Laut dem Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks sind in deutschen Privathaushalten aktuell (Stand: Februar 2024) über 13,5 Millionen Gasheizungen im Einsatz.
Bild: pixabay.com / Maklay62
Damit gehört das Heizgas zu den mit Abstand wichtigsten Brennstoffen überhaupt, da weder Fernwärme, Hybrid- und Elektroheizungen noch Solaranlagen oder gar die häufig kritisierten Wärmepumpen einen vergleichbar hohen Anteil in Bezug auf die Wärmeerzeugung vorweisen können – und daran wird sich aufgrund der noch immer mangelhaften Infrastruktur und den zum Teil horrenden Anschaffungs- und Instandhaltungskosten bekanntlich auch in naher Zukunft nicht wirklich viel ändern. Aber was ist Heizgas denn eigentlich genau? Welche Arten gibt es? Und worin unterscheiden sie sich?
Das klassische Heizgas gehört per Definition zu den fossilen Brennstoffen, die sich – wie beispielsweise auch das Erdöl – der Theorie nach über viele Millionen Jahre hinweg aus organischen Substanzen gebildet haben. Diese Gasvorkommen sind mittlerweile fast überall auf der Welt zu finden, in der Regel in unterirdischen Lagerstätten. Um das Gas zu fördern sind häufig tiefe Bohrungen notwendig, die katastrophale Auswirkungen auf die Umwelt haben. Darüber hinaus sind die Gasvorkommen begrenzt, sodass immer neue Gasförderstätten in Betrieb genommen werden müssen, was im Umkehrschluss weitere irreparable Schäden verursacht. Daher ist es nur mehr als verständlich, dass die Welt schon seit geraumer Zeit auf der Suche nach Alternativen ist – bislang jedoch leider ohne wirklich nennenswerten und vor allem tatsächlich nachhaltigen Erfolg. Und da wir dementsprechend auch in naher Zukunft nicht ohne Heizgas auskommen werden, gilt es zu verstehen, welche Sorten derzeit verwendet werden, woher sie stammen und welche Merkmale damit verbunden sind.
Gasanbieter, Brennwerte und Preisschwankungen
Vorab sei gesagt, dass es nicht nur verschiedene Gassorten, sondern gleichzeitig auch viele unterschiedliche Energieversorger gibt, die sich in Sachen Angebot und Preisgestaltung zum Teil deutlich voneinander unterscheiden. Daher empfiehlt sich stets ein ausführlicher Gasvergleich, um schnell und einfach den Anbieter ausfindig zu machen, der nicht nur kostengünstig, sondern zudem auch möglichst umweltbewusst arbeitet. Darüber hinaus verfügen die verschiedenen Gasarten über unterschiedliche Brennwerte, was einen direkten Einfluss auf den Energieinhalt hat. Dabei gilt: Je niedriger der Brennwert, desto höher der Verbrauch. Daher sollte man bei der Wahl der passenden Gassorte nicht zuletzt auch auf den Preis der Kilowattstunde achten, da es sich unter Umständen lohnen kann, eine Sorte zu wählen, die zwar einen niedrigen Brennwert hat, dafür jedoch deutlich günstiger ist. Gut zu wissen: Gaspreise sind – ähnlich wie Benzinpreise – teilweise sehr starken Schwankungen ausgesetzt, sodass die Heizkosten stets von der aktuellen Marktlage abhängen.
So unterscheiden sich die Heiz-Gasarten
Wie eingangs bereits erwähnt, gibt es verschiedene Gassorten, die sich in Bezug auf die Effizienz, den Energiegehalt, die durch die Förderung entstehenden CO2-Emmissionen und die Kosten zum Teil deutlich voneinander unterscheiden. Der Begriff Heizgas fungiert dabei als Hyperonym für die drei in Deutschland am häufigsten für die Wärmeerzeugung genutzten Brenngasarten Erdgas, Flüssiggas und Biogas. Und obwohl diese drei Arten unterschiedlich sind, gelten sie alle als deutlich energieeffizienter, umweltschonender und kostengünstiger als andere fossile Energieträger, wie beispielsweise Erdöl oder Steinkohle. Falls das Gas jedoch durch die sogenannte Fracking-Methode gewonnen wird – also durch hydraulisches Aufbrechen des Gesteins – ändert sich diese Annahme schlagartig, da die immensen Umweltschäden die ursprünglich positiven Eigenschaften der Gasförderung und -nutzung ad absurdum führen. Dementsprechend sollte man stets darauf achten, dass der eigene Gasanbieter nachweislich auf Fracking-Gas verzichtet.
