Biogasanlage: Quelle für Biogas, das dann aber meist doch lieber verstromt wird.
Bild: fy Jedoch haben beide Brennstoffe einen Vorteil, den kein anderer erneuerbarer Brennstoff hat: Sie können in den vorhandenen Heizungsanlagen problemlos verbrannt werden. Zusätzliche Investitionen fallen also weg.
Kaum Verträge für Biogas
Zuerst zum Biogas, das im Wärmemarkt eine minimal größere Rolle als Bioheizöl spielt. Hergestellt wird es in Biogasanlagen, die landauf, landab ja nicht zu übersehen sind. Insgesamt gibt es rund 9.200 davon. Zum Einsatz kommen dort Gülle sowie pflanzliche Reststoffe. Da auch extra dafür angebaute Biomasse verwendet wird, meistens Mais, tobt in Deutschland eine Tank-Teller-Diskussion, die jedoch aufgrund des geringen Flächenbedarfs zumindest hierzulande eher absurde Züge trägt. Weniger absurd ist hingegen die Diskussion um die abnehmende Diversität der Pflanzenwelt, also deren mangelnde Vielfalt. Dies wiederum bedingt einen Rückgang der Vielfalt in der Tierwelt, genannt seien hier aktuell Insekten und Vögel.
Das erzeugte Biogas wird gereinigt und in etwa auf das Niveau gebracht, das auch Erdgas hat. Dann wird es entweder als grünes Bioerdgas ins Gasnetz eingespeist oder vor Ort verstromt. Letzteres ist die üblichere Variante, weil es garantiert einen festen Betrag für den so erzeugten Strom gibt. So entstehen jedes Jahr in Deutschland rund 31 MWh Strom aus Biomasse.
Ersteres gibt es auch. Doch bei Produktionskosten von rund acht Eurocent je kWh ist Biogas einfach zu teuer. Zum Vergleich: An der Leipziger Energiebörse wird fossiles Erdgas für zwei bis drei Eurocent gehandelt.
Als reines Biogas ist es deswegen äußerst selten. Gerade zwei Anbieter gibt es hierzulande. Alle anderen Biogastarife, die sich im Internet finden lassen, beinhalten entweder Beimischungen mit einem geringen Prozentanteil an Biogas oder sind per Zertifikat auf grün getrimmte fossile Erdgasmengen.
Bioheizöl nur als Beimischung
Während es bei Biogas zumindest die theoretische und minimal praktische Möglichkeit gibt, als reines Biogas verbrannt zu werden, geht das bei Bioheizöl nicht. Denn Bioheizöl besteht zu 90 Prozent aus fossilem und nur zu zehn Prozent aus Bio-Öl. Das wiederum wird aus Rapsöl hergestellt, und zwar durch Veresterung. So erhält man Fatty Acid Metyl Ester (FAME), ein Stoff, der sehr stark Diesel oder Heizöl ähnelt, aber deutlich sauberer als die beiden ist. Beimischungen sind auch bis 15 Prozent möglich. Danach wird es kritisch, weil ein höherer Bio-Anteil einige Komponenten, insbesondere Kunststoffe oder Gummis in den Dichtungen der Heizungs- und Tankanlagen, angreifen könnte. Eine nennenswerte Rolle spielt Bioheizöl im Wärmemarkt jedoch ebenso wenig wie Biogas. Lediglich in Baden-Württemberg verdankt es einem Gesetz sein Überleben. Das dortige ErneuerbareWärmeGesetz (EWärmeG) verlangt nämlich im Sanierungsfall einen 15-prozentigen Anteil an erneuerbaren Energien. Mit Bioheizöl kann man davon schon mal zwei Drittel abdecken und bei seiner alten oder einer neuen Ölheizung bleiben. Denn die Verbrennung sowohl von Bioerdgas als auch Bioheizöl erfolgt ja in der altbekannten und bewährten Technik ohne jegliche Modifikation.
Im nächsten Teil am 21.02.2018 zeigen wir, welche Rolle Solarthermie spielt – immerhin der einzige „Brennstoff“ unter den Erneuerbaren im Wärmemarkt, der komplett ohne Brennstoffkosten auskommt, selten aber den kompletten Heizbedarf abdecken kann.
Bisher erschienen:
1 Erneuerbare Energien im Wärmemarkt – eine Übersicht
2 Rechtliche Voraussetzungen
3 Holz im Wärmemarkt I - Kaminholz
4 Holz im Wärmemarkt II - Pellets
5 Holz im Wärmemarkt III - Holzbriketts
6 Holz im Wärmemarkt IV - Hackschnitzel
7 Bioheizöl und Biogas
Erscheinen demnächst:
8 Solarthermie
9 Heizen mit PV-Strom via Wärmepumpe
10 Förderungen