Gründe für den Tausch eines Fensters gibt es viele. Das macht ihn auch nach dem Heizungstausch zur zweitbeliebtesten Sanierungsmaßnahme. Zum einen wäre da ein besserer Wärmeschutz, der wie die Dämmung mit dem Wärmedurchgangseffizienten U-Wert, gemessen in W/(m2 K), berechnet wird. Zum Einsatz kommen heute mindestens Fenster mit Zweifachverglasung. Aber auch die aus dem Passivhausbau stammenden dreifach verglasten Fenster finden immer breiteren Anklang.
Soll auch die Einbruchssicherung erhöht werden, hilft ein kompletter Fenstertausch. Foto: Bundesverband Flachglas.
Bild: ZVSHK Zum Vergleich: Der U-Wert alter Fenster beträgt 2,0 bis 3,0 W/m2K (Watt je Quadratmeter und Kelvin). Der U-Wert bei neuen, zweifach verglasten Fenstern liegt bei nur rund 1,1 W/m2K und bei dreifach verglasten Fenstern gar nur bei 0,4 bis 0,7 W/m2K. Beim Rahmen kann man den U-Wert von 1,6W/m2K auf bis zu 0,9W/m2K senken. Dazu später mehr. Wichtig ist dies auch für die Einhaltung der Energieeinsparverordnung (EnEV). Demnach darf der U-Wert für Fenster bei maximal 1,3 W/m²K liegen.
Bei Dämmung Fenster tauschen
Wird ein Haus gedämmt, ist ein Fensteraustausch Pflicht. Dabei ist jedoch noch ein weiterer Wert zu beachten: der G-Wert. Denn hochgedämmte Häuser kommen mit einer geringeren Leistung des Heizsystems aus. Daraus resultiert jedoch auch der Nutzen des Wärmeeintrags durch die Fenster. Denn je m2 Fensterfläche fällt bei Sonnenschein rund 1 kWh in das Gebäude – ausreichend, um kleinere Räume komplett zu heizen. Der G-Wert bestimmt die Intensität des Einfalls. Wenn Fenster von innen nach außen isolieren und Wärme zurückhalten, verringern sie gleichzeitig auch den Wärmeeintrag von außen nach innen.
Ein G-Wert von 1 entspricht einem Wärmegewinn von 100 Prozent, der in der Praxis jedoch nicht erreicht werden kann. Herkömmliches Glas kommt auf einen G-Wert von 0,85. Bei einer Dreifachverglasung liegt er nur noch bei 0,55. Damit lässt er rund ein Drittel weniger Energie in den Raum einstrahlen. Nach EnEV sollte der G-Wert bei 0,6 liegen. Neue Fenster erreichen dies mit Spezialglas, das weniger Eisen enthält, und mit schmaleren Rahmen, die die eigentliche Schwachstelle in der energetischen Bilanz eines Fensters sind.
Auch Verschleiß, insbesondere an den energetisch verschwenderischen Rahmen und Beschlägen, sind ein triftiger Austauschgrund. Hinzu kommt das wachsende Sicherheitsbedürfnis. Alte Fenster kann man nicht mit einbruchsicherem Glas ausrüsten. Hier hilft nur ein kompletter Fensterwechsel.
Glaswechsel reicht nur selten
Bei bestimmten Fenstern reicht jedoch auch ein Glaswechsel. Das kann mit einem einfachen Test erfolgen. Man hält eine Feuerzeugflamme vor das Fenster. Verfärbt sich diese blau, handelt es sich um eine IR- oder Sonnenschutzbeschichtung. Diese haben einen sehr niedrigen U-Wert. Ein Glaswechsel lohnt hier nicht. Bleibt die Flammenfarbe gleich, sind die Gläser nicht beschichtet. Ein Glaswechsel wäre sinnvoll. Allerdings lohnt sich das nur bei Fenstern, die etwa von 1985 bis 1995 verbaut wurden. Fenster, die danach auf den Markt kamen, weisen schon Silberbeschichtung und Argon-Gasfüllung im Zwischenraum auf und erreichen damit etwa dreimal so gute Wärmedämmwerte wie Altfenster. Der reine Glastausch ist um 30 bis 40 Prozent günstiger als der komplette Fenstertausch. Aber er lohnt eben nur bei der oben genannten Gruppe von Fenstern.
Wer es genauer wissen will: Das Institut für Fenstertechnik (IFT) Rosenheim hat hier einige Infos zusammengetragen.
Auch die Heizung kann in die Jahre gekommen sein. Woran man das erkennt und worauf man bei einer Optimierung oder einem Austausch achten sollte, schildert der nächste Teil "Heizungswechsel" der Serie am 29.07.2018.
Bisher erschienen:
1. Bestandsanierung im Überblick
2. Rechtliches
3. Förderungen
4. Dämmung außen
5. Dämmung innen
6. Dacherneuerung
7. Fensterwechsel
Erscheinen demnächst:
8. Heizungswechsel
9. Wechsel Sanitär/Wasser
10. Wechsel Elektrik
11. Eigene Energieerzeugung
12. Praxisbeispiele