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News vom 07.08.2026

Nachwuchsmangel im SHK-Handwerk verlangt mehr Frauenpower und Mut zur Inklusion

0,8 mehr Azubis sind zu wenig!

Nach Angaben des Zentralverbands des deutschen Handwerks (ZDH) waren im letzten Jahr (2025) 346.388 Auszubildende beschäftigt; was einem Zuwachs von immerhin 1,3 % gegenüber dem Vorjahr 2024 entspricht. Um dem Fachkräftemangel im Handwerk wirkungsvoll zu begegnen, reicht diese Zunahme jedoch bei weitem nicht aus, da sich der demografische Wandel in den folgenden Jahren extrem bemerkbar machen wird. Arbeitsmarktexperten schätzen, dass im Handwerk jährlich etwa 100.000 – 150.000 „Babyboomer“ altersbedingt ausscheiden werden.

Unterstützt aktuell die Initiative ZEIT ZU STARTEN: die Kampagne #echtSHK.<br /><br />Quelle: ZVSHK
Unterstützt aktuell die Initiative ZEIT ZU STARTEN: die Kampagne #echtSHK.

Quelle: ZVSHK
Wer die Klima- und Energiewende praktisch begleiten möchte, findet im Handwerk seine Berufung.<br /><br />Quelle: Team Matthies GmbH
Wer die Klima- und Energiewende praktisch begleiten möchte, findet im Handwerk seine Berufung.

Quelle: Team Matthies GmbH
Birgit Jünger ist seit 2004 als Referatsleiterin Marketing in der Hauptgeschäftsstelle des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) in Sankt Augustin tätig:<br /><br />Quelle: ZVSHK
Birgit Jünger ist seit 2004 als Referatsleiterin Marketing in der Hauptgeschäftsstelle des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) in Sankt Augustin tätig:

Quelle: ZVSHK
Katja Lilu Melder ist Bundesvorsitzende der Unternehmerfrauen im Handwerk. Darüber hinaus macht sie sich für das Thema Inklusion stark und ist als „Handwerkspaekerin“ tätig.<br /><br />Quelle: <a href="https://handwerkspeakerin.de/"target="_blank">https://handwerkspeakerin.de/</a>
Katja Lilu Melder ist Bundesvorsitzende der Unternehmerfrauen im Handwerk. Darüber hinaus macht sie sich für das Thema Inklusion stark und ist als „Handwerkspaekerin“ tätig.

Quelle: https://handwerkspeakerin.de/

Besonders prekär stellt sich die Mangellage in der Nachwuchsfindung beim SHK-Handwerk dar. Insgesamt 40.770 Ausbildende streben seit dem Jahr 2025 den Abschluss als Anlagenmechaniker/in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik an. Nach insgesamt 40.454 SHK-Azubis in 2024 sind das etwa 0,8 % mehr als im Vorjahr. Das ist im Trend zwar verhalten positiv, aber es ist auch noch reichlich „Luft nach oben“. Immerhin konnten die Kollegen aus dem berufsverwandten E-Handwerk im vergleichbaren Zeitraum die Anzahl ihrer Auszubildenden (Elektroniker/in Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik) um 1,8 % auf 41.339 erhöhen. Noch besser sieht es im Schornsteinfegerhandwerk aus. Der „Schwarze Zunft“ ist es gelungen die Anzahl ihrer Lehrlinge in 2025 um 7,4 % zu steigern. Auch Zimmerleute (+ 2,8 %) und Dachdecker (+ 4 %) stehen aktuell wesentlich besser da als das SHK-Fachhandwerk.

