Die Fachplaner trennen meist Heizung und Klimatisierung. Dabei bedingen sie sich gegenseitig! Wer ein Gebäude über das ganze Jahr hinweg komfortabel temperieren möchte, benötigt ein Konzept, das beides berücksichtigt. Genauso gilt dies für Neubauten wie für Sanierungen. Die SHK-Fachbetriebe kommen nicht umhin, Systeme zu empfehlen, die nicht nur technisch funktionieren, sondern dann auch unter realen Nutzungsbedingungen Effizienz zeigen.
Heizlast und Kühllast: Zwei Seiten der gleichen Rechnung
Jede Planung beginnt mit der Lastberechnung. Hierfür gibt es für die Heizseite die DIN EN 12831, die vorschreibt, wie Transmissions- und Lüftungswärmeverluste zu ermitteln sind. Für die Kühlung heranzuziehen ist die VDI 2078, die Kühllasten nach Sonneneinstrahlung, inneren Lasten und Bauteilmassen berechnet. Beide Lastberechnungen bilden die Basis einer passgenauen Anlagenauslegung.
Ein häufiges Fehlerbild in der Praxis: Die Geräte werden überdimensioniert. Überdimensionierte Klimaanlagen takten oft, kühlen zu rasant ab und entziehen der Luft wenig oder kaum Feuchtigkeit. Das führt zu einem unangenehmen Wohnklima, obwohl die Anlage durchläuft. Eine normgerechte Auslegung nach DIN EN 12831 und VDI 2078 verhindert das.
Nachtbetrieb: Energieverbrauch und Schall
Für den Nachtbetrieb im Schlafzimmer gelten spezielle Regeln. Im Schlafbereich sind Temperaturen von 16 bis 18 °C schlafphysiologisch optimal. Wer sich fragt, ob er die Klimaanlage nachts laufen lassen sollte, hat zwei Kriterien gegeneinander abzuwägen: den Energieverbrauch und den Schall.
Moderne Inverter-Geräte können die Kompressorleistung stufenlos einstellen und arbeiten im Teillastbetrieb wesentlich leiser als die alten On-Off-Geräte. Geräuschwerte unter 20 dB(A) im Nachtmodus sind bei guten Geräten inzwischen erreichbar. Zum Vergleich: Ein normales Gespräch liegt bei rund 60 dB(A), Blätterrauschen bei etwa 20 bis 25 dB(A). Energietechnisch begünstigt der Nachtbetrieb zudem meist niedrigere Außentemperaturen, was den COP der Anlage merklich steigert.
Luftqualität als messbarer Parameter
Thermischer Komfort ist nur ein Teil des Raumklimas. Auch die Luftqualität ist entscheidend, deren Güte sich zum Beispiel am CO2-Gehalt ablesen lässt. Als Faustregel gilt: Unter einem CO2-Gehalt von 1.000 ppm ist die Innenraumluft gut, ab 1.400 ppm lässt die Konzentrationsfähigkeit nach. Die DIN EN 13779 legt Lüftungsklassen für unterschiedliche Gebäudetypen fest.
Moderne Klimageräte mit Lüftungsfunktion oder Systeme mit kontrollierter Wohnraumlüftung (KWL) können beide Ansprüche erfüllen. Dabei gelten für Wohnräume andere Maßgaben als für Büros oder gewerbliche Bereiche. Welche Lösung für welchen Einsatzbereich am besten geeignet ist, hängt von den Nutzungsanforderungen, der Gebäudehülle und vor allem dem Nutzerverhalten ab.
Wärmepumpe und Klimaanlage: dieselbe Technik, andere Richtung
Ein Aspekt, der in der SHK-Praxis häufig zu wenig Beachtung findet: Wärmepumpen und Klimaanlagen arbeiten nach demselben Kältekreisprinzip. Reversible Geräte, also Luft-Luft-Wärmepumpen, heizen im Winter und kühlen im Sommer. Die jeweilige saisonale Effizienz wird durch den SCOP (Seasonal Coefficient of Performance) für Heizbetrieb und den SEER (Seasonal Energy Efficiency Ratio) für Kühlbetrieb beschrieben, geregelt durch die EU-Verordnung Nr. 2016/2281.
Für Planer bedeutet das: Ein einziges System kann beide Jahreszeiten abdecken, wenn es richtig ausgelegt und in die Gebäudehülle integriert ist. Kombiniert mit einer Fußbodenheizung wird der Komfort noch gesteigert, allerdings ist hier eine exakte hydraulische Abstimmung erforderlich. Wer Heizung und Kühlung gleich von Anfang an als Einheit betrachtet, spart bei der Montage Aufwand und erspart sich spätere Nachbesserungen.