Zellulose in einer Zwischensparrendämmung. Sie ist ähnlich effizient wir Polystyrol.
Bild: Riisipuuro / Wikimedia Tatsächlich wird in einigen Kulturen Schafswolle als Dämmstoff verwendet. Bei uns jedoch kaum. In Deutschland kommen fast ausschließlich pflanzliche Reststoffe oder Recyclingmaterial zum Einsatz. Dazu zählen vor allem Holzfasern und Hanf (ja, wirklich), aber auch Zellulose, Schilf, Stroh, Seegras oder Flachs. Selbst Kork kommt zum Einsatz.
Nachhaltig und lange haltbar
Der Vorteil dieser Dämmstoffe ist vor allem ein ökologischer: Sie wachsen wieder nach. Ihr Gebrauch ist also nachhaltig. Und nachhaltig heißt hier auch, dass sie lange haltbar sind. Man muss sich nur mal ein norddeutsches Reetdach, das nur aus Schilf gebaut wird, anschauen. Es ist der Witterung ausgesetzt, doch die kann ihm und seiner dämmenden Eigenschaft nichts anhaben. Denn Schilf ist, wie viele andere ökologische Dämmstoffe, hydrophob. Hydrophobe Stoffe stoßen Wasser und Feuchtigkeit ab oder nehmen diese nur zeitweise auf, ohne dabei ihre dämmenden Eigenschaften zu verlieren. Fast alle organischen Dämmstoffe eignen sich deswegen auch für die Perimeterdämmung, über die wir schon in Teil 4 dieser Serie berichtet haben.
Zudem ist ihre Gewinnung und die Logistik mit deutlich weniger Energieaufwand verbunden als etwa die Herstellung von Mineralwolle, geschweige denn von Polystyrol. Und: Gesundheitsgefahren, etwa durch Ausgasen von Kunststoffen oder Staubpartikel bei Mineralwolle, sind hier gar nicht oder kaum vorhanden. Für all diese löblichen Eigenschaften gibt es natürlich auch ein Gütesiegel, wenn auch kein spezifisches für ökologische Dämmstoffe. Aber auf den Blauen Engel, allseits wohl bekannt, kann man ruhig achten.
Ein Drittel teurer
All das Gute hat auch seinen Preis. Bezieht man sich auf die Kosten pro zu dämmenden Quadratmeter, kosten ökologische Dämmstoffen im Minimum mit einem Drittel mehr als Polystyrol. Das gute Gewissen kostet halt. Auch die Dämmeigenschaften sind recht unterschiedlich. Nur Zellulose reicht an das Dämmverhalten von Polystyrol heran. Alle anderen Öko-Dämmer schneiden schlechter ab.
Geliefert werden die Dämmstoffe in der Regel entweder lose als Füll- oder Schüttdämmung für Hohlräume oder analog den Mineralwolleprodukten als gerollte Matten. Die gepressten Varianten wiederum sind als Platten erhältlich. Verarbeitet werden können sie vom Dach bis zum Keller. Vorrangig kommen sie jedoch beim Dachgeschoss und der obersten Geschossdecke zum Einsatz, weil hier meist Wohnraum geschaffen wird und die Bewohner der Gesundheit zuliebe auf Nummer sichergehen.
Dämmfehler wurden hier und da ja schon erwähnt. Die nächste Folge der Serie am 22.09.2017 wird sich ausschließlich damit befassen und natürlich beleuchten, wie man sie vermeidet.
Bisher erschien:
1. Dämmung – Fluch oder Segen
2. Was kann eine Dämmung
3. Rechtliches
4. Arten der Dämmung
5. Wärmedämmverbundsysteme
6. Dämmstoff – Styropor und andere Kunststoffe
7. Dämmstoff – Mineralwolle und andere Fasern
8. Dämmstoff – organische Stoffe aus Pflanzen und Tieren sowie Recyclingmaterial
Erscheinen demnächst:
9. Dämmfehler
10. Innendämmung