Bei der Dämmung lassen sich schon heute gut nachhaltige Materialien einsetzen.
Bild: isover
Seit Januar 2022 wird kein KfW-55-Standard (neu: Effizienzhaus 55, EE 55) im Neubau mehr gefördert. Das für die Förderung zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), das dem Wirtschaftsministerium angehört, verzeichnete so viel Anträge wie nie. Der zuständige Minister Robert Habeck zog die Reißleine. Begründung: Mit KfW 55 (oder EE 55) würde ein Standard gefördert, der sich am Bau eh schon durchgesetzt habe. Für die nächsten vier Jahre bedeutet das: Bauherren müssen noch tiefer in die Tasche greifen um diesen Standard am Bau zu erfüllen.
Ab 2025 ist dann der EE-40-Standard obligatorisch – inklusive einem Heizsystem, das im Minimum 65 Prozent erneuerbar Energien einkoppelt, also grüne Nahwärme, Biomasseheizungen oder Wärmepumpen. Dies wird allerdings weiter gefördert. Die direkte Förderung wird weiterhin beim Wirtschaftsministerium und dem BAFA liegen, die Richtlinien dazu werden aber vom Bauministerium kommen.
Bestand auf EE-70-Standard sanieren
Im Bestand gilt ab 2024 bei förderfähigen Sanierungen der EE-70-Standard, was dem bisherigen KfW-70-Standard entspricht oder einer 30-prozentigen Einsparung an Energie gegenüber einem Vergleichsgebäude. Das wird die Sanierung von älteren Gebäuden, die meist deutlich über KfW 100 liegen, drastisch verteuern.
Beides wird sich am Markt ohne massenhafte staatliche Förderung nicht durchsetzen – eben durch das neue Bauministerium sowie via BAFA und KfW, die ja auch schon jetzt die Bundesförderung effiziente Gebäude (BEG) betreuen. Allerdings wird diese Förderung umgestellt. Einige Aspekte zeichnen sich schon jetzt ab. Wer noch über eine Bestandssanierung und einen Heizungswechsel nachdenkt, sollte sich beeilen. Unter anderem ist vorgesehen, dass mit dem geplanten und vorgezogenen Kohleausstieg auch die Förderung für regenerative Heizungsanlagen wegfällt. Und: Die Treibhausgasemissionen des Gebäudes sowohl beim Bau als auch im Betrieb sollen ein wesentlicher Parameter zur Bewertung sein, ob und wie hoch gefördert wird.
Deswegen wird die Nachhaltigkeit am Bau, also der ressourcenschonende Umgang mit allen Baumaterialien und Werkzeugen bis hin zur Baustelleneinrichtung, ein wesentliches Kriterium für die Förderung sein. Doch ab wann gilt ein Bauwerk als nachhaltig?
Was gilt als nachhaltig?
Letztlich lässt sich ein nachhaltiges Bauwerk auf drei Kriterien reduzieren (auch wenn es noch viele andere gäbe):
- Das Material wurde aus der Natur gewonnen und muss durch Recycling wieder in die Natur zurückgeführt oder anders wiederverwendet werden.
- Eine Behandlung des Materials, etwa mit Chemikalien, darf die Weiterverwendung nicht erschweren oder unmöglich machen.
- Je regionaler ein Baumaterial erzeugt wurde, umso nachhaltiger ist es.
Klar, dass dies das Bauern etwas verteuern wird, aber nicht so stark wie vermutet. Experten schätzen die Mehrkosten auf 2 bis 6 Prozent, die jedoch wieder reingeholt werden können – etwa durch bessere Vermietungschancen, aber eben auch durch geringere Betriebskosten. Denn die Ressourcenschonung, der sich die Nachhaltigkeit verschreibt, gilt auch für die Betriebsmittel wie Brennstoffe oder andere Arten von Energieträgern.
Der nächste Teil der Serie am 23.02. richtet sein Augenmerk auf das nachhaltige Bauen, das von der neuen Regierung forciert werden soll, und wie sich das preislich auswirken wird.
Bisher erschienen im Rahmen der Themenserie folgende Beiträge:
1. Warum gibt es eine neues Bauministerium und welche Probleme muss es angehen?
2. Was wird das neue Bauministerium sofort in die Hände nehmen?
3. Welche Schwerpunkte wird das Bauministerium bei der Gebäudeenergie
4. Ändert das neue Bauministerium die Förderung hin zu mehr Nachhaltigkeit?
Erscheinen demnächst:
5. Welchen Fokus bekommt nachhaltiges Bauen und wie wird sich das preislich auswirken?
6. Wie soll der Wohnungsbau vorangetrieben werden?
7. Wie wird der Zielkonflikt zwischen hohen Baukosten und sozialem Wohnungsbau gelöst?
8. Welche Änderungen sind für Nichtwohngebäude zu erwarten?
________________________________________
Ein Beitrag der Redaktion vom HaustechnikDialog.