Da hilft nur eine Totalsanierung.
Bild: Tamarida/pixelio.de Ähnlich wie alte Heizungen werden alte Bäder rund alle 20 Jahre ausgetauscht. Das wirft schon mal ein schwaches Licht auf den Zustand der Substanz, die unter den Fliesen schlummert. Und dazu gehören vor allem die Rohre. Wer ein neues Bad will, sollte diese auf jeden Fall austauschen. Das ist zwar kein Muss, aber dringend zu empfehlen. Gleiches gilt für die Trinkwasserleitungen. Diese müssen zudem noch wärmegedämmt werden – das ist Pflicht! Das gilt im Sanierungsfall auch dann, wenn die alten Trinkwasserleitungen weiter genutzt werden.
Im Zweifelsfall kann ein Fachmann sagen, ob die alten Rohre für den neuen Jacuzzi ausreichend sind oder nicht. Zu achten ist beim Rohrwechsel auf Schallschutz. Denn die neuen Rohre und Fallleitungen können für ordentlich Lärm sorgen. Bei Abwasserrohren bieten sich mineralische Dämmstoffe an sowie schallentkoppelte Schellen.
Rohre wechseln
Die neuen Rohre sollten auch zielsicher und so gerade wie möglich dahin führen, wo sie gebraucht werden. Wird ein altes Bad neu geplant, stehen Wanne und Dusche ja selten dort, wo sie vorher waren. Also müssen die Leitungen verlegt werden. Versatzschalen, also eine Aufdopplung der Wand, können hier hilfreich sein und gleich für den Schallschutz mitgenutzt werden.
Neben Wasser braucht jedes Bad auch Strom. Zu den rechtlichen Vorschriften kommen wir noch in einem späteren Teil der Serie. Hier soll es erst mal um das Handwerkliche gehen. Fehlen Schutzleiter und -schalter, was ja bei älteren Installationen durchaus der Fall sein kann, heißt es: Alles neu macht der Mai (oder der Monat, in dem das Bad saniert wird). Mindeststandard ist ein eigener FI-Schalter für das gesamte Bad.
Liebäugelt man dennoch damit, es bei den alten Kabeln zu belassen, dann sollten sie genau geprüft werden. Eigentlich geht das nur, wenn man die ganze Wand aufhackt (jedenfalls bei Unter-Putz- bzw. Unter-Fließen-Installationen). Wenn man einmal soweit ist, kann man auch gleich die Leitungen neu verlegen. Sichere Anzeichen für unbrauchbare Kabel sind brüchige Isolierungen, die sich in feuchten Räumen ja immer besonders gut machen.
Auch ein ganz einfacher Fakt spricht für die Neuinstallation: Soll der Wellness-Tempel, und das sollen Bäder ja heute oftmals sein, eben ein behaglicher Tempel sein, bedarf es meist neuer Anschlüsse. Der Standard-Stecker über dem Waschbecken für Papis Rasierer reicht da nicht mehr. Und an die alten Leitungen neue Lasten anzuschließen ist, sagen wir es mal so, mutig.
Neue Fenster dichten besser
Kommen wir noch zu den Fenstern. Wellness verträgt sich nicht mit Zug. Also gehören die Fenster ausgewechselt. Gerade alte Fensterrahmen aus Holz neigen bei Feuchtigkeit wie im Bad zum Verziehen und schließen deswegen nicht mehr richtig ab. Dichte Fenster könne aber auch Schimmel bedeuten, weswegen das Bad regelmäßig zu lüften ist. Eine automatische Abhilfe schafft nur eine kontrollierte Wohnraumlüftung , die unsere kleine Investition jedoch deutlich verteuern würde.
Noch was zur Statik: In sehr alten Gebäuden wurden meist Holzbalkendecken eingezogen. Diese müssen überprüft werden. Denn wird ein schwerer Jacuzzi dort eingebaut, wo vorher nur eine kleine Dusche stand, kann das schnell zu Problemen führen. Und: Badewannen sollten immer flächig aufsetzen, da solche, die auf Füßen stehen, die Last auch nur punktuell nach unten abgeben. Deswegen muss die Last verteilt werden. Am besten geht das mit einer Ausgleichsschüttung und darauf angebrachten Platten oder Trockenestrich.
Davor sollte jedoch der Boden gecheckt und mit Dichtungsbahnen ausgelegt oder bei Beton mit Spachtelmasse abgedichtet werden. Sonst hat der Nachbar unten drunter schnell eine ungewollte Dusche. In den alten Decken kann man zudem meist die Leitungen nicht so verlegen, wie man gern will. Da hilft nur eines: Das Niveau anheben und mit Podesten arbeiten.
Ist das erst mal alles geschafft, können die Fliesen angebracht werden. Empfohlen wird von Fachleuten zuvor eine Verbundabdichtung dort, wo Wasser am meisten anfällt, also unter Dusche und Badewanne.
Nun noch eine Checkliste, wie man ein Bad im Bestand planen kann:
• Bad-Grundriss im Maßstab 1:20 mit Türen, Fenstern und Anschlüssen sowie Dachneigungen aufzeichnen
• Einrichtungsgegenstände einzeichnen
• Erster Blick soll auf etwas Schönes fallen – etwa Waschtisch
• Wasser-, Abwasser- und Stromanschlüsse planen
• WC nicht zu weit vom Fallstrang planen
• Öffnungsrichtung von Türen und Fenstern beachten
• Wanne, WC und Bidet passen oft unter Dachschräge oder Fenster
• Mindestabstand von 20 cm zwischen Objekten
• Reibungslosen Badalltag ermöglichen
Bei so vielen Schwierigkeiten raten wir dringend von DIY ab und empfehlen einen Fachhandwerker zu beauftragen. Um die geht es auch im nächsten Teil unserer Serie am 17.11.2017: Es gibt ziemlich viele Gewerke, die sich im Bad zu schaffen machen. Aber woran erkannt man gute Handwerker, die einem das schöne Bad einrichten? Auch darum wird es gehen.
Bisher erschienen:
1.Wie man ein Bad im Neubau richtig plant
2. Wie man ein Bad im Bestand richtig plant
Erscheinen demnächst:
3. Welche Handwerkerleistungen sind nötig
4. Rechtliches/Vorschriften/Fallstricke
5. Energieeffizienz
6. Trends I
7. Trends II
8. Das altersgerechte Bad
9. Do it Yourself? Sollte man ein Bad selbst einbauen? Oder besser nicht?
10. Beispiele für schöne Bäder