Der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks (Zentral-Innungsverband ZIV) stellte kürzlich im Rahmen des Bundesverbandstages in Straubing die aktuelle ZIV-Erhebung für das Jahr 2025 vor. Demnach sind etwa 86 Prozent der 3,7 Millionen Ölfeuerungsanlagen und ca. 66 Prozent der fast 5,2 Millionen Gasfeuerungsanlagen mehr als 20 Jahre alt. In der Summe sind es also ungefähr 6,6 Millionen wiederkehrend messpflichtige Wärmeerzeuger, die nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen.
Quelle: ZIV e.V.
Die jährliche Statistik des Schornsteinfegerhandwerks macht es deutlich. Der Altbestand in deutschen Heizungsräumen ist erschreckend hoch.
Quelle: ZIV e. V.
Die fachliche Beratung muss stimmen – die Abgaswerte sind nicht das alles entscheidende Kriterium
Quelle: www-waldecker-pr.de
ZIV-Vorstand Presse- und Öffentlichkeitsarbeit - Iris Dohmen. Neben ihrer handwerklichen Ausbildung verfügt sie über Abschlüsse als Immobilienmaklerin (IHK), Brandschutztechnikerin (TÜV), Brandschutzbeauftragte (TÜV), Betriebswirtin (HWK) sowie als Fachwirtin für Gebäudemanagement (HWK).
Quelle: ZIV e. V. 1,46 Millionen Ölkessel und 1,3 Millionen Gasgeräte davon sind sogar 32 Jahre alt und älter. Wir sprachen darüber mit Iris Dohmen – sie verantwortet im ZIV-Vorstand die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Des Weiteren betreut sie als bevollmächtigte Schornsteinfegermeisterin einen Kehrbezirk in Hannover.
Redaktion: Die häusliche Wärme- und Energiewende kommt scheinbar nicht in dem Tempo voran das notwendig ist, um den hohen Altbestand in Deutschlands Heizräumen abzubauen. Woran liegt das ihrer Meinung nach?
Iris Dohmen:
Aus meiner Sicht liegt das vor allem an der großen Unsicherheit. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen und Förderprogramme haben sich in den vergangenen Jahren mehrfach verändert. Viele Eigentümer fragen sich deshalb: Welche Heizung ist die richtige und welche Entscheidung ist auch in zehn oder zwanzig Jahren noch sinnvoll? Hinzu kommen hohe Investitionskosten und immer komplexere Anforderungen. Genau deshalb brauchen die Menschen vor allem Planungssicherheit, verständliche Regeln und eine unabhängige Beratung. Dann kann die Wärme- und Energiewende auch deutlich an Tempo gewinnen.
Redaktion: Die letzte Bundesregierung hat mit dem GEG und den folgenden Diskussionen sicherlich für Verunsicherungen gesorgt. Sehen sie Chancen, dass sich diese Situation mit dem GModG26 verbessert?
Iris Dohmen:
Nein. Das GModG26 ist ein komplexes Regelwerk und verlagert mehr Verantwortung auf Eigentümer, Fachunternehmen und Brennstofflieferanten. Dadurch wird der Bedarf an unabhängiger Beratung eher größer als kleiner.
Entscheidend wird sein, den Menschen wieder Planungssicherheit und Vertrauen zu geben. Nur mit verlässlichen Rahmenbedingungen und verständlichen Informationen werden Eigentümer die notwendigen Investitionen auch tatsächlich angehen. Gleichzeitig gilt es, sie vor Kostenfallen und Vollzugslücken zu schützen. Genau hier spielt das Schornsteinfegerhandwerk mit seiner unabhängigen und kompetenten Beratung eine wichtige Rolle.
Redaktion: Heizungsbetreiber nutzen die positiven Werte ihrer Immissionsschutz-Messung auch gern als Alibi um keinen Austausch der Altanlage vorzunehmen. Was raten sie den Kunden in ihrem Bezirk – ist das ein Thema im Kundengespräch?
Iris Dohmen
Ja, das ist regelmäßig Thema im Kundengespräch. Eine gute Abgasmessung bedeutet lediglich, dass die Feuerungsanlage sauber verbrennt. Sie sagt aber nichts darüber aus, wie effizient die Heizungsanlage insgesamt arbeitet oder wie hoch der tatsächliche Energieverbrauch ist.
Deshalb empfehle ich Betreibern, nicht nur auf die Messwerte zu schauen, sondern die gesamte Heizungsanlage und ihre Zukunftsfähigkeit zu bewerten. Ein Heizungstausch muss nicht überstürzt erfolgen, sollte aber rechtzeitig geplant werden. Genau dabei unterstützen wir als Schornsteinfeger. Mit einer qualifizierten Energieberatung, einer Heizlastberechnung und der fachgerechten Auslegung neuer Heizungsanlagen. So schaffen wir die Grundlage für eine wirtschaftliche und zukunftssichere Entscheidung.
