
Kauf von ungarischem Betonwerk öffnet osteuropäischen Markt für Anlagen zur Abwasserreinigung und Regenwassernutzung
Die Mall GmbH, Hersteller von Anlagen zur Abwasserreinigung und Regenwassernutzung, weitet ihre Geschäftstätigkeiten auf Osteuropa aus. Durch die Übernahme von SZE-Beton AG in Szentendre, einem ungarischen Betonfertigteil-Hersteller aus der Nähe von Budapest, vergrößert sich das Unternehmen, das zur Zeit ein Umsatzvolumen von rund 110 Millionen DM jährlich aufweist, von 370 auf 440 Mitarbeiter. Weiterer Übernahme-Partner der SZE-Beton AG ist die P.V. Holding AG mit Sitz in Hanau. Ziel der Übernahme, so die Geschäftsführung von Mall GmbH, sei der Ausbau der Marktpräsenz und der verstärkte Absatz von Abwasserreinigungssystemen in Osteuropa. Neue Vorstandsvorsitzende der SZE-Beton AG sind Markus Grimm, Mall GmbH, und Ernestos Varvaroussis, P. V. Holding AG. Aufsichtsratsvorsitzender ist Hans Hügle, Mall GmbH.
Zur Zeit fertigt die SZE-Beton AG vorwiegend Betonrohre, Decken und Trägerelemente für Industrie- und Hausbau. Der geplante Know-how-Transfer und eine veränderte Marktausrichtung indes sollen aus dem Fertigteilhersteller schnell einen Spezialisten für Regenspeicher, Kläranlagen und Kanalisationsprodukte machen. Nach dem aktuellen Stand der Planung können schon Ende des Jahres die ersten Anlagen mit Mall-Technologie vom neuen Standort aus Ungarn nach Rumänien, Slowenien und in die Slowakei verkauft werden.
Für Mall Umweltsysteme ist der Kauf des ungarischen Beton-Werkes ein wichtiger Baustein für die Ausdehnung der Geschäftstätigkeiten in Richtung Osteuropa. Hans Hügle: „in Osteuropa gibt es einen riesigen Bedarf an dezentraler Abwasserreinigung. Deshalb werden wir in den kommenden Jahren Know-how und Technologie gezielt in diese Richtung ausweiten."
Abwasserreinigung ist Zukunftsmarkt in Osteuropa
In Westdeutschland ist der Markt für Abwasserreinigungssysteme weitgehend gesättigt. Ganz anders stellt sich die Lage in Osteuropa dar. Sind hierzulande mehr als 90 % aller Haushalte an eine Kläranlage angeschlossen, werden in Ungarn nur 45 % aller Abwässer überhaupt einer Klärung zugeführt. Die EU-Beitrittsbedingungen fordern von den Beitrittskandidaten einen Anschlussgrad von 85% an die Abwasserreinigungsanlagen und erweisen sich damit als eine riesige Hürde zum EU-Beitritt.
Aktuellen Schätzungen zufolge werden daher alle EU-Beitrittskandidaten zusammengenommen in den kommenden Jahren zwischen 40 und 50 Milliarden Euro in den Umweltschutz investieren müssen. Ein Teil davon kommt aus EU-Fördermitteln für den Umweltschutz und fließt direkt in den Ausbau der Abwasserreinigungsanlagen. Allein in Ungarn werden nach einer Erhebung des Umweltministeriums in den kommenden zwei Jahren rund 75 Millionen Euro in die Modernisierung des Kanalisationsnetzes und den Bau von Kläranlagen investiert. Weitere Vorhaben für drei Milliarden Euro befinden sich noch in der Planung. Bauwirtschaft in Ungarn legt rasant zu
Hinzu kommt, dass derzeit in Ungarn ein regelrechter Bauboom stattfindet. Anders als in Deutschland, wo die Bauindustrie teilweise dramatische Rückgänge verbuchen muss, steigt das Volumen der Bauleistungen in Ungarn in diesem Jahr voraussichtlich um rund 10 %. Von dieser Steigerung profitieren auch zahlreiche deutsche Bauunternehmen. Nach Angaben des Hauptverbandes der deutschen Bauindustrie konnten deutsche Unternehmen im vergangenen Jahr knapp 20 Milliarden Euro Auftragsvolumen aus dem Ausland verbuchen. Knapp vier Milliarden davon stammen aus den europäischen und MOE-Staaten. Objekte, in die in Ungarn derzeit verstärkt investiert wird, sind Hotels und Bürohäuser, die Erweiterung des Autobahnnetzes, Logistikzentren, und Industrieparks. Im Hotel und Bürobereich entstehen dabei vorwiegend Objekte der Luxuskategorie sowie exklusive Büroviertel. Zu den Hoffnungsträgern der Bauindustrie in Ungarn zählen ebenfalls Projekte „auf der grünen Wiese". Aber auch der Wohnungsbau gewinnt derzeit stark an Dynamik.