Wer die Investition nicht scheut, kann mit Pellets seine eigene Energiewende gestalten und gleichzeitig bei den Brennstoffkosten sparen.
Bild: DEPI Mehr als nur Kaminholz
Ein gemütlicher Kamin kann auch gut für die Umwelt sein – nämlich dann, wenn er Teile der Wärmeversorgung des Hauses übernimmt und ausschließlich mit Holz beheizt wird. Wie das geht, haben wir im letzten Teil unserer Heizungsserie Anfang Juni beschrieben. Deswegen wollen wir darauf nicht noch weiter eingehen.
Ein Biomasse-Brennstoff, der es gerade aufgrund der niedrigen Heizölpreise nicht leicht hat, sind Pellets. Sie bestehen aus Holzabfällen, meist aus dem Wald und von Sägewerken. Diese werden unter hohen Druck gepresst. Das darin enthaltene Lignin sorgt für Verklebung, so dass ein genormter Brennstoff entsteht, der sich gut in vollautomatisierten Anlagen verbrennen lässt.
Als Alternative bieten sich Pelletkessel insbesondere da an, wo leitungsungebundene fossile Energien eingesetzt wurden, also Heizöl oder Flüssiggas. Die Kosten des Systems sind jedoch deutlich höher und liegen – je nach Anlage, bei etwa 15.000 Euro. Hinzu kommt noch der Bau eines Lagers, das man aber selbst errichten kann. Entschädigt wird man durch niedrigere Brennstoffkosten und einen wohligen Holzduft im ganzen Haus.
Reines Biogas selten
Eine andere Variante wäre es, statt des normalen Erdgases (womit ja immerhin jeder zweite Haushalt in Deutschland heizt) Biogas zu beziehen. Das wird in Biogasanlagen aus organischen Abfällen, etwa Pflanzenreststoffen, oder aber auch aus extra dafür angebauten Pflanzen, insbesondere Mais, gewonnen. Letztes ist umstritten und mit ihm die Tank-Teller-Diskussion verbunden. Wobei das in Deutschland unsinnig ist. Lediglich 17,5 % der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche wird für so genannten Energiepflanzen genutzt (inklusive Getreide und Zuckerrüben für Bioethanol und Raps für Biodiesel). Verhungern muss deswegen keiner.
Das Biogas wird nach der Produktion gereinigt und auf das gleiche chemische Niveau wie Erdgas gebracht und dann, falls es nicht vor Ort verstromt wird, ins Erdgasnetz eingespeist. Beide enthalten zu großen Teilen Methan. Allerdings: Wie auch beim Ökostrom sind hier die Anbeiter von 100%ig rein regenerativ erzeugtem Biogas und nicht einer geringen Beimischung zu normalen Erdgas, recht rar. Das Portal tarife.de listet lediglich 2 Anbieter auf.
Bioheizöl geht auch
Die zweitwichtigste Wärmequelle der Deutschen ist Heizöl. Es wird in knapp 30 Prozent aller Wohnungen genutzt. Auch hier gibt es eine Biovariante, die auf einem veresterten Pflanzenöl (FAME für Fatty Acid Methyl Ester), meist aus Raps, beruht. Die Beimischung zu normalen Heizöl darf in Deutschland nur 15 % betragen, da die Biokomponente sonst Dichtungen und andere technische Komponenten angreifen könnten. Es sind in etwa die gleichen Befürchtungen wie seinerzeit bei der Einführung des Benzin-Kraftsoffes E10. Genau wie dort wurden bisher keine Fälle aus der Praxis bekannt, wo das eintrat eintrat.
Insbesondere für Einwohner Baden-Württembergs ist diese Variante interessant, weil sie als Erfüllungsoption für das dortige EWärmeG anerkannt wird.
Im nächsten Teil unserer Serie am 16.08.2017 geht es um Solarthermie, die als Kombination mit einer herkömmlichen Heizung eine gute Variante für die Energiewende in den eigenen 4 Wänden darstellt.
Bisher erschien:
1. Die Energiewende in den eigenen vier Wänden – eine Übersicht
2. Rechtliches – Grundlagen für die Einbindung Erneeurbarer Energien
3. Eigene Stromerzeugung: Kraft-Wärme-Kopplung
4. Eigene Stromerzeugung: Brennstoffzelle
5. Eigene Stromerzeugung: Photovoltaik
6. Eigene Stromerzeugung: Stromspeicherung zuhause
7. Eigene Stromerzeugung: Vor- und Nachteile
8. Eigene Wärmeerzeugung: Biomasse
Erscheinen demnächst:
9. Eigene Wärmeerzeugung: Solarthermie
10. Eigene Wärmeerzeugung: Wärme - Vor- und Nachteile