Trotz der Sanktionen gegen Russland aufgrund des Kriegs gegen die Ukraine bleibt Deutschland auf Lieferungen von Öl und Gas des Landes angewiesen. Die große Abhängigkeit der Energieversorgung schürt Befürchtungen, dass bestehende Lieferverträge nicht eingehalten und als Waffe gegen die militärische Unterstützung der Ukraine eingesetzt werden. Welche Maßnahmen bei einem Lieferstopp von Gas drohen und welche Situation sich für den kommenden Winter zeigt, schauen wir uns näher an.
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Sanktionen gegen Russland schränken die Gasversorgung ein
Durch die Sanktionen gegen Russland, die der Krieg gegen die Ukraine ausgelöst hat, wird die Gasversorgung in Deutschland zunehmend eingeschränkt. Die Energielieferungen aus Russland sind im Vergleich zur Vergangenheit deutlich gesunken. Nicht nur müssen Verbraucher höhere Preise bezahlen, sondern auch der Füllstand der Erdgasspeicher für den nächsten Winter ist bedroht. Der Füllstand lag Ende Juni bei etwa 60 Prozent und soll nach Planungen der Bundesregierung bis zum Winter 90 Prozent erreichen.
Der Füllstand von 90 Prozent würde jedoch nicht für den gesamten Winter, sondern nur für etwa 3 Monate genügen. Bleiben Gaslieferungen von Russland als Folge der militärischen Unterstützung für die Ukraine über den Winter aus, käme es auch bei vollen Gasspeichern zu Engpässen für die Versorgung von Industrie und Haushalten. Deshalb bereiten sich Politik und Wirtschaft bereits jetzt auf den Ernstfall vor.
Kommt es zu gesetzlichen Einschränkungen für Industrie oder Haushalte?
Ein dauerhafter Lieferstopp von Russland, dessen Lieferungen fast 40 Prozent der Gasimporte ausmachen, würde sowohl Industrie als auch private Haushalte stark treffen. Unternehmensbranchen mit hohem Energieverbrauch wie Chemie oder Metall hadern bereits mit erhöhten Preisen. Reserven gibt es in der Industrie kaum, sodass ein Lieferstopp von Gas aus Russland schnell die Produktion in den Firmen einschränken würde. Ein von staatlicher Seite angeordneter Produktionsstopp für die Wirtschaft erscheint zwar unwahrscheinlich, doch ausbleibendes Gas würde viele Branchen hart treffen.
Neben der Industrie bleiben voraussichtlich auch Privatpersonen nicht verschont, sodass von Bundeswirtschaftsminister Habeck die Haushalte gewarnt wurden, dass womöglich „Reduktionen gesetzlich verordnet werden müssen“. Angesichts der Auswirkungen für Verbraucher wäre dies aber eine der letzten Optionen und Maßnahmen wie niedrigere Mindesttemperaturen für Wohnungen hat Bauministerin Klara Geywitz bereits gegenüber der Deutschen Presse-Agentur für „unsinnig“ erklärt. Sind die Speicher für Gas jedoch leer, könnten staatlich angeordnete Maßnahmen alternativlos sein.
Welche Maßnahmen sollen gegen Gasengpässe helfen?
Gasverbrauch im Haushalt reduzieren
Das Einsparen von Gas lohnt sich durch hohe Preise bereits jetzt für Privathaushalte. Dazu eignen sich zum Beispiel Thermostatventile, um die Temperaturen in der Wohnung automatisch anzupassen. Wenn Sie nicht zu Hause sind, wird seltener geheizt und weniger Gas verbraucht. Wenn Sie an die geringeren Temperaturen nicht gewöhnt sind, empfiehlt die Gesundheitszentrale gegen kalte Füße warme Kleidung oder ein Fußbad. Dadurch vermeiden Sie Erkältungen durch zu wenig Wärme in der Wohnung.
Versorgung durch Tanker mit Flüssiggas
Für eine höhere Unabhängigkeit von Deutschland gegenüber Russland sollen vor allem LNG-Terminals mit Flüssiggas sorgen. Im Aufbau sind zwei Anlagen in Schleswig-Holstein und Niedersachsen, die einem möglichen Gas-Lieferstopp sowie einer Kostenexplosion vorbeugen sollen. Die Versorgung mit Flüssiggas wird durch Tanker aus den USA, Asien oder dem Nahen Osten übernommen.
Stromerzeugung aus Gas reduzieren
Erdgas wird nicht nur für die Produktion der Industrie oder für die Heizung in Privathaushalten verwendet, sondern kommt auch für die Stromerzeugung zum Einsatz. Dabei wurden sogar jüngst neue Produktionsrekorde trotz Angebotsknappheit und hoher Preise aufgestellt. Bei langfristigen Engpässen ist jedoch ein Verbot der Gasverstromung zu erwarten, sodass andere Energieträger wie Kohle oder Erneuerbare Energien einspringen müssen.
Gefahren im Winter durch Engpässe bei der Gasversorgung oder Lieferstopp
Obwohl die aktuelle Lage noch keine gravierenden Einschränkungen von Industrie oder Privathaushalten erfordert, könnte sich die Situation im Winter zusätzlich zur Inflation deutlich verschlechtern. Bisher ist unklar, ob die Speicher den Ziel-Füllstand von 90 Prozent erreichen und Alternativen zum russischen Gas wie Flüssiggas-Terminals kämpfen mit Verzögerungen. Bei einem Lieferstopp von Russland würde zuerst die Stromerzeugung aus Gas gestoppt werden, doch Privathaushalte sollten bereits jetzt mögliche Energieeinsparungen umsetzen.