz in Sachen Stil und Designberatung zu nutzen – ein Aspekt, der speziell im Sanitärbereich beachtet werden sollte. Anspruchsvolle Bäder entstehen schließlich durch das Arrangement funktionaler Ablagen, schöner Armaturen sowie stimmungsvollen Lichtkonzepten in Kombination mit pflegeleichten Oberflächen. Zudem sind es häufig Frauen, die hier entscheiden und damit letztlich das Budget verantworten. Sie akzeptieren die weibliche Kompetenz in handwerklichen Berufen gern und erfreuen sich an einer Beratung auf Augenhöhe.
Mehr Kopf- als Muskelarbeit gefragt
Auch das Vorurteil - Frauen können ja nicht schwer tragen – ist mit Blick in die Zukunft als überholt zu betrachten. Mit dem digitalen Wandel werden die körperlichen Belastungen handwerklicher Berufe tendenziell geringer. Moderne Hebehilfen und Exoskelette machen es zudem möglich, auch schwere Wärmeerzeuger rückenschonend zu bewegen. Außerdem ist man im Handwerk in der Regel als Team unterwegs – da sollte man sich helfend ergänzen können.
Des Weiteren ist davon auszugehen, dass der Organisationsgrad im SHK-Fachhandwerk zukünftig eher steigen wird. Damit wächst zugleich der Bedarf an kreativem, kommunikativem und gestaltendem Potential. Ob im Bestellwesen, der Lagerlogistik, in der Personalplanung, der Beratung, der CAD-Badplanung oder in der KI-gestützten Telefon-Hotline. Eine Kraft im Büroalltag zu haben, die in ihrer Berufsausbildung schon beim Kunden und/oder einer Baustelle vor Ort war, ist von unschätzbarem Vorteil. Das gilt auch für spätere Berufs-Wiedereinsteigerinnen.
Fazit
Um die Energie- und Wärmewende zu stemmen, sowie die zukünftigen Herausforderungen im SHK-Handwerk zu bewältigen, braucht es flächendeckend ausreichend qualifizierte Fachkräfte. Die demografische Entwicklung in Deutschland führt außerdem dazu, dass eine zunehmend alternde Bevölkerung mit barrierearmen Bädern und modernen Wärmekonzepten versorgt werden will. Auf der anderen Seite verliert die SHK-Branche aktuell zu viele Fachkräfte. Grund dafür sind in Rente gehende Vertreter der so genannten Babyboomer-Generation, während nicht genügend Auszubildende hinzukommen. Der nicht besetzte Ausbildungsplatz von heute verursacht schließlich die fehlenden Gesellen und Meister von morgen.
Diese Entwicklung kann sich in den kommenden Jahren noch verschärfen, da wir bei jungen Menschen leider einen Trend zur Akademisierung vernehmen und immer größere Schwierigkeiten haben, ausreichend qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber für handwerkliche Ausbildungsplätze zu finden. Dafür benötigen wir ein Umdenken in der Gesellschaft, aber auch im SHK-Fachhandwerk selbst. Dort muss das Potential, das junge Frauen mitbringen wesentlich besser erkannt, beworben und genutzt werden.