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News vom 21.01.2019

Bauen ist politisch

Im Rahmen der Messe „BAU 2019“ fand am Mittwoch, den 16. Januar, ein öffentlicher Workshop, der vierte seiner Art, zum Netzwerk »Effizienzhaus Plus« statt. Dabei wurde in Form eines öffentlichen Werkstattdiskurses diskutiert, ob das Effizienzhaus Plus die Marktreife erreicht hat oder noch weitere Forschung benötigt wird. Die Veranstalter des Workshops waren das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat BMI, das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung BBSR und das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP. Die Initiative Effizienzhaus Plus beinhaltet ein Förderprogramm für Modellhäuser, die den sogenannten „Effizienzhaus Plus“ Standard erfüllen. Mit dem Programm werden Bauherren unterstützt, die Gebäude errichten, die deutlich mehr Erneuerbare Energie produzieren, als für deren Betrieb notwendig ist. Die Modellprojekte werden einzeln evaluiert und im Rahmen eines wissenschaftlichen Begleitprogramms vergleichend ausgewertet.

Am südöstlichen Ende des Baakenhafens in Hamburg soll das Holzhochhaus entstehen.<br />Bild: Störmer Murphy and Partners
Am südöstlichen Ende des Baakenhafens in Hamburg soll das Holzhochhaus entstehen.
Bild: Störmer Murphy and Partners

Eine interessante Aussage gab es gleich zu Beginn. Es wurde die These aufgestellt, dass, sollten wir künftig ausschließlich nach dem Standard Energieeffizienz Plus bauen, wir mehr für den Klimaschutz erreichen können, als wenn wir nicht bauen würden. Ein Redner drückte es so aus: Wenn wir nur noch klimagerecht bauen, verbrauchen wir keine Energie mehr. Dazu später mehr.

Hinter dem Begriff Effizienzhaus Plus verbirgt sich auch der geäußerte Anspruch, dass Deutschland die „World-Leadership baulicher Effizienztechnologien“ innehat. Damit nicht genug, Petra Alten vom Bundesinnenministerium war gar der Überzeugung, dass der Baustandard auch gleichbedeutend für wirtschaftlich-umweltfreundlich–sozial steht. Schließlich, so Alten, habe sich Energieeffizienz Plus als Standard etabliert und stelle einen Wandel zu klimagerechten und bezahlbaren Bauen dar. Mal abgesehen davon, dass dies eine durchaus gewagte Thesen ist, fiel die Schlussfolgerung, dass dieser Gebäudestandart den Klimawandel „vielleicht ein klein wenig zu verhindern könne“, dann eine Nummer kleiner aus.

Zurück zum Energiebedarf dieser „Zukunftshäuser“: Eine Studie des Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hat ein Gutachten über erschließbare Umweltpotenziale von Effizienhaus Plus Gebäuden erstellt. 
Darin findet sich auch eine Lebenszyklusanalyse von realisierten Wohngebäuden und deren Treibhauspotential (GWP=Global Warming Potential). Das Ergebnis: KfW-Effizienzhäuser 55/ 40 weisen GWP-Werte zwischen +1.600 bis -1.250 kg CO2-Äquivalent je Quadratmeter Wohnfläche für den Lebenszyklus auf. Effizienzhaus Plus Gebäude liegen zwischen rund +700 und -1.100 kg CO2-Äq/m², Passivhäuser meist bei kleiner 1.000 kg CO2-Äq./m². Am besten schnitten Sonnenhäuser bzw. Solaraktivhäuser ab, sie lagen alle in einer schmalen Bandbreite von rund 600 bis 1.090 kg CO2-Äq./m². Von einer möglichen CO2-Autarkie, wie sie Frank Junker von der ABG proagierte, ist man folglich noch ein ganzes Stück entfernt. 

Bedenkt man, dass es sich bei allen vorgestellten Gebäuden um Neubauten handelt und sich die Politik, wie es Norbert Fisch vom Steinbeis-Transferzentrum Energie-, Gebäude- und Solartechnik formulierte, nicht mit dem Gebäudebestand abgeben möchte, sind solche Veranstaltungen ein deutliches Stück von aktuellen Notwendigkeiten entrückt. Wie schon die Gesetzgebung, verheddern sich Ministerien auch hier in ihrer Selbstdarstellung und wirken realitätsfremd. Das passt auch zu dem bereits in der letzten Legislaturperiode geplanten GEG (GebäudeEnergieGesetz), welches nach wie vor zwischen drei Bundesministerien in der Abstimmung umherirrt. Dieses keine Wirkung für das Klima (Fisch) und sei vielmehr alter Wein in neuen Schläuchen (Junker). Denn der Bereich der Gebäudesanierung spielt darin, wie auch in der Veranstaltung, nahezu keine Rolle. Dabei ist das die eigentliche Herausforderung!

Autor: DGS, Matthias Hüttmann

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