Kein Zweifel: Dieser Sommer war sehr warm und super sonnig. Schön für die Zuhausegebliebenen und gut für Weinbauern und Solaranlagen-Betreiber. Für alle Gebäude war dieser Sommer der Härtetest – egal ob Wohnhaus oder Büro, ob Kaufhaus oder Fertigungshalle, ob mit oder ohne aktive Klimatisierung. Es hat sich gezeigt: Bei konsequenter Abstimmung von Architektur und Gebäudetechnik können Gebäude auch mit natürlichen Kältequellen wie Erdreich oder Nachtluft gekühlt werden. Wie gut sich die Mitarbeiter in den Büros bei der Hitze konzentrieren können hängt nicht zuletzt auch davon ab, wie kühl die Nächte sind. Ein jetzt vorliegender Vergleich liefert Hinweise auf die Anwendungschancen von Nachtlüftung zur Kühlung von Gebäuden.
Alle drei Sommermonate Juni, Juli und August waren ungewöhnlich warm. Es gab neue Rekorde für die Anzahl "heißer Tage", also der Tage mit Temperaturen von mehr als 30°C. Im ohnehin wärmeverwöhnten Freiburg beispielsweise wurden 53 heiße Tage gezählt.

Geht es um Hitzerekorde, so wird meist über die Tagestemperaturen gesprochen. Doch wichtig für das Raumklima in Gebäuden sind auch die Nachttemperaturen, denn kühle Nachtluft kann Gebäude sehr wirksam abkühlen – sofern die Lufttemperatur unter etwa 18°C absinkt. Statistisch betrachtet sind die Sommernächte in Deutschland im Mittel – laut Testreferenzjahr für den Standort Würzburg – durchweg kühl genug für eine luftige Erfrischung.
Für drei im Rahmen des Forschungs- und Demonstrationsprojekts SolarBau:Monitor untersuchte Gebäude mit passiver Kühlung in Kombination mit Nachtlüftung liegen jetzt genaue Auswertungen zu den Nachttemperaturen und den Einfluss auf den Gebäudekühleffekt vor (vgl. Graphik). Für den Sommer 2003 registrierte das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme am Standort seines neuen Institutsgebäudes in Freiburg 21 "tropische" Nächte mit Temperaturen von über 20°C und 44 Sommernächte mit Temperaturen über 18°C – im Vorjahr waren es nur 12 Nächte über 18°C gewesen.
Zur Entwarnung: Die warme Witterung war nur im Süden Deutschlands so extrem zu beobachten. Außerdem halten Wetterexperten einen weiteren Sommer dieser Art für nicht sehr wahrscheinlich. "So gesehen sollte ein Sommer dieser Ausprägung, auch wenn die schlimmsten Befürchtungen hinsichtlich einer anthropogenen Klimaerwärmung wahr werden sollten, in Deutschland so bald nicht wieder auftreten", stellt denn auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) fest. Gute Aussichten also für passiv gekühlte Gebäude mit Nachtlüftung.
Weitere Informationen:
Deutscher Wetterdienst (DWD):
Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE)