Katastrophen treten oft unerwartet auf. Häufig fehlen gerade zu Beginn entscheidende Informationen oder die Lage verändert sich dynamisch. Das kann Verantwortliche in Entscheidungspositionen überfordern und die Kommunikation anfällig für Störungen, Missverständnisse oder fehlende Anschlussfähigkeit machen. Für eine effektive Warn- und Krisenkommunikation sind daher viele Aspekte zu beachten. So ist die Entscheidung, wann Warnmeldungen herausgegeben werden sollen, von großer Bedeutung für ihren Erfolg. Wird zu lange gezögert, erfolgt die Warnung vielleicht zu spät und die betroffenen Personen werden nicht rechtzeitig erreicht. Welche dramatischen Folgen dies haben kann, verdeutlicht die Flutkatastrophe 2021 in Westdeutschland. Mit zu frühen Warnungen hingegen riskiert man Fehlalarme, was das Vertrauen der Bevölkerung in Warnungen selbst untergraben kann.
Jedes Jahr findet ein Bundesweiter Warntag statt. Dieser ist ein gemeinsamer Aktionstag von Bund, Ländern und Kommunen. Er findet in der Regel jährlich am zweiten Donnerstag im September statt.
Der Bundesweite Warntag dient der Erprobung der Warnsysteme. Das Auslösen der Warnkanäle lädt aber auch ein, sich über die Warnung der Bevölkerung zu informieren.
Am Bundesweiten Warntag wird ab 11:00 Uhr eine Probewarnung in Form eines Warntextes an alle am Modularen Warnsystem (MoWaS) des Bundes angeschlossene Warnmultiplikatoren (zum Beispiel Rundfunksender und App-Server) geschickt.
Die Warnmultiplikatoren versenden die Probewarnung zeitversetzt an Warnkanäle wie Fernseher, Radios und Smartphones. Dort können Sie die Warnung dann lesen und/oder hören.
Parallel können auf Ebene der Länder, in den teilnehmenden Landkreisen und Kommunen, verfügbare kommunale Warnkanäle ausgelöst (zum Beispiel Lautsprecherwagen oder Sirenen) werden.
Gegen 11:45 Uhr erfolgt eine Entwarnung über die Warnkanäle und Endgeräte, über welche zuvor die Warnung versendet wurde.
Warnkanäle und ihre Vor- und Nachteile
Warn-Apps
+ Empfang von Warnmeldungen und Entwarnungen aus verschiedenen Warnsystemen
+ Kann ebenfalls Unwetter- und Hochwassermeldungen sowie Polizeiberichte anzeigen
+ Für unterschiedliche Orte sowie den aktuellen Standort
+ Möglichkeit von Pushbenachrichtigungen
+ Umfangreiche Informationen, Handlungsempfehlungen und weiterführende Links
+ Inhalte können von Behörden direkt kontrolliert werden
- Erfordern ein kompatibles Handy und Mobilfunkempfang
- Keine Weckfunktion, wenn das Handy ausgeschaltet ist.
Cell Broadcast
+ Warnungen werden direkt auf das Handy versendet
+ Keine App benötigt
+ Keine Erhebung personenbezogener Daten
+ Inhalte können von Behörden direkt kontrolliert werden
+ Weckfunktion (bei eingeschaltetem Handy und Mobilfunkempfang)
- Erfordert Mobilfunkempfang und eingeschaltete Handys
- Benötigt mindestens Android 11 oder iOS 16.1.
Radio und Fernsehen
+ Vermittlung umfangreicher Informationen und Handlungsempfehlungen möglich
+ Empfangsgeräte sind weit verbreitet
+ Manche Radios sind auch bei Stromausfall nutzbar (bspw. Kurbelradios)
+ Weckfunktion mit Automatic Safety Alert (ASA) bei manchen Radios
- Meist keine Weckfunktion
- Meist Stromversorgung notwendig
- Behördliche Informationen können durch
Medien verfälscht werden.
Sirenen
+ Weckfunktion
+ Ermöglicht flächendeckende Alarmierung der Bevölkerung
- Bedeutung der Sirenensignale muss bekannt sein
- Können nur sehr begrenzt Informationen übermitteln.
Anzeigetafeln
+ In Städten können viele verschiedene Personengruppen erreicht werden
+ Keine speziellen Empfangsgeräte erforderlich
- Erfordert eine funktionierende Stromversorgung
- Anzeigetafeln müssen an MoWaS angeschlossen sein.
Online
+ Große Reichweite
+ Möglichkeit umfangreiche Informationen
zu vermitteln
- Erfordert eine funktionierende Stromversorgung
- Personen müssen aktiv nach Informationen suchen
- Authentische Informationen konkurrieren mit verzerrten, irreführenden und falschen Informationen.
Quelle:Peter Windsheimer-Kolla