Das Gebäudeenergiegesetz steht erneut in der Kritik: Überladen, widersprüchlich und längst von der Realität überholt. Während die Politik nach Lösungen sucht, handeln Eigentümer längst pragmatisch – sie modernisieren dort, wo es sinnvoll ist, und ignorieren Vorgaben, die nicht mehr zur Praxis passen. Warum das GEG an seine Grenzen stößt und ein kompletter Neustart unausweichlich wird.
Bild: HTD Ein Gesetz, das trotz Überarbeitung nicht mehr zur Realität passt
Das Gebäudeenergiegesetz umfasst inzwischen über 100 Seiten, 115 Paragrafen und zahlreiche technische Anhänge. Aus einer einst einfachen Wärmeschutzverordnung ist ein komplexes Werk geworden, das selbst Fachleute kaum noch vollständig durchdringen. Gleichzeitig ist die GEG-Novelle 2025 politisch ins Stocken geraten.
Obwohl das Gesetz im jüngsten Koalitionsausschuss Thema war, fand es im Beschlusspapier keine Erwähnung mehr. Dieses Schweigen zeigt: Die Bundesregierung weiß aktuell selbst nicht, wie sie mit dem Heizungsgesetz weiter verfahren soll.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) räumt ein, dass es „noch etwas Zeit“ brauche, um einen verlässlichen Förderrahmen zu schaffen – insbesondere, weil Millionen Haushalte betroffen sind und die Wärmewende niemanden überfordern dürfe.
Die Praxis hat das Heizungsgesetz längst überholt
Während die Politik debattiert, handeln Bürger und Wohnungsunternehmen längst selbstbestimmt – und häufig effektiver als der Gesetzgeber es vorsieht. Viele Eigentümer orientieren sich nicht mehr an der GEG-Novelle, sondern an wirtschaftlichen und technischen Realitäten:
- Wärmepumpen werden eingebaut, wenn Gebäude und Budget es zulassen.
- Gasheizungen kommen dort zum Einsatz, wo es aus strukturellen oder finanziellen Gründen sinnvoller ist.
- Dämmmaßnahmen erfolgen punktuell – nicht nach starren Effizienzvorgaben.
Unternehmen bestätigen das, auch große Wohnungsgenossenschaften: Viele größere Wohnungsunternehmen und Genossenschaften berichten, dass ihre Bestände in den vergangenen Jahrzehnten bereits umfassend modernisiert wurden. In diesen Segmenten ist der Effizienzhausstandard 100 vielfach erreicht – zusätzliche Dämmmaßnahmen wären wirtschaftlich kaum noch vertretbar.
Die Folge: Die Sanierungsquote sinkt 2025 voraussichtlich auf unter 0,7 Prozent – auch weil viele Bestände in Teilen des Wohnungsmarktes bereits modernisiert wurden.
Widersprüche im GEG untergraben Vertrauen
Ein Kernproblem des Heizungsgesetzes bleibt seine innere Widersprüchlichkeit. Beispiele aus der Praxis zeigen dies deutlich:
- Ein Fernwärmeanschluss erfüllt die 65-Prozent-Regel, selbst wenn die Wärme aus einem gasbetriebenen Kraftwerk stammt.
- Eigentümer sollen elektrifizieren, während Energieversorger parallel weiter Erdgas verstromen dürfen.
- Der Fokus auf Einzelgebäude ignoriert vielerorts die kommunale Wärmeplanung, die erst 2026 bzw. 2028 abgeschlossen sein wird.
Solche Inkonsistenzen sorgen dafür, dass das Gebäudeenergiegesetz vielerorts nicht mehr ernst genommen wird – weder im Handwerk, noch bei Eigentümern oder kommunalen Unternehmen.
500 Milliarden Euro investiert – doch der Nutzen stagniert
Trotz großer Investitionen ist der tatsächliche Energieverbrauch in vielen Beständen kaum gesunken. Seit 2010 wurden mehr als 500 Milliarden Euro in Gebäudesanierungen investiert. Der Grenznutzen ist vielerorts erreicht:
- In bereits modernisierten Gebäuden ist der Grenznutzen zusätzlicher Dämmung oft gering.
- Heizungsmodernisierung scheitert häufig an Gebäudestruktur oder Kosten.
- Der Energiebedarf sinkt nur minimal – trotz enormer Aufwendungen.
Gerade im SHK-Bereich zeigt sich: Die Wärmewende hängt an der Erzeugung grüner Wärme, nicht an immer komplexeren Effizienzregeln.
Warum ein Neustart des Gebäudeenergiegesetzes nötig ist
Die meisten Energie- und Bauexperten sind sich einig: Das GEG lässt sich nicht mehr reparieren. Statt weiterer Flickarbeiten braucht es ein neues, leicht verständliches Gesetz – abgestimmt auf die EU-Gebäuderichtlinie, die bis Mai 2026 umgesetzt werden muss.
Ein modernes GEG sollte auf drei klaren Grundpfeilern stehen:
1. Ein CO₂-orientierter Ansatz statt kleinteilige Technologievorgaben
Quartiere, Netze und Gebäudestrukturen müssen übergreifend betrachtet werden.
2. Technologieoffenheit mit klar begrenzten Förderzeiten
Alles fördern, was nicht fossil ist – einfach, transparent und unbürokratisch.
3. Sicherer, bezahlbarer grüner Strom als Basis der Wärmewende
Ohne erneuerbaren Strom bleibt jede Wärmepumpe Zukunftsmusik.
Fazit: Die Wärmewende ist längst da – das Gesetz muss nur nachziehen
Die Bürger haben ihre Entscheidungen längst getroffen: Sie setzen auf Wärmepumpen, wo es passt, auf Gasheizungen, wo es notwendig ist, und auf Dämmung dort, wo sie sinnvoll ist. Das Heizungsgesetz jedoch steht dem oft im Weg, statt Orientierung zu geben.
Ein Neustart ist deshalb nicht nur sinnvoll – er ist zwingend nötig, damit Deutschland eine realistische, bezahlbare und technologisch offene Wärmewende umsetzen kann.