1. Erdgas
Das klassische Erdgas – das einen relativ hohen Brennwert besitzt – gilt als die in Deutschland am weitesten verbreitete Heiz- respektive Brenngasart, die im Vergleich zu Öl oder Kohle rund 25 Prozent weniger Schadstoffe ausstößt. Erdgas besteht vorrangig aus Methan, wobei die Höhe des Methananteils zugleich auch den Brennwert beziehungsweise den Energiegehalt des Gases bestimmt.
Gut zu wissen: Bei der Erdgasqualität in Bezug auf den Methananteil unterscheidet man im Allgemeinen zwischen L-Gas („low calorific gas“ mit einem Methananteil von 80 bis 87 Prozent und einem Brennwert von 8 bis 10 Kilowattstunden pro Kubikmeter) und H-Gas („high calorific gas“ mit einem Methananteil von 87 bis 99 Prozent und einem Brenn- beziehungsweise Heizwert von 10 bis 12 Kilowattstunden pro Kubikmeter). Laut Bundesnetzagentur soll die Umstellung von L- auf H-Gas hierzulande bis 2030 flächendeckend abgeschlossen sein.
Bevor das Erdgas nach der Förderung verwendet werden kann, müssen vorab sämtliche Schadstoffe herausgefiltert werden, da das Gas ansonsten hoch giftig und somit stark gesundheitsschädlich wäre. Bei der Verbrennung von Erdgas entstehen so gut wie keine Ruß- oder Staubrückstände, sodass das Gas weitestgehend emissionsfrei verwendet werden kann. Und da Erdgas über das öffentliche Gasnetz an die Haushalte verteilt wird, sind keine externen Lagerstätten (wie zum Beispiel Gastanks) notwendig.
2. Flüssiggas
Vorab sei gesagt, dass Flüssiggas – auch unter der Abkürzung LPG (Liquefied Petroleum Gas) bekannt – per Definition nicht dasselbe ist, wie Flüssigerdgas (Liquefied Natural Gas oder kurz LNG). Flüssiggas besteht größtenteils aus den Edelgasen Propan und Butan, die bei dem Abbau von normalem Erdgas und Erdöl entstehen. Die Vorteile dabei sind, dass sich diese Gasart ohne allzu großen Aufwand verflüssigen lässt, aufgrund der Form besonders einfach zu transportieren und zu lagern ist und darüber hinaus einen ebenfalls sehr hohen Brennwert bietet. Allerdings wird für die Lagerung von Flüssiggas ein spezieller Tank benötigt, der beispielsweise im Garten oder im Keller aufgestellt werden muss. Die zum Teil deutlich höheren Anschaffungskosten rentieren sich effektiv gesehen jedoch nur dann, wenn der betreffende Haushalt nicht an das öffentliche Gasversorgungsnetz angeschlossen werden kann.
3. Biogas
Wie der Name bereits schon vermuten lässt, handelt es sich bei dem Biogas um die potentiell nachhaltigste und umweltschonendste Möglichkeit, eine Gasheizung nahezu klimaneutral zu betreiben. Der Grund dafür ist, dass Biogas nicht unnötig umständlich aus unterirdischen Lagerstätten mit begrenztem Vorrat gefördert werden muss, sondern schlicht und einfach aus der Vergärung von Biomasse in Biogasanlagen gewonnen wird. Dazu werden ausschließlich organische Stoffe verwendet – wie unter anderem Bioabfälle, Gülle, Dung, Klärschlamm oder auch spezielle und schnell nachwachsende Rohstoffe wie Raps und Mais.
Da das Biogas je nach Ausgangsmaterial jedoch über einen teilweise sehr variablen Methangehalt verfügt, können die Brennwerte dementsprechend stark variieren. Gut zu wissen: In der Regel liegt der Methananteil von Biogas bei etwa 50 bis knapp über 70 Prozent, was in der Hauptsache daran liegt, dass nicht veredeltes Biogas einen höheren Anteil an Wasserdampf und Kohlendioxid hat. Es gibt mittlerweile zwar spezielle Reinigungsverfahren und Aufbereitungstechniken, mit denen die Gasqualität und der Brennwert auf eine vergleichbare Stufe wie bei Erdgas angehoben werden können, doch steigt aufgrund der Komplexität des Verfahrens automatisch auch der Preis, wodurch veredeltes Biogas zum aktuellen Zeitpunkt für den normalen Privatnutzer leider nur wenig konkurrenzfähig ist.