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News vom 23.02.2022

Themenserie Teil 5:

Welchen Fokus bekommt nachhaltiges Bauen und wie wird sich das preislich auswirken?

Da sich die Förderung immer mehr an den eingesparten THG-Emissionen und eben an der Nachhaltigkeit von Bauwerken ausrichten wird , sollte allen am Bau Beteiligten klar werden, wie man überhaupt nachhaltig baut. Denn Kunden werden nicht nur wegen der Förderung verstärkt nachfragen, wie denn ein Bauwerk entsteht. Dieser Trend zeichnet sich schon jetzt ab.

Im Neubau geht ohne Beton, wie hier bei einem mit Betonfertigteilen errichtetem Berliner Stadtquartier, nichts. Er kann auch nachhaltig eingesetzt werden.<br />Bild: Denis Esakov / beton.de
Im Neubau geht ohne Beton, wie hier bei einem mit Betonfertigteilen errichtetem Berliner Stadtquartier, nichts. Er kann auch nachhaltig eingesetzt werden.
Bild: Denis Esakov / beton.de

Und er wird von der neuen Regierung gepusht. Im Koalitionsvertrag heißt es: „Im Rahmen des Klimaschutzsofortprogramms führen wir 2022 nach dem Auslaufen der Neubauförderung für den KfW-Effizienzhausstandard 55 (EH 55) ein Förderprogramm für den Wohnungsneubau ein, das insbesondere die Treibhausgas-Emissionen (THG-Emissionen) pro m² Wohnfläche fokussiert […,] zum 1. Januar 2024 werden für wesentliche Ausbauten, Umbauten und Erweiterungen von Bestandsgebäuden im GEG die Standards so angepasst, dass die auszutauschenden Teile dem EH 70 entsprechen; im GEG werden die Neubau-Standards zum 1. Januar 2025 an den KfW-EH 40 angeglichen.“

Nachhaltigkeit und Energieeffizienz wesentliche Faktoren

Das ist ein riesiger Schritt in Richtung nachhaltiges Bauen, zumindest bei der Ressourcenschonung der Gebäude im Betrieb, die ja immerhin drei Viertel der gesamten Energiekosten ausmachen (ein Viertel wird für die Produktion und die Verarbeitung der Baustoffe benötigt), auch wenn noch nicht alle Bedingungen dafür erfüllt werden.

Nötig ist mehr Nachhaltigkeit auf jeden Fall. Heute sorgt die weltweite Zementherstellung für 8 % aller THG-Emissionen (Haushalte tragen mit 3 % dazu bei, der Verkehr mit 18 %). Bis 2045 soll der Gebäudebestand schon nach dem Willen der alten Bundesregierung mit dem Klimaschutzgesetz von 2021 klimaneutral sein. Das erfordert eine andere Strategie als die reine Verminderung der Primärenergie, etwa für die Gebäudeversorgung oder das Herstellen von Baustoffen. Damit dürfen auch geringe Restemissionen nicht in die Atmosphäre gelangen.

Deswegen sollten am Bau in Zukunft, aber in Teilen eben auch schon jetzt, nur Materialien und Methoden zum Einsatz kommen, die als nachhaltig eingestuft sind. Das gilt etwa für biologische Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen (NaWaRo), etwa in der Dämmung. Hier sind die berühmten Sauerkrautplatten, also mit Zement beschichtete Holzfasern, bekannt, aber auch Stroh oder Holzwolle.

Auch Beton gilt als nachhaltig, wenngleich sein Recycling mit einem sehr hohen Energiebedarf verbunden ist. Auch deswegen wird nach CO2-freien Herstellungsmethoden gesucht. Die THG-Emissionen stammen fast ausschließlich aus der chemischen Reaktion von Kalkstein zu Zement und aus der Energie für die hohen Temperaturen im Herstellungsprozess.

Erste Anstöße zu einer Veränderung kamen von der Branche selbst. Bis 2050 soll klimaneutraler Beton Standard sein. Dafür werden die Öfen mit erneuerbarem elektrischen Strom beschickt. Helfen soll auch eine höhere Effizienz beim Materialeinsatz.

Ohne Beton geht es nicht

Denn ohne Beton ist das moderne Bauen nicht vorstellbar. Überlegt werden kann allenfalls, wo der Beton unverzichtbar ist und wo man auf ihn verzichten kann. Ein Beispiel dafür sind mehrstöckige Holzgebäude: Deren innerer Kern für Medien und Fahrstühle ist aus Stahlbeton gefertigt, an dieses werden dann Geschoßdecken (die ebenfalls mitunter noch aus Stahlbeton sind), Wände und Fassaden komplett aus Holzdecken quasi vorgehängt. Dieser Baustil ist schon heute als nachhaltig anerkannt und wird also förderfähig durch das neue Bauministerium bleiben.

Allerdings liegt dieser Einschätzung auch ein kleiner Denkfehler zugrunde: Holz an sich ist nicht beständig. Es muss behandelt werden, damit es als Bauholz taugt. Diese Behandlung jedoch steht streng genommen den Nachhaltigkeitskriterien entgegen, wonach die Behandlung von Baustoffen deren Wiederverwertung nicht im Weg stehen darf. Hier muss noch nach Lösungen gesucht werden. Denn ein Verbrennen des Bauholzes nach dem Ende der Lebensphase des Gebäudes würde dem Klima nicht zuträglich sein. Und das ist ja letztlich der wichtigste Ansatzpunkt für die Nachhaltigkeit.

Mehr zu dem Thema findet sich hier: www.nachhaltigesbauen.de

Der nächste Teil der Serie am 25.02.2022 beschäftigt sich mit den Plänen, wie der Wohnungsbau vorangetrieben werden soll.

Bisher erschienen im Rahmen der Themenserie folgende Beiträge:

1. Warum gibt es eine neues Bauministerium und welche Probleme muss es angehen?
2. Was wird das neue Bauministerium sofort in die Hände nehmen? 
3. Welche Schwerpunkte wird das Bauministerium bei der Gebäudeenergie
4. Ändert das neue Bauministerium die Förderung hin zu mehr Nachhaltigkeit?
5. Welchen Fokus bekommt nachhaltiges Bauen und wie wird sich das preislich auswirken?

Erscheinen demnächst:
6. Wie soll der Wohnungsbau vorangetrieben werden?
7. Wie wird der Zielkonflikt zwischen hohen Baukosten und sozialem Wohnungsbau gelöst?
8. Welche Änderungen sind für Nichtwohngebäude zu erwarten?

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Ein Beitrag der Redaktion vom HaustechnikDialog.

 
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