Redaktion: Im Jahr 2025 gab es über 32 Millionen Wärmeerzeuger in Deutschlands privaten und gewerblich genutzten Immobilien. Darunter Heizungsanlagen, Öfen und Raumheizgeräte bzw. Warmwasserbereiter (ohne Wärmepumpen). Rund 19,48 Millionen dieser Feuerungsanlagen und damit mehr als die Hälfte heizen mit fossilen Brennstoffen. Sehen sie wirklich einen Trend zur regenerativen Heizungstechnik?
Iris Dohmen:
Ja, den sehe ich. Allerdings verläuft der Wandel deutlich langsamer, als es viele erwartet haben. Wir beobachten, dass sich immer mehr Eigentümer für Wärmepumpen oder hybride Heizsysteme interessieren. Gleichzeitig werden bestehende Öl und Gasheizungen aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheiten und hoher Investitionskosten häufig noch einmal modernisiert oder weiterbetrieben.
Ich bin aber überzeugt, dass der Anteil regenerativer Heiztechnik weiterwachsen wird. Steigende CO₂ Kosten, die zunehmenden Anforderungen an fossile Brennstoffe und der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit sprechen langfristig dafür. Entscheidend ist, dass jede Entscheidung zum Gebäude und zu den Bedürfnissen der Eigentümer passt. Pauschale Lösungen helfen hier niemandem.
Redaktion: Die Zahl der Einzelraumfeuerungsanlagen blieb nahezu konstant bei 11,7 Millionen und damit in etwa auf Vorjahresniveau. Erkennen sie hier eine Tendenz zur hybriden Nutzung. Sprich: kommt mit der neuen Wärmepumpe häufig ein holzbefeuerter Kaminofen hinzu?
Iris Dohmen:
Ja, diese Tendenz ist durchaus erkennbar. Viele Eigentümer kombinieren eine Wärmepumpe mit einem holzbefeuerten Kaminofen. Der Kaminofen dient dabei häufig als zusätzliche Wärmequelle an besonders kalten Tagen und vermittelt zugleich ein Gefühl von Versorgungssicherheit und Unabhängigkeit.
Entscheidend ist jedoch, dass beide Systeme sinnvoll aufeinander abgestimmt sind. Auch hier gilt, dass die Lösung zum Gebäude, zum Wärmebedarf und zum Nutzungsverhalten passen muss. Eine fachkundige Beratung ist deshalb unverzichtbar.
Redaktion: Kritiker Ihres Berufsstandes vermissen - gerade in Bezug auf die Wärmepumpe - die Neutralität in der häuslichen Energieberatung. Was halten sie dem entgegen?
Iris Dohmen:
Diesen Vorwurf kann ich nicht nachvollziehen. Wir haben die Wärmepumpe als Handwerk fest in unser Berufsbild integriert und in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen zu diesem Thema durchgeführt. Damit sind Schornsteinfeger fachlich in der Lage, ihre Kunden objektiv, neutral und technologieoffen zu beraten.
Wir haben nichts gegen Wärmepumpen. Im Gegenteil: Sie sind ein wichtiger Baustein der Wärmewende. Unsere Aufgabe ist es jedoch nicht, eine bestimmte Technik zu bevorzugen, sondern für jedes Gebäude die technisch und wirtschaftlich sinnvollste Lösung zu finden. Genau diese unabhängige Beratung ist eine unserer größten Stärken.
Redaktion: Die Energie- und Wärmewende braucht viele Hände – wir kommen damit also nur voran, wenn wir qualifizierte Nachwuchskräfte gewinnen. Der „Schwarzen Zunft“ ist es gelungen die Anzahl ihrer Auszubildenden in 2025 um 7,4 % zu steigern. Im SHK-Handwerk waren es nur 0,8 % mehr als im Vorjahr. Verraten Sie uns Ihr Erfolgsrezept?
Iris Dohmen:
Ein einzelnes Erfolgsrezept gibt es sicherlich nicht. Entscheidend ist, dass unser Beruf jungen Menschen sehr viel bietet: einen sicheren Arbeitsplatz, Verantwortung, direkten Kontakt zu den Menschen und eine wichtige Aufgabe für Klima und Energiewende.
Gleichzeitig haben wir in den vergangenen Jahren viel dafür getan, unser Berufsbild moderner und vielfältiger zu zeigen. Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger sind heute nicht nur für Feuerungsanlagen zuständig, sondern auch in der Energieberatung, bei Wärmepumpen und in vielen weiteren Zukunftsfeldern aktiv. Diese Mischung aus Tradition, Handwerk, Technik und Zukunftsperspektive macht unseren Beruf für junge Menschen attraktiv.
Redaktion: Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen ihnen weiterhin so viel Glück, damit sie es mit uns teilen können.