Birgit Jünger verantwortet im Zentralverband Sanitär, Heizung & Klima (ZVSHK) das Referat Marketing. Sie hat u. a. die Kampagne ZEIT ZU STARTEN mit initiiert. Wörtlich: „Mit der bundeeinheitlichen Nachwuchswerbung ZEIT ZU STARTEN legen wir die kommunikative Basis, auf der SHK-Innungsbetriebe bei ihrem Recruiting aufbauen können. Im Idealfall haben junge Menschen schon mal etwas von den vier abwechslungsreichen und zukunftsrelevanten Berufen gehört und der SHK-Unternehmer kann daran anknüpfen. So packen wir die Fachkräftesicherung gemeinsam an.“ Koordiniert wird die Kampagne vom Bundesverband ZVSHK, während die Landesverbände sie mit regionalen Maßnahmen, Kooperationen und gemeinsamen Kommunikationsanlässen mitgestalten. Auch Innungen und SHK-Betrieben bietet sie Möglichkeiten, sich aktiv einzubringen – von Social Media bis zu lokalen Veranstaltungen. Neu hinzu kommt aktuell die Kampagne #echtSHK (s. Infokasten).

Zu wenig Frauenpower

Vor diesem Hintergrund ist es kaum nachvollziehbar, dass sich das SHK-Handwerk mit der Rekrutierung von weiblichen Auszubildenden so schwertut. Nur 953 der insgesamt 40.770 Ausbildungsverhältnisse wurden bis Ende 2025 mit jungen Frauen besetzt. Ein Anteil von gerade mal 2,3 Prozent. Nochmal zum Vergleich: nicht nur das Schornsteinfeger-Handwerk kann mit etwa 17 Prozent (361 von 2.101 Azubis) einen wesentlich höheren Frauenanteil in der Berufsausbildung aufweisen; auch Dachdecker (4,7 %) und Zimmerer (6,9 %) stehen hier deutlich besser dar.

Frauen sind in technischen Berufen keine Ausnahme mehr, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Wer den Fachkräftebedarf in der heutigen Zeit decken will, muss Geschlechterklischees in der Berufswahl endlich hinter sich lassen. Hinzu kommt die Tatsache, dass angesichts der technischen Entwicklungen im SHK-Handwerk zukünftig mehr Kopfarbeit als Muskelkraft gefragt sein wird. Innovative Smart-Home-Technologie und klimaschonende Heizkonzepte wollen schließlich verstanden, bedient, gemessen sowie erläutert werden. Moderne Hebehilfen und Exoskelette machen es zudem möglich, auch schwere Wärmeerzeuger rückenschonend zu bewegen.

Darüber hinaus geht es nicht immer nur um Technik, sondern auch um den guten Geschmack. In diesem Zusammenhang gilt es die weibliche Kompetenz in Sachen Stil und Designberatung zu nutzen – ein Aspekt, der speziell im Sanitärbereich beachtet werden sollte. Anspruchsvolle Bäder entstehen schließlich durch das Arrangement funktionaler Ablagen, schöner Armaturen sowie stimmungsvollen Lichtkonzepten in Kombination mit pflegeleichten Oberflächen. Zudem sind es häufig Frauen, die hier entscheiden und damit letztlich das Budget verantworten. Sie akzeptieren die weibliche Kompetenz in handwerklichen Berufen gern und erfreuen sich an einer Beratung auf Augenhöhe. Des Weiteren ist davon auszugehen, dass der Organisationsgrad im Installations-Betrieb zukünftig eher steigen wird. Frauen, die in diesem Zusammenhang praktischer Erfahrungen von der Baustelle mitbringen sind dahingehend besonders wertvoll.

