Selbstverpflichtung der Bauwirtschaft: Recycling von Baureststoffen. Dritter Monitoring-Bericht "Bauabfälle" an das Bundesumweltministerium übergeben. "Die Menge relevanter Baureststoffe, nämlich Bauschutt, Straßenaufbruch und Baumischabfälle ist im Berichtszeitraum 1999/2000 im Vergleich zum Vorberichtszeitraum auf 88,6 Mio. t angestiegen. Dies bedeutet eine Zunahme um 15% bzw. um 11,5 Mio. t. Davon wurden 61,4 Mio. t recycliert, das entspricht einer Recycling-Quote von 69,3% (1998: 55,2 Mio. t = 71,6%). Damit konnten die Verwertungsraten aus der Selbstverpflichtung 2005 nochmals erfüllt werden, wenn wir es auch zum ersten Mal mit einem leichten Rückgang der Quote zu tun haben."
Dies erklärte der Vorsitzende der ARGE Kreislaufwirtschaftsträger Bau, Dr. Guntram Kohler, anlässlich der Übergabe des 3. Monitoring-Berichtes Bauabfälle an die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Margareta Wolf MdB.
In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, so Kohler weiter, dass es die Bauwirtschaft mit ihrer freiwilligen Initiative, im Gegensatz zu Vermutungen der Nichterfüllung von Selbstverpflichtungen, weiterhin sehr ernst meint, dies dauerhaft und nachhaltig jedoch nur in Kooperation mit Politik und Verwaltung realisieren kann.
Die Zunahme der in dem Bericht erfassten Anlagen, und damit auch die Menge des angefallenen Bauschutts, beruht nicht auf der Inbetriebnahme neuer Anlagen, sondern auf einer Erhöhung der Erfassungsquote. Zugleich wird deutlich, dass das der Anteil in die Beseitigung gegangener Mengen zu Lasten produzierter RC-Baustoffe zugenommen hat.
Der 3. Monitoring-Bericht Bauabfälle zeige, so Kohler, zum ersten Mal einen Rückgang in der Verwertungsrate, d.h. dem Verhältnis der Menge recyclierter zur Menge beseitigter Bauabfälle. So konnten zwar 11,5 Mio. t mehr Baureststoffe erfasst, davon jedoch lediglich 54% (= 6,2 Mio. t) der Verwertung zugeführt werden. Die Menge der Baureststoffe, die in Deponien gebracht wurde, erhöhte sich ebenfalls um über 5,0 Mio. t (46% des Anfalls) auf nunmehr 27,2 Mio. t gegenüber 21,9 Mio. t in 1998.
Kohler beklagte, dass hochwertige Anwendungsgebiete für Recycling-Baustoffe außerhalb traditioneller Einsatzgebiete wie dem Straßen- und Tiefbau nach wie vor tabu blieben. "Wenngleich bei ausgewählten Einsatzgebieten gewisse bautechnische Einschränkungen nicht von der Hand zu weisen sind, behindern Missachtung und teilweise Diskriminierung noch immer die hochwertige Verwertung güteüberwachter Recycling-Baustoffe."
Kohler unterstrich für die in der ARGE Kreislaufwirtschaftsträger Bau zusammengeschlossenen Bauverbände die volle Unterstützung des Postulats der Nachhaltigkeit, wenn es um Fragen des Ressourcenschutzes durch Substitution von Primärrohstoffen und durch Reduzierung des Landschaftsverbrauchs geht.
Dazu sind jedoch endlich verlässliche und transparente politische Rahmenbedingungen auf Bundes- und Länderebene zwingend erforderlich, ohne die die Umsetzung einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft im Bauwesen dauerhaft nicht möglich sein wird. Kohler appellierte insbesondere an die Landesregierungen, RC-Baustoffe als "Produkte" anzuerkennen und sie nicht länger als Abfall zu diskriminieren, ansonsten bestehe die Gefahr, dass über kurz oder lang die Kreislaufwirtschaft am Bau trotz Selbstverpflichtung zu Grabe getragen werden müsse.
"Auch wenn der hier bewertete "Zustand 2000" noch positiv erscheint, haben wir die Pflicht, die Augen nicht vor der "Realität 2003" zu verschließen. Denn einerseits kommen gegenwärtig erhebliche Mengen an aufzubereitenden Baureststoffen an den Anlagen an, vielfältige, teilweise künstliche geschaffene Hindernisse hindern jedoch deren Abfluss, so dass die Betriebe "überlaufen", so Kohler.
In der ARGE Kreislaufwirtschaftsträger Bau sind der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes, der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, der Bundesverband Baustoffe, Steine und Erden, der Bund Deutscher Architekten, der Bundesverband der Deutschen Recycling-Baustoff-Industrie, die Bundesvereinigung Recycling Bau, der Deutsche Abbruchverband, die Gütegemeinschaft Recycling-Baustoffe sowie der Verband Beratender Ingenieure zusammengeschlossen. Die Bauwirtschaft hatte in einer 1996 eingegangenen Selbstverpflichtung zugesagt, bis 2005 die auf Deponien abgelagerten Mengen an Bauabfällen zu halbieren und diese zu recyceln.