Die Strompreise sind bei Verbraucher:innen aktuell ein großes Thema. Wer bei Google Trends recherchiert, stellt fest, dass in keinem anderen europäischen Land so oft das Wort „Strompreis“ gegoogelt wird, wie hierzulande. Vor dem Hintergrund aktueller Preisentwicklungen ein nachvollziehbares Interesse.
Börsenstrompreise App Rabot Charge
Dipl Physiker Jan Rabe
Bilder: public performance / rabot.charge / Julia Schwendner
- Trotz Strompreisbremse müssen Verbraucher:innen mit deutlich steigenden Stromkosten rechnen
- Hinschauen lohnt sich: Starke Preisunterschiede der Grundversorger im deutschlandweiten Vergleich
- Betreiber von Elektrofahrzeugen und Wärmepumpen von erheblichen Mehrkosten betroffen
Wer Post von seinem Stromversorger bekommt, sollte genau hinsehen, denn die Preiserhöhungen fallen deutschlandweit sehr unterschiedlich aus und die angekündigte Strompreisbremse wird die Kostensteigerungen nur teilweise abfedern. Trotz der Strompreisbremse werden Verbraucher:innen teils empfindliche Mehrkosten hinnehmen müssen. Dipl. Physiker und Stromexperte Jan Rabe erklärt, weshalb das so ist und worauf man achten sollte. Er sagt: „Die Strompreisbremse ist kein Regenschrim. Nass werden wir trotzdem.“
Große Preisunterschiede bei Grundversorgern – Beispiel München, Frankfurt, Flensburg
Laut Statistischem Bundesamt kostete eine Kilowattstunde im ersten Halbjahr 2022 im Schnitt 34,50 Cent. Nun kündigten viele Grundversorger in den letzten Wochen Preissteigerungen an. Eine von Rabot Charge durchgeführte Analyse ergab, dass diese Preiserhöhungen sehr unterschiedlich ausfallen und deutschlandweit erhebliche Preisunterschiede herrschen: So reicht die Preisspanne von teilweise 43,33 Cent pro Kilowattstunde in Flensburg über 50,46 Cent in Frankfurt bis 61,89 Cent pro Kilowattstunde in München (Stand 16.11.2022). Auch wenn Preiserhöhungen vor dem Hintergrund der aktuellen Energiekrise unvermeidbar sind, sollten Verbraucher:innen genau hinschauen, wenn sie Post von ihrem Versorger bekommen, denn ggf. können sie ihren Strom woanders günstiger beziehen.
Haushalte mit Wärmepumpen und Elektroautos besonders betroffen
Besonders stark betroffen von Preiserhöhungen sind Betreiber von Elektrofahrzeugen oder Wärmepumpen. Ein Elektroauto (EV) verbraucht im Jahr 2.250 kWh Strom, legt man den deutschen Durchschnitt von 15.000 gefahrenen Kilometern zugrunde. Das entspricht fast dem Stromverbrauch eines Ein-Personen-Haushaltes. Eine Wärmepumpe verbraucht sogar noch mehr Storm. Sie schlägt bei einem Haus mit 160 qm Wohnfläche mit einem mittleren Stromverbrauch von 4320 bis 6720 Kilowattstunden zu buche. Auf diese Haushalte kommen im Jahr schnell einige hundert Euro Mehrkosten zu.
Strompreisbremse kein Allheilmittel
Durch die geplante Strompreisbremse, welche zum 1.01.2023 greifen soll, werden Verbraucher zwar entlastet, aber eben nur teilweise. Dies aus zwei Gründen:
Erstens soll die Strompreisbremse die Preise bei 40 Cent pro Kilowatt deckeln. D.h. dass die Strompreise auf jeden Fall im Vergleich zum Vorjahresdurchschnittspreis um 5,5 Cent steigen.
Zweitens wird die Strompreisbremse nur 80 Prozent des Vorjahresstromverbrauches deckeln, um einen Anreiz zum Stromsparen zu setzen. Das ist sinnvoll, dennoch wird es einige Härten geben. So können Haushalte, die bereits sehr sparsam waren, ihren Stromverbrauch vermutlich nicht um weitere 20 Prozent senken. Hier werden die neuen hohen Strompreise der Versorger bei einem Teil des Stromverbrauches durchschlagen. Auch wer sich zum Ende des Jahres ein Elektroauto oder eine Wärmepumpe zugelegt hat, könnte sein blaues Wunder erleben. Denn die Strompreisbremse wird nur für 80 Prozent des im September 2022 prognostizierten Jahresverbrauchs greifen.
Anbieterwechsel kann sich trotz Strompreisbremse lohnen
„Die Strompreisbremse ist ein guter Ansatz der Bundesregierung. Verbraucher:innen muss aber klar sein, dass sie kein Schutz vor höheren Stromkosten ist, sondern lediglich Preissteigerungen abfedert. Daher lohnt es sich, die Preiserhöhungen der Versorger genau anzusehen. Vor allem Betreiber von Wärmepumpen und Elektrofahrzeugen sollten dies tun, denn sie haben einen besonders hohen Strombedarf“, sagt der Diplom-Physiker Jan Rabe. Der Stromexperte ist seit über zehn Jahren im Stromgewerbe als Preisanalyst tätig.
Fixpreise versus Börsenpreise
Rabe ist der Ansicht, dass das bisherige Modell der Fixpreise nicht mehr zeitgemäß ist und einen Großteil der Verbraucher benachteiligt. Er präferiert ein Preismodell, das auf Börsenpreisen basiert: „Im Intradaymarkt sehen wir an der Strombörse starke Preisschwankungen, so dass die Preise im Tagesverlauf regelmäßig unter die Fixpreise der Anbieter fallen. Teilweise sind sie sogar negativ. Beispielsweise wenn viel Wind ist und das Stromangebot die Nachfrage übersteigt.“
Rabe hat ein Stromversorgungsmodell entwickelt, das es Verbraucher:innen ermöglicht, Strom zum tagesaktuellen Börsenhandelspreis zu beziehen. Ohne Aufschläge und Gewinnmargen. Auf diese Weise können Haushalte die Stromkosten senken. Besonders hoch sind mögliche Einsparungen bei Haushalten mit Elektrofahrzeugen, Wärmepumpen oder Solaranlagen. Denn sie können flexibel einen Großteil ihres Stromverbrauchs in Niedrigpreisphasen verlegen.