Nicht nur Baumaterialien und deren Herkunft sorgen für ein nachhaltiges Bauwerk, sondern auch die Methoden, die am Bau zur Anwendung kommen.
So sollte schon die Planung darauf abzielen, ein Gebäude zu bauen, das mehrere Nutzungsarten zulässt. Das bedeutet, dass man etwa Wände und damit Grundrisse von einzelnen Räumen leicht verändern kann. Und das wiederum kann Trockenbau sehr gut gewährleisten.
Diese Umnutzungsmöglichkeit ist eine Grundlage für nachhaltiges Bauen. Denn es ist nun mal leichter, ein Gebäude weiterhin zu nutzen, wenn man es im Inneren (und, bei Bedarf, auch im Äußeren) verändern kann – und das ohne großen technologischen oder energetischen Aufwand. Wohngebäude werden zwar immer Wohngebäude bleiben – von wenigen Ausnahmen abgesehen, wo einzelne Wohnungen in attraktiven Vierteln zu Büros für Rechtsanwälte, Steuerberater, Notare und Co. umgewidmet werden, was jedoch nicht ihren grundsätzlichen Charakter verändert. Bei Gewerbebauten ist die Umwidmung zu einem anderen Nutzen hingegen Normalität. Corona hat noch einmal vor Augen geführt, wie schnell viele klassisch eingerichtete Büroräume nicht mehr gebraucht werden, weil Heimarbeit unumgänglich war und wohl auch in Teilen der Arbeitswelt prägend bleiben wird.
Umwidmung des Nutzens sollte einfach sein
Und so gibt es viele Beispiele, wo überflüssige oder stillgelegte Gewerbe- oder Industriebauten sogar zu Wohngebäuden umgewidmet wurden. Die Lofts in der Industriebacksteinarchitektur der Gründerjahre, wie in Berlin, Hamburg oder Leipzig, sind ein Zeugnis dafür. Auch diese Methode ist, wenn man es genau nimmt, sehr nachhaltig, da die Außenhülle und die tragende Konstruktion solcher Bauwerke komplett erhalten bleibt (und somit jede Menge Stahlbeton eines vergleichbaren Bauwerks einspart). Im Inneren können auf großen Flächen mitunter mehretagige Wohnungen eingerichtet werden.
Neben der Möglichkeit einer Umnutzung haben auch Form und Lage einen entscheidenden Einfluss auf den energieeffizienten Betrieb eines Gebäudes. Zwar sind die energetisch sinnvollsten Formen (Halbkugel wie Iglu oder exakter Würfel weisen das beste Verhältnis von geringer Außenfläche und größtmöglichem Volumen im Inneren auf) im modernen Bauen eher selten 1:1 anzuwenden. Aber man kann sich diesen Formen annähern. Gleichzeitig sollte das Gebäude so gebaut werden, dass es optimal natürliche Energien, und das ist vor allem die Sonnenkraft, einfangen kann, etwa durch großzügige Glasflächen nach Süden und eben sehr kleine oder gar keine Glasflächen nach Norden.
Ausrichtung und Lage prägen Nachhaltigkeit
Gleichzeitig sollten Materialien gewählt werden, die die eingefangene oder die im Gebäude erzeugte Wärme optimal speichern und abgeben können. In den letzten Jahren ist die Methode der Betonkernaktivierung aufgekommen. Das bedeutet letztlich nichts anderes, als das in tragenden Decken (manchmal auch in Wänden) Rohrleitungen verlegt werden, die Wärme leiten und abgeben. Solche Systeme können im Sommer bei einer reversiblen Auslegung auch kühlen. Darüber hinaus gibt es aber auch die Methode, einen Kühl- und einen Heizkreislauf ins Gebäude zu verlegen. Der Vorteil: Beton ist ein guter Speicher für Wärme (oder eben für Kälte) und kann diese langfristig aufbewahren und abgeben.
Letztlich geht es bei den Methoden des nachhaltigen Bauens auch ums Geld. Etabliert hat sich dazu eine Lebenszykluskostenanalyse (Life cycle cost analysis, LCCA). Sie umfasst die Kosten für die Herstellung des Gebäudes inklusive Grundstück und Planung, Betriebskosten sowie gebäude- und bauteilspezifische Kosten, etwa für Wartung oder Reinigung. Dadurch lassen sich die Kosten eines jeden Gebäudes, nicht nur eines nachhaltig errichteten, bewerten. Grundlagen sind die DIN 276 und die DIN 18960. Würde man alle Kosten für Recycling oder Wiederverwertbarkeit mit einbeziehen, sollten nachhaltig errichtete Gebäude trotz der höheren Material- und Installationskosten immer günstiger sein als konventionelle Bauwerke.
Im nächsten Teil am 12.08.2021 der Serie geht es um nachhaltige Methoden, mit der die hier vorgestellten Baustoffe zu einem Bauwerk gemacht werden.
Bisher erschienen im Rahmen der Themenserie folgende Beiträge:
1. Was ist nachhaltiges Bauen?
2. Wie plant man ein nachhaltiges Bauwerk
3. Welche Baustoffe kommen für nachhaltiges Bauen in Frage?
4. Welche Baumethoden eignen sich für nachhaltiges Bauen?
Erscheinen demnächst:
5. Welche Zertifikate gibt es für nachhaltiges Bauen und was muss man dafür erfüllen?
6. Wie können sich Planer und Handwerker für nachhaltiges Bauen qualifizieren?
7. Kostet nachhaltiges Bauen mehr als konventionelles Bauen?
8. Welche Vorteile bietet nachhaltiges Bauen für die Nutzer einer Immobilie?
9. Praxisbeispiele für nachhaltiges Bauen: Wohngebäude
10. Praxisbeispiel für nachhaltiges Bauen: Nichtwohngebäude
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Ein Beitrag der Redaktion vom HaustechnikDialog.