Allen Freunden nachhaltigen Bauens eines vorab: Die Methode ist immer aufwändiger als konventionelles Bauen. Das liegt vor allem an dem Know-how, das noch gesammelt werden muss, aber auch an den Baumaterialien, die mitunter einer besonderen Sorgfalt bedürfen. Und das beginnt schon bei der Planung.
Passivhäuser, wie hier in Darmstadt, kommen schon heute den nachhaltigen Prinzipien bei Bauplanung und -Umsetzung, etwa mit verschatteten Fenstern für die Kühlung, sehr nahe.
Bild: Passivhaus Institut
Der Planer verfolgt mit dem nachhaltigen Bauen drei Ziele:
Die Baumaterialien müssen nachhaltig sein (wann sie das sind, haben wir hier gezeigt). Dazu gehört aber auch, dass die verwendeten Materialien etwa energiesparend oder mit Hilfe erneuerbarer Energien erzeugt wurden.
Das zu planende Bauwerk muss in seinem Betrieb ebenfalls nachhaltig sein, also so wenig wie möglich Ressourcen verbrauchen, als da wären: Strom Wärme, Kühlung und Wasser.
Das alles soll in eine Langlebigkeit des Bauwerkes münden. Es soll also im Minimum 50 Jahre stehen (etwa für gewerbliche Bauten, aber das nur beispielsweise) oder 100 (für Wohngebäude, auch das nur exemplarisch). Nach diesem Leben muss das Haus komplett rückbaubar und wiederverwendbar sein.
Energieeffizienz nötig für Nachhaltigkeit
Aus diesen planerischen Vorgaben ergeben sich einige Grundsätze. Die sofort ins Auge fallen sind jene zur Energieversorgung. Ein Gebäude kann nur dann nachhaltig sein, wenn es auf fossile Energien verzichtet.
Im Neubau ist das heute für die Wärmeversorgung schon kein Problem. Entweder nutzt man gleich den Passivhausstandard, bei dem weniger als 15 kWh je Jahr und umbauter Fläche verbraucht werden dürfen (dieser kleine Rest lässt sich mittels Wärmerückgewinnungssystemen oder Biomasse oder Mini-Wärmepumpen decken). Oder man nimmt den im neuen Gebäudeenergiegesetz für private Bauten vorgeschriebenen Effizienzhaus-70-Standard (EE 70, der dem alten KfW 70 entspricht) und heizt mit Wärmepumpe (schon die Nummer 1 im Wärmemarkt bei Neubauten im Wohnbereich) oder irgendeiner Form von Biomasse.
Bei der Stromversorgung ist es etwas komplizierter. Zwar könnte man mit einer PV-Anlage (oder einem Mini-Windrad) etwas Eigenstrom erzeugen, aber für den kompletten Bedarf reicht das nicht. Hier hilft nur der Netzanschuss. Und der liefert den Strommix, der nun mal vor Ort anliegt (beim Schreiber dieser Zeilen ist das ein Braunkohlegroßkraftwerk, und das zu 90 Prozent). Abhelfen könnte man mit einem Ökostromtarif.
Selbstredend sollten dann im Gebäude Elektrogeräte der höchsten Effizienzklasse (derzeit A+++) sowie LED für die Beleuchtung zum Einsatz kommen.
Kühlung in Planung mitdenken
Auch die immer wichtigere Kühlung gehört planerisch mitgedacht. Zum einen hilft sommerlicher Hitzeschutz, etwa durch Verschattungen (die Dämmung nach Effizienzhaus 70 hilft dabei auch). Oder man nutzt Technologien, die die Kühlung mitliefern, etwa reversible Erd-Wärmepumpen, die im Sommer die Kühlung fast zum Nulltarif liefern, oder für größere Objekte auch Eisspeicher.
Auch das Wasser sollte sparsam genutzt werden. Hier helfen von vornherein mitgedachte und geplante Spar-Armaturen. Was für Wasser und Energie gilt, muss auch für das Bauland gelten. Die überbaute Fläche sollte so gering wie möglich ausfallen, vorhandene Naturräume sollten erhalten, geschont und für die gesamte Lebenszeit des Bauwerkes geschützt werden. Das allein schon verbietet das Zubetonieren von Anfahrt- und Standflächen oder die allseits zu beobachtenden schrecklichen Schottergärten.
Im nächsten Teil der Serie am 06.08.2021 geht es um die Baustoffe, die man für eine nachhaltige Bauweise verwenden kann.
Bisher erschienen im Rahmen der Themenserie folgende Beiträge:
1. Was ist nachhaltiges Bauen?
2. Wie plant man ein nachhaltiges Bauwerk?
Erscheinen demnächst:
3. Welche Baustoffe kommen für nachhaltiges Bauen in Frage?
4. Welche Baumethoden eignen sich für nachhaltiges Bauen?
5. Welche Zertifikate gibt es für nachhaltiges Bauen und was muss man dafür erfüllen?
6. Wie können sich Planer und Handwerker für nachhaltiges Bauen qualifizieren?
7. Kostet nachhaltiges Bauen mehr als konventionelles Bauen?
8. Welche Vorteile bietet nachhaltiges Bauen für die Nutzer einer Immobilie?
9. Praxisbeispiele für nachhaltiges Bauen: Wohngebäude
10. Praxisbeispiel für nachhaltiges Bauen: Nichtwohngebäude
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Ein Beitrag der Redaktion vom HaustechnikDialog.