Wenn man so will, dann sind die Schwerpunkte des neuen Bundesbauministeriums die gleichen, die bisher galten, die aber mehr schlecht als recht durchs Verkehrs- und Wirtschaftsministerium abgedeckt wurden: mehr erneuerbare Energien und höhere Effizienz. Beides ist nur durch eine Verschärfung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) möglich.
Bald Pflicht auf allen neuen und zu sanierenden Dächern: PV-Anlagen, die auch der Eigenversorgung dienen sollen.
Bild: solmotion project
Das trat zwar erst Ende 2020 in Kraft, berücksichtigte aber noch nicht das Fit-for-55-Paket der EU. Bis 2030 sollen im Vergleich zu 1990 also nur noch 55 % der Emissionen im Gebäudesektor ausgestoßen werden. Das ist mit dem im GEG festgezurrten EE-70-Standard (bisher KfW 70) für private und dem EE-55-Standard (bisher KfW 55) für öffentliche Bauten nicht möglich. Ab 2025 soll dann der Standard Effizienzhaus 40 EE (bisher KfW 40) verbindlich werden für alle Neubauten. Ab 2024 dürfen bereits nur noch neue Heizungen verbaut werden, die 65 % erneuerbare Energien nutzen – im Minimum!
Klar, dass dies das Bauen und Wohnen weiter verteuert. Wie eine entsprechende Förderung aussehen könnten, wird der nächste Teil der Serie zeigen.
Gebäude sollen selbst Energie erzeugen
Doch nicht nur die Baukosten steigen dadurch. Auch bei den Energiekosten ist keine Entspannung abzusehen. Gas und Öl sind im Augenblick sehr teuer, beide werden kaum auf den Stand von 2020 zurückfallen. Das wiederum rückt eine Kombinations-Aufgabe aus den beiden eingangs geschilderten Schwerpunkten für das neue Bauministerium in den Mittelpunkt: Wie können Gebäude so viel wie möglich eigene, erneuerbare Energie erzeugen und diese auch kostensenkend, am besten zu großen Teilen, selbst verbrauchen?
Beim Strom scheint hier die Richtung klarer zu sein als bei der Wärme. Mieterstrom gibt es zwar schon, schreckt aber selbst nach Meinung der neuen Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) viele ab, da sich Vermieter als Energieversorger anmelden müssten. Private Kleinvermieter hingegen scheuten den bürokratischen Aufwand, so die Ministerin gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Immerhin wird hier die bundesweite PV-Pflicht kommen, also Solaranlagen auf allen neu zu bauenden oder zu sanierenden Dächern. Aktuell steht dem allerdings ein Mangel an Modulen und vor allem das vollkommen ausgelastete Handwerk entgegen.
Netzbetreiber sind gefragt
Gelöst werden kann das Problem der Eigenversorgung der Gebäude mit Energie nur in Zusammenarbeit mit dem Bundeswirtschafsministerium, bei dem die Oberhoheit über die Energieversorger und Netzbetreiber liegt. Geywitz schwebt hier ein Klimapakt vor, der die Hürden abbaut und Mieterstrommodelle, also vorrangig mit auf dem eigenen Dach erzeugter Photovoltaik, attraktiver macht. Eine Grundlage dafür: Für eine Bewertung von Gebäuden soll nicht mehr nur der CO2-Ausstoß gelten, sondern auch der Energieverbrauch. Diesem Modell liegen auch die verschiedenen KfW-Standards zugrunde. Selbst verbrauchter Strom könnte dann helfen, die gesetzlichen Anforderungen besser zu erfüllen. Und damit wäre er wieder attraktiv für Bauherren.
Bei der Wärmeversorgung wäre ein ähnliches Modell kaum vorstellbar. Bezogen auf die Energiemenge verbraucht ein Gebäude im Schnitt etwa viermal so viel Wärme wie elektrische Energie. So viel kann ein Gebäude ohne fremde Brennstoffe kaum selbst erzeugen. Doch auch hier könnte ein Weg über den eigenerzeugten Strom führen. Ein aktuelles Gutachten der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) kommt zu dem Schluss, dass auch im Wohnungsbau die Zukunft der Wärmepumpe gehören wird. Fernwärme, die man theoretisch grün gestalten könnte, leide unter zu hohen Verlusten, die neue Energiewelt im Gebäude müssen aber effizient sein. Deswegen empfehlen die Wissenschaftler, eigenerzeugten Strom für den Betrieb von Wärmepumpen zu nutzen. Allenfalls wird noch kalten oder Niedertemperatur-Wärmenetzen eine gewisse Rolle in der Quartiersversorgung zugestanden.
Im nächsten Teil am 21.02. der Serie geht es um die Änderungen der Förderbedingungen, die sich aus diesen neuen Schwerpunkten ergeben.
Bisher erschienen im Rahmen der Themenserie folgende Beiträge:
1. Warum gibt es eine neues Bauministerium und welche Probleme muss es angehen?
2. Was wird das neue Bauministerium sofort in die Hände nehmen?
3. Welche Schwerpunkte wird das Bauministerium bei der Gebäudeenergie
Erscheinen demnächst:
4. Ändert das neue Bauministerium die Förderung hin zu mehr Nachhaltigkeit?
5. Welchen Fokus bekommt nachhaltiges Bauen und wie wird sich das preislich auswirken?
6. Wie soll der Wohnungsbau vorangetrieben werden?
7. Wie wird der Zielkonflikt zwischen hohen Baukosten und sozialem Wohnungsbau gelöst?
8. Welche Änderungen sind für Nichtwohngebäude zu erwarten?
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Ein Beitrag der Redaktion vom HaustechnikDialog.