Zur Sanierung eines Bestandshauses kann auch eine Dachsanierung gehören. Prinzipiell sollte von oben nach unten und von innen nach außen saniert werden – das Dach wäre demnach, wenn es denn fällig wäre, zuerst an der Reihe. Etwas komplizierter wird das noch durch die Integration erneuerbarer Energien. Sollen auf dem Dach Photovoltaik-Zellen oder Solarthermie Platz finden, muss dies gleich von Anfang an und hinsichtlich der zu verlegenden Leitungen bedacht werden.
Ob ein Dach neu zu decken ist, sollte von Fachleuten entschieden werden. Bild: ZVSHK
Doch wann sollte ein Dach neu gedeckt werden? Oder ist das überhaupt nötig?
Standardmäßig werden Dächer in Deutschland auf Holzkonstruktionen mit Ziegeln gedeckt. Die können porös werden. Nach 30 bis 50 Jahren – je nach Witterungseinfluss – kann also eine Dachneudeckung anstehen. Materialien wie Schiefer oder Kupfer halten deutlich länger, sind aber auch teurer. Letztlich kann man die Notwendigkeit der Neueindeckung an der Funktionsfähigkeit des Daches festmachen. Dazu gehören
- Witterungsschutz
- Feuchtigkeitsschutz von innen, etwa mittels Dampfsperren bei gedämmten Dächern
- Wärmedämmung, die es bei älteren Gebäuden so nicht gibt, aber auch ohne Neueindeckung nachgerüstet werden kann
- Tragfähigkeit der Konstruktion (hier kommen der berühmte böse Holzwurm und sein noch böserer Bruder, der Schwamm, ins Spiel)
Neueindeckung, wenn Ziegel kaputt sind
Ist die Ziegelschicht offensichtlich beschädigt, also durch verrutschte oder abgefallene Ziegel bzw. durch ihre Verbleiung (Verblendung), und dringt dadurch Wasser ins Gebäude ein, ist das Dach neuzudecken. Gleiches gilt für eine nicht mehr tragfähige Konstruktion. Selbst wenn die Ziegel noch in Ordnung sind – ist das Holz darunter befallen, hilft meist nur ein neuer Dachstuhl oder eine sehr aufwendige und deswegen auch recht teure Sanierung, die aber nicht in jedem Falle Erfolg verspricht.
Für die nachträgliche Wärmedämmung eines Daches, die allein bis zu 20 Prozent der Energiekosten einsparen kann, reicht eine klassische Zwischen- oder Untersparrendämmung mit Dampfsperre. Wird der Dachboden künftig als Wohnraum genutzt, sind zudem die EnEV-Vorgaben zu erfüllen. Mit den heute zur Verfügung stehenden Materialien für eine Dacherneuerung ist dies aber kein Problem.
Kleine Kontrollen sorgen für Langlebigkeit
Bei kleineren Schäden kann eine regelmäßige Kontrolle und das Ausbessern schadhafter Balken, Sparren und Latten eine komplette Dacherneuerung hinauszögern. Gleichzeitig können dabei eindringende Feuchtigkeit und Schwammbildung oder Holzwurmfraß entdeckt und entsprechend gehandelt werden. Spätestens aber nach 50 Jahren sollte sich ein Fachmann das Dach genau ansehen. Meist ist dann ein kompletter Wechsel nicht mehr vermeidbar. Das gleiche gilt für verbauten Asbest. Wird der entdeckt, gehört er vom Fachmann ausgewechselt. Es gilt also: Reparaturen dienen generell immer nur zur Überbrückung. Hat die Dacheindeckung ihre maximale Lebensdauer erreicht, ist eine rechtzeitige Neueindeckung die beste Alternative. Das gilt insbesondere dann, wenn eh größere Reparaturen anstehen oder das Dachgeschoss als Wohnraum dienen und daher gedämmt werden soll.
Eine Dachsanierung dauert in der Regel mehrere Wochen. Es werden folgende Schritte nötig sein:
- Beauftragung eines Fachbetriebs
- Auswahl des Materials
- Abtragen des alten Dachs
- Konterlattung und Traglattung neu anbringen
- Dachfläche decken
- Firste und Ortgänge decken
Genau sind diese Arbeitsschritte hier beschrieben.
Je nach Material und Art der Dachkonstruktion liegen die Kosten bei 50 bis 120 Euro je m2. Einen detaillierten Überblick darüber findet man hier.
Auch Fenster kommen in die Jahre und gehören ausgewechselt. Wann es so weit ist und welche Fenster man am besten nimmt, das wird der nächste Teil "Fensterwechsel" am 27.08.2018 der Serie zeigen.
Bisher erschienen:
1. Bestandsanierung im Überblick
2. Rechtliches
3. Förderungen
4. Dämmung außen
5. Dämmung innen
6. Dacherneuerung
Erscheinen demnächst:
7. Fensterwechsel
8. Heizungswechsel
9. Wechsel Sanitär/Wasser
10. Wechsel Elektrik
11. Eigene Energieerzeugung
12. Praxisbeispiele