Norwegen: Gas soll von Bohrinsel in den Meeresgrund gepumpt werden. Norwegens größter Ölkonzern plant CO2 in den Tiefen des Nord-Atlantik einzubringen, um damit Treibhausgase zu verringern. Umweltorganisationen laufen Protestmärsche dagegen. Ihr Argument: die Endlagerung ist unsicher, CO2 ist zwar nicht giftig in hoher Konzentration gefährdet es aber sehr wohl das fragile Leben der Unterwasserwelt. Einfacher wäre, so die Umweltschützer, weniger CO2 zu produzieren, berichtet das Environmental News Network (
www.enn.com).
Statoil, der größte Ölkonzern Norwegens, betreibt die einzige Gas-Bohrinsel der Nordsee, bei der die Technologie eine Trennung von Gas und dem unerwünschten CO2 erlaubt. Das Kohlendioxid wird wieder in den Boden gepumpt. "Die Methode ist wirklich ausgereift. Unsere Vorstellungskraft ist das einzige Limit", so Edvin Ytredal, Chef der Sleipner-Bohrinsel, die über 200 Meter aus dem Ozean ragt. Mit den zwei Schornsteinen, auf denen Gas abgefackelt wird, sieht die Bohrinsel aus wie ein Monster-Umweltschänder. Doch seit 1996 hat die Insel mit der Technologie pro Jahr eine Million Tonnen CO2 zurückgepumpt. Zu den jüngsten Strategie-Überlegungen von Statoil zählt nun die Idee, CO2 gegen Bezahlung in den Ozeanboden zu pumpen. Stahlwerke oder Kohlekraftwerke könnten CO2 dann gegen Entgelt im Nordatlantik vergraben. Schwärmerisch gibt sich Jan Karlsen, Statoils Senior Vice-President bei der Überlegung.
Umweltschützer sehen in den Bestrebungen des Ölkonzerns nicht gerade die großen Hoffnungen. Einerseits befürchten sie ein eventuelles Austreten des Gases vom Meeresgrund. CO2 ist zwar nicht giftig, hohe Konzentrationen schaden aber der Umwelt. "Wer weiß wie lange das CO2 am Meeresgrund bleibt. Ob es sich um 100 oder 1.000 Jahre handelt, ist völlig unklar", so Truls Gulowsen, von Greenpeace Norwegen. Außerdem kritisieren die Umweltorganisationen die Handlungsweise der "Endlagerung" als scheinbare Problemlösung. Das eigentliche Problem, nämlich die steigenden Emissionen, werden durch die Art der Lagerung hintangehalten. Statoil sieht das Problem jedenfalls nicht und argumentiert damit, dass CO2 für Jahrmillionen in den Reservoirs gelagert werden kann.
Um den CO2-Gehalt im Gas zu mindern, verwendet Statoil eine chemische Substanz namens Amin, die mit dem Gas unter hohen Druck reagiert. Dann wird das CO2 wieder ins 1.100 Meter tiefe Utsira Reservoir gepumpt. Nach Schätzungen des Konzerns könnte man dort 600 Mrd. Tonnen CO2 lagern. Die gesamte Weltproduktion von CO2 beträgt 23 Mrd. Tonnen Kohlendioxid pro Jahr. Dass Statoil die Methode zur Trennung von CO2 entwickelt hat, ist nicht auf reine Umweltschutzgedanken zurückzuführen. Natürliches Gas aus der Sleipner West-Bohrinsel enthält nämlich bis zu neun Prozent Kohlendioxid. Das entspricht der vierfachen Menge von handelsüblichem Gas, das in etwa einen CO2-Anteil von 2,5 Prozent aufweist. Eines scheint der Ölkonzern auch noch nicht überlegt zu haben: ob das Kyoto-Abkommen das CO2-Dumping überhaupt als Emissionsbonus wertet.