Die Frage aller Fragen beim nachhaltigen Bauen ist natürlich die: Was kostet es? Oder: Wie viel mehr kostet es? Die Antwort ist nicht ganz einfach. Es gibt genügend Studien am Markt, die nachweisen, dass nachhaltiges Bauen trotz der höheren Anfangsinvestition wirtschaftlich ist, da man den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes mit einbezieht.
Zum nachhaltigen Bauen können Gründächer gehören. Auch hier gilt: Eine höhere Investition kann über die Jahre hinweg Einsparungen schaffen. Bild: BuGG Für das nachhaltige Bauen spricht dann unter anderem die hohe Energieeffizienz, also der geringere Energieverbrauch über alle Jahre, die das Gebäude steht. Und eines ist nicht zu vergessen: der Skaleneffekt. Je mehr nachhaltig gebaut wird, umso stärker sinken die Kosten. Derzeit ist Nachhaltigkeit beim Bauen jedoch noch nicht weit verbreitet, weswegen Planer und Handwerker auch etwas mehr Geld für ihr besonderes Know-how verlangen können.
Erst mal mehr investieren
Dennoch: Am Anfang steht eine Mehrinvestition. Und die liegt derzeit eben je nach Ausstattung 10 bis 30 Prozent über der für ein gleich großes und gleich funktionales konventionellen Bauwerk. Das liegt auch an den verwendeten Materialien. Polystyrol zum Dämmen ist nun mal deutlich günstiger als Mineralwolle oder Biofasern.
Und: Man muss sich wieder Wissen aneignen, welches unsere Vorfahren schon lange hatten. Natürliche Baustoffe wurden verdrängt, weil industriell gefertigte billiger und meist auch besser zu verarbeiten waren. Ein Beispiel dafür sind die Mineralputze, die nachhaltige Lehm- oder Kalkputze verdrängten. Die werden nun mit großem Aufwand wiederentdeckt und eben auch mit großem Aufwand erneut verwendet. Das kostet. Auch, weil diese „alten“ Putze gut das Doppelte wie ihre industriell gefertigten Pendants kosten. Aber dafür haben die ökologischen Baustoffe auch Vorteile, die ein einfacher Zementputz eben nicht hat. Sie sind diffusionsoffen, machen also das Raumklima besser und vermeiden Schimmelbildung.
Man darf also beim Preis fürs nachhaltige Bauen nicht nur auf die Kosten fürs Material, die Handwerker und den Planer schauen. Man muss für sich entscheiden, was man mit einem Bauwerk erreichen will (es soll eben nachhaltig sein) und inwieweit Nachhaltigkeit das Leben in diesem Gebäude verbessert – etwa schon allein schon dadurch, dass nachhaltige Baustoffe frei von Chemikalien sein müssen. Und das kann letztlich kaum zu teuer sein.
Einsparungen helfen
Tatsächlich gibt es aber auch Anhaltspunkte und Erfahrungswerte, nach denen sich das nachhaltige Bauen gar nicht so teuer gestaltet wie vielleicht gedacht. Die Energieeffizienz als Grund wurde ja schon angeführt.
Ein weiterer Punkt ist die sehr gute Förderung. In der neuen Bundesförderung effiziente Gebäude (BEH) wurden extra dafür Nachhaltigkeitsklassen für Bauwerke eingeführt (NH-Klassen). Diese werden besonders gut gefördert. Mittels Kredites können es sogar bis zu 55 Prozent der gesamten Bausumme sein – also auch der Umfeldkosten wie Planung oder Baubegleitung (mehr unter www.kfw.de).
Und dann gibt es noch weitere harte Fakten. Ein dänischer Partner der DGNB hat 37 nach DGNB zertifizierte Gebäude unter die Lupe genommen, darunter 8 mehrgeschossige Wohnbauten, 21 Bürogebäude und 8 Reihenhäuser. Die Baukosten lagen zwischen 800 Euro pro m2 und 3.200 Euro pro m2. Diese Bandbreite findet sich auch bei konventionellen Bauwerken. Höhere Baukosten, so die Studie, entstehen in der Regel nicht durch Klimaschutzmaßnahmen, sondern meist durch zahlreiche Extras, die zusätzlich umgesetzt werden sollen, damit eine gute Vermarktung sichergestellt wird.
Der nächste Teil der Serie am 20.08.2021 zeigt, welche Vorteile nachhaltiges Bauen bietet.
Bisher erschienen im Rahmen der Themenserie folgende Beiträge:
1. Was ist nachhaltiges Bauen?
2. Wie plant man ein nachhaltiges Bauwerk
3. Welche Baustoffe kommen für nachhaltiges Bauen in Frage?
4. Welche Baumethoden eignen sich für nachhaltiges Bauen?
5. Welche Zertifikate gibt es für nachhaltiges Bauen und was muss man dafür erfüllen?
6. Wie können sich Planer und Handwerker für nachhaltiges Bauen qualifizieren?
7. Kostet nachhaltiges Bauen mehr als konventionelles Bauen?
Erscheinen demnächst:
8. Welche Vorteile bietet nachhaltiges Bauen für die Nutzer einer Immobilie?
9. Praxisbeispiele für nachhaltiges Bauen: Wohngebäude
10. Praxisbeispiel für nachhaltiges Bauen: Nichtwohngebäude
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Ein Beitrag der Redaktion vom HaustechnikDialog.