Inklusion als Bereicherung im Handwerk

Viele Handwerksbetriebe bieten heute bereits die Möglichkeiten zur Beschäftigung von Menschen mit Handicap. Häufig ist das gelebte Praxis, ohne dass diese Betriebe das unter dem Fachbegriff der Inklusion fassen würden. Gerade in Klein- und Familienbetrieben sind die Voraussetzungen für inklusives Arbeiten sehr gut. Trotzdem könnten es mehr sein: In Deutschland leben rund 7,9 Millionen Menschen mit einer anerkannten Schwerbehinderung (Grad der Behinderung mind. 50 %). Davon sind ca. 1,12 Millionen im allgemeinen Arbeitsmarkt tätig. Der Rest ist wegen der Erwerbsminderung nicht beschäftigt, im Ruhestand oder in einer Ausbildung für Behinderte bzw. aus anderen Gründen nicht beruflich aktiv. Rund 175.000 sind arbeitslos gemeldet und würden dem Arbeitsmarkt grundsätzlich zur Verfügung stehen (Quelle: Bundesagentur für Arbeit).

Katja Lilu Melder ist Bundesvorsitzende der Unternehmerfrauen im Handwerk. Darüber hinaus beschäftigt die Meisterin im eigenen Betrieb mehrere Gehörlose sowie zwei Mitarbeiter mit Autismus. Sie hat dazu folgende Meinung: „Wenn wir ehrlich sind, können wir es uns im Handwerk gar nicht mehr leisten, auf Potenziale zu verzichten. Inklusion bedeutet nicht, Kompromisse einzugehen – sondern Chancen zu nutzen. Betriebe, die Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen eine Möglichkeit geben, gewinnen häufig besonders motivierte, loyale und engagierte Mitarbeitende. Gleichzeitig entstehen vielfältigere Teams, neue Perspektiven und oft ein stärkerer Zusammenhalt im Unternehmen. Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich: Inklusion funktioniert nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Praxis. Natürlich braucht es manchmal kleine Anpassungen – aber der Gewinn für den Betrieb ist meist deutlich größer als der Aufwand. Wer Vielfalt zulässt, stärkt nicht nur sein Team, sondern macht sein Unternehmen auch attraktiver für Nachwuchs, Kunden und Fachkräfte. Inklusion ist deshalb für mich kein sozialer Bonus, sondern ein echter wirtschaftlicher Erfolgsfaktor für das Handwerk.“

Umdenken ist angesagt

Im Wintersemester 2025/26 waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes insgesamt 2,87 Millionen Studierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Das entspricht einem leichten Anstieg von 0,4 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der so genannte Bildungsirrtum manifestiert sich damit zusehends. Immerhin gibt es etwa 8-mal so viel Studierende wie Auszubildende im deutschen Handwerk. Unabhängig vom angestrebten Schulabschluss müssen junge Menschen gleichwertig über akademische und berufliche Bildung informiert werden, damit die Berufsorientierung den Interessen und Talenten wirklich gerecht wird. Nur wenn für Jugendliche (be)greifbar wird, dass sie ihre Karriere auf dem beruflichen Bildungspfad genauso selbstbestimmt, frei und individuell gestalten können wie mit einem Studium, werden sie sich auch für eine handwerkliche Ausbildung entscheiden. Diese Gleichwertigkeit muss für junge Menschen aber auch nach der Entscheidung für eine Ausbildung spürbar bleiben: Genauso wie Studierende brauchen auch Auszubildende bezahlbare Wohnraumangebote. Wichtige Programme wie „Junges Wohnen“ müssen daher die Ausbildungsförderung noch deutlich besser einschließen. Vor allem Länder und Kommunen sind gefordert, Auszubildende stärker in den Blick zu nehmen und zusätzliche Angebote für das Azubi-Wohnen zu schaffen. Darüber hinaus muss es auch eine Gleichbehandlung in ÖPNV geben. Während Studierende häufig ein verbilligtes Semesterticket nutzen können (beispielsweise in Freiburg für 96 € im Halbjahr), dürfen Auszubildende ihre Reisen zur Berufsschule oder der Überbetrieblichen Ausbildungsstätte komplett ohne Vergünstigung selbst finanzieren.

Vielleicht müssen sich auch die Verantwortlichen in den Handwerksverbänden und Innungen verstärkt fragen, ob sie jungen Menschen ausreichend attraktive Bildungswege im handwerklichen Bereich aufzeigen. Gibt es genügend spannende Studienangebote im Handwerk? Oder lassen wir diesen Bereich hauptsächlich von universitären Strukturen prägen, die mit der praktischen Umsetzung nur wenig Berührung haben?

Seit vielen Jahren gibt es positive beispielsweise dafür ein den Zugang zwischen Handwerk und Studium zu verbessern – und zwar in beide Richtungen. Denn es gibt durchaus positive Beispiele, wie es gelingen kann, Theorie und Praxis sinnvoll zu verbinden. Ein besonders gelungenes Modell ist der duale Bachelorstudiengang Energie- und Gebäudetechnik an der TH Köln. Dieses Studium kombiniert ein wissenschaftliches Hochschulstudium mit einer vollwertigen Ausbildung zum/zur Anlagenmechaniker*in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK). Innerhalb von neun Semestern erlangen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowohl den akademischen Grad als auch den Gesellenbrief – eine starke Kombination, die dem Handwerk wirklich zugutekommt.

Fazit

Um den Wirtschaftsstandort Deutschland nachhaltig zu sichern, ist es essenziell, die handwerklichen Ausbildungszahlen mittel- bis langfristig zu steigern. Die vorliegenden Daten zeigen, dass das Handwerk trotz anhaltender Herausforderungen – insbesondere bei unbesetzten Ausbildungsplätzen – mit einem Plus von 1,8 Prozent eine stabile Entwicklung bei den Neuverträgen verzeichnet. Die leichte Zunahme des Frauenanteils und die konstanten Ausbildungszahlen sind in diesem Zusammenhang sicherlich positive Signale. Dennoch ist es enorm wichtig, weitere Maßnahmen zur Fachkräftesicherung zu ergreifen. Der SHK-Beruf muss sich in der weiblichen Zielgruppe wesentlich attraktiver darstellen. Darüber hinaus sollten man die Chancen nicht verkennen, die Menschen mit Handikap mitbringen. Inklusion wird sicher nicht die alleinige Antwort auf den enormen Fachkräftebedarf sein, aber kann sicherlich einen Beitrag dazu leisten.

Infokasten:

Neue Kampagne: #echtSHK

Diese Kampagne ergänzt den bestehenden Auftritt von ZEIT ZU STARTEN, vertieft die Ansprache junger Menschen entlang ihrer Berufsorientierung und verstärkt die Sichtbarkeit von SHK-Betrieben als attraktive Ausbildungsorte. Sie verbindet die bestehenden Initiativen – von der mobilen Info- und Montagewand für SHK-Betriebe zum Einsatz bei Berufsorientierungsmessen über die Lehreransprache mit „Handwerk macht Schule“ bis hin zur Website www.zeitzustarten.de und den Social-Media-Kanälen – zu einer schlüssigen Gesamtkommunikation. 

Die Kampagne besteht aus drei aufeinander aufbauenden Stufen. So begegnet sie Jugendlichen mehrfach – immer genau da, wo sie sich auf ihrem Weg in die berufliche Zukunft gerade befinden – und führt sie Schritt für Schritt zu einer intensiveren Beschäftigung mit den SHK-Berufen:

#echtSHK – Interesse wecken: das SHK-Handwerk erklären und emotional erlebbar machen 

#echtZUKUNFT – Interesse vertiefen: Jugendliche über Praktika und Einblicke an das SHK-Handwerk heranführen

#echtJETZT – Entscheidung unterstützen: den Weg in die Ausbildung vereinfachen und begleiten

Dabei werden eigene Landingpages, Social Media, Influencer-Collabs, Events und weitere Maßnahmen genutzt, um gezielt junge Menschen zu erreichen. Auch Eltern, Lehrkräfte und Betriebe werden eingebunden. 

Weitere Infos für Betriebe auch unter:

https://www.zvshk.de/themen/nachwuchs

 

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