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News vom 11.05.2018

Smarte Haustechnik

Verschattungslösungen

Der größte Wärmeverschwender im Haus ist das Fenster. Dabei ist das nicht mal das Fensterglas an sich, sondern der Rahmen. Er ist eine einzige Wärmebrücke, also ein Verlustbringer und Transporteur der Zimmerwärme nach außen. Selbst Fenster mit Dreifachverglasung für den Passivhausstandard können an diesem grundlegenden Problem nichts ändern und die Verluste lediglich abfedern.

Außenliegende Jalousien sind eine Möglichkeit, um Wärmeverluste mittels digitaler Steuerung zu minimieren. <br />Bild: Roto Dachfenster
Außenliegende Jalousien sind eine Möglichkeit, um Wärmeverluste mittels digitaler Steuerung zu minimieren.
Bild: Roto Dachfenster

Abhilfe kann hier nur eine Verschattung schaffen, und zwar eine außenliegende, die auch den Fensterrahmen mit abdeckt. Darüber haben wir hier ausführlich berichtet. Üblich sind Jalousien und Lamellensysteme. Beide gibt es mit eingebauten Dämmeffekten. Herkömmliche werden mit einem Stoffband auf- und abgezogen oder mit einem Motor bewegt. Letzterer ist eine gute Grundlage dafür, diese Verschattungslösungen einfach in ein smartes Haus einzubinden.

Einbindung mit BUS-Systemen

Die Einbindung erfolgt idealerweise ohne sonstige zusätzliche Installation, etwa mittels Bluetooth, WLAN oder BUS-System. Bei letzterem wird die elektrische Leitung, an die der Motor als Aktor angeschlossen wird, als Signalüberträger genutzt. Allerdings brauchen Leitungen, die dies können, eine besondere Ausstattung. Die Stromleitungen, die in Omas kleinem Häuschen seit 60 Jahren über Putz schlummern, gehören mit Sicherheit nicht dazu.

Das Prinzip ist wenig kompliziert: Ein Sensor misst außen Daten wie Wärme und vor allem Sonneneinstrahlung. Der Motor nimmt das Signal auf und handelt. Doch es geht noch raffinierter: Ein Sensor im Inneren des Raumes misst den Lichteinfall und regelt die Verschattung so, dass zwar genügend Licht zum Arbeiten einfällt, aber auch genug Sonnenstrahlen draußen bleiben, um das Gebäude richtig zu temperieren und die Kühlung nicht zu über beanspruchen.

Denn das ist das Hauptziel einer intelligenten Verschattung. Im Winter schließt sie sich ab der Dämmerung komplett, um in den kalten Nachtstunden so wenig Wärme wie möglich via Fenster nach draußen abzugeben. Etwas Wärme geht zwar trotzdem flöten, doch die bleibt zwischen Fenster und Verschattung quasi als warmes Luftpolster und als zusätzlicher Dämmeffekt bestehen.

In Sommer hingegen ist es genau umgekehrt. Wenn der Sensor starke Sonneneinstrahlung und damit hohe Außentemperaturen erkennt, weist er den Aktor an, die Verschattung anzufahren. Ein Sensor im Inneren kann dann noch ermitteln, wie weit die Verschattung gebraucht wird und diese etwa bei ausreichender Kühlung stoppen oder gar wieder zurückfahren.

Wärmegewinn regulieren

Wichtig ist die Verschattung auch für den Wärmegewinn in der kalten Jahreszeit. Denn entgegen landläufiger Meinung sind die sonnigen Tage im Winter gar nicht so selten – denn der ist die niederschlagsärmste Jahreszeit und damit – im Gegensatz zum durchschnittlichen deutschen Sommer – doch sehr wolkenfrei. So kann man die solare Power nutzen, um das Gebäude aufzuheizen. Und das kann die Sonne recht gut.

Dazu noch ein Exkurs in die Physik eines Fensters. Der U-Wert, also der Wert, der die Wärmeverluste nach außen beschreibt, beträgt bei normalen doppelglasigen Fenstern 1,3 W/m²K. Der G-Wert, der das misst, was dank der Sonne an Wärme in den Raum hineingelangt, liegt bei etwa 0,6 W/m²K. Moderne Fenster im Passivhausstandard mit Dreifachverglasung schaffen es, diese Werte anzugleichen.

Selbst bei niedrigem Einstrahlwinkel und einem nur zweifachverglastem Fenster kommen gut 600 Watt Wärmeleistung durch einen m2 Fensterfläche. Bei vier Stunden Sonnendauer wären das 2,4 kWh – vollkommen ausreichend, um den Raum aufzuwärmen. Ist er zudem gut gedämmt, bleibt die Wärme auch gut drinnen erhalten. Die Heizung kann auf ein Minimum zurückgefahren werden. Insbesondere dann, wenn die Verschattung in der Dunkelheit ihren wärmedämmenden Dienst vollkommen automatisiert tut.

Auch die Beleuchtung lässt sich – relativ einfach – in ein smartes Haus einbinden. Die Einsparpotenziale sind dabei jedoch nicht so hoch wie bei Heizungs- und Verschattungskomponenten. Darum wird es im nächsten Teil der Serie am 14.05.2018 gehen.

Bisher erschienen:
1 Smarte Haustechnik – eine Übersicht
2 Sicherheit
3 Smart Meter Rollout
4 Eigenversorgung mit Strom
5 Smart Metering bei Wärme und Wasser
6 Digitalisierte Heizung
7 Verschattungslösungen

Erscheinen demnächst:
8 Beleuchtung
9 Brandschutzsysteme
10 AAL
11 Smarte Hausgeräte
12 Einbindung externer Komponenten
13 Praxisbeispiele

 